Die Prognose für Patienten mit kleinzelligem Bronchialkarzinom (SCLC) im extensiven
Stadium ist äußerst schlecht. Sprechen Patienten auf die übliche Chemotherapie mit
Cisplatin plus Etoposid an, kann mit einer Ganzhirn-Bestrahlung ein Überlebensvorteil
erreicht werden. Ein Problem bleibt die intrathorakale Tumorkontrolle. Daher haben
B. J. Slotmann et al. den Effekt einer zusätzlichen Thoraxbestrahlung analysiert.
Lancet 2015; 385: 36–42
An der Phase-III-Studie waren 42 Kliniken in den Niederlanden, in Großbritannien,
in Norwegen und Belgien beteiligt. Teilnehmen konnten Patienten im Alter von über
18 Jahren mit SCLC im extensiven Stadium, die auf 4–6 Zyklen Standard-Chemotherapie
angesprochen hatten. Spätestens 7 Wochen nach der Chemotherapie erhielten die Teilnehmer
randomisiert entweder nur eine prophylaktische Ganzhirn- oder zusätzlich eine Thoraxbestrahlung.
Die Bestrahlung des Brustkorbs umfasste 10 Fraktionen (Gesamtdosis 30 Gy) mit einem
Sicherheitssaum von 15 mm zum Tumorvolumen nach Chemotherapie, wobei Lymphknoten im
Mediastinum ebenfalls bestrahlt wurden. Primärer Endpunkt war das Gesamtüberleben
nach einem Jahr. Zusätzlich wurde das Gesamtüberleben nach 2 Jahren ausgewertet. Zu
den sekundären Endpunkten zählten die intrathorakale Tumorkontrolle, das progressionsfreie
Überleben (median und nach 6 Monaten) sowie toxische Effekte.
Die 2-Jahres-Überlebensraten können beim SCLC unter 5 % liegen. Hier ein Bronchialkarzinom
mit unbekanntem Subtyp. (Bild: © Oliver Knieps/Thieme Verlagsgruppe)
2-Jahres-Überleben verbessert
Von den 495 Teilnehmern waren 23 % über 70 und 8 % über 75 Jahre alt. Insgesamt 247
Patienten erhielten die additive Thoraxbestrahlung und 248 die alleinige Ganzhirnbestrahlung
(Kontrollgruppe). Zwischen Diagnose und Randomisierung lagen im Schnitt 17 Wochen,
die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 24 Monate. In beiden Gruppen war das 1-Jahresüberleben
vergleichbar (33 vs. 28 %, p = 0,066) und das mediane Gesamtüberleben erreichte 8
Monate. Nach 18 Monaten überlebten in der Gruppe mit Thoraxbestrahlung 16 % und in
der Kontrollgruppe 9 % (p = 0,03). Die 2-Jahres-Überlebensrate ergab mit 13 % (Thoraxbestrahlung)
vs. 3 % (Kontrollgruppe) einen statistisch signifikanten Unterschied von p = 0,004;
um einen Todesfall zu verhindern, mussten 10,6 Patienten behandelt werden.
Die additive Thoraxbestrahlung reduzierte das Progressionsrisiko um 27 % (Hazard Ratio
[HR] 0,73, p = 0,001). Nach 6 Monaten Thoraxbestrahlung waren 24 % progressionsfrei,
in der Kontrollgruppe waren es 20 % (p = 0,001). Es wurden keine schweren toxischen
Effekte beobachtet; zu den häufigsten Nebenwirkungen gehörten in beiden Gruppen gleichermaßen
Fatigue und Dyspnoe.
Wie die vorliegende Studie zeigt, kann bei SCLC-Patienten im extensiven Stadium die
additive Thoraxbestrahlung das 2-Jahres-Überleben deutlich verbessern. Gleichzeitig
wurde das progressionsfreie Überleben verbessert. Nach Meinung der Autoren sollte
die Thoraxbestrahlung bei diesen Patienten nach Ansprechen auf eine Chemotherapie
in Erwägung gezogen werden.