Miyakoshi N, Hongo M, Kobayashi T et al.
Improvement of spinal alignment and quality of life after corrective surgery for spinal
kyphosis in patients with osteoporosis: a comparative study with non-operated patients.
Osteoporos Int 2015;
26: 2657-2664
Die japanische Studie von Miyakoshi et al. geht auf die Notwendigkeit der Korrekturspondylodese
bei Patienten mit manifester spinaler Kyphose ein.
Miyakoshi N, Hongo M, Kobayashi T et al. Improvement of spinal alignment and quality
of life after corrective surgery for spinal kyphosis in patients with osteoporosis:
a comparative study with non-operated patients. Osteoporos Int 2015; 26: 2657–2664
Einleitung
Ziel der Studie war es, die Wirbelsäulenaufrichtung sowie die Lebensqualität bei Osteoporose
/ Kyphose-Patienten nach dorsaler Fusion zu untersuchen und die Ergebnisse mit nicht
operierten Patienten zu vergleichen.
Methodik
Für diese Studie wurden 2 Gruppen gebildet. In der 1. Gruppe (Operationsgruppe) wurden
39 Patienten > 50 Jahre mit postmenopausaler Osteoporose einbezogen, welche sich wegen
einer symptomatischen thorakolumbalen oder lumbalen Kyphose einer korrigierenden Spondylodese
unterzogen. Diese Patienten erhielten eine dorsale Fusion i. S. eines PLIF (dorsale
Instrumentierung und Cage-Implantation). Durchschnittlich wurden 6,6 Etagen von TH4
bis zu S1 versteift (minimal 3 Etagen, maximal 13 Etagen). Die 2. Gruppe (Kontrollgruppe)
schloss 82 altersabgestimmte Patienten mit postmenopausaler Osteoporoese ohne Wirbelkörperfrakturen
ein. Die Auswertung erfolgte radiologisch mittels Röntgenaufnahmen zur Berechnung
des thorakalen Kyphose-Winkels, des lumbalen Lordose-Winkels, des sagittalen Profils,
der Beckenneigung und des pelvinen Einfallswinkels. Zusätzlich wurde die Lebensqualität
mittels folgender Fragebögen untersucht: „Japanese Osteoporosis quality of live Questionnaire”
(JOQOL), „Medical Outcomes Study Short Form 36” (SF-36), „Roland-Morris Disability
Questionnaire” (RDQ). Präoperativ und 6 Monate postoperativ wurden die Kontroll- und
die Operationsgruppe verglichen und statistisch ausgewertet.
Ergebnisse
Die Kontrollgruppe wies einen signifikant niedrigeren Body-Mass-Index (BMI) verglichen
mit der Operationsgruppe (21,6 ± 3,0 vs. 23,4 ± 4,1) sowie eine signifikant geringere
Knochenmineraldichte auf. Die radiologisch erhobenen Parameter (thorakaler Kyphose-Winkel,
lumbaler Lordose-Winkel, sagittales Profil, Beckenneigung) zeigten eine signifikante
Verschlechterung präoperativ und eine signifikante Verbesserung postoperativ im Vergleich
zur Kontrollgruppe. Allerdings konnten operierte Patienten 6 Monate nach der Versteifung
nicht die radiologischen Werte der Kontrollgruppe erreichen. Der pelvine Einfallswinkel
zeigte keinen Unterschied zwischen den Gruppen. Bei der Auswertung der Lebensqualität
mittels JOQOL wurden Patienten der Kontrollgruppe mit einen Gesamtscore von 114,6
± 14,1 Punkten ausgewertet. Operierte Patienten hatten einen JOQOL-Score von 81,4
± 20,8 vor der OP (signifikant weniger im Vergleich zur Kontrollgruppe) wobei dieser
Score 6 Monate postoperativ auf 90,6 ± 22,1 anstieg (signifikant besser im Vergleich
zum Wert der Operationsgruppe präoperativ und der Kontrollgruppe). Eine ähnliche Kinetik
konnte für den RDQ-Score erhoben werden. Hierbei zeigte die Kontrollgruppe einen durchschnittlichen
Behinderungsgrad von 4 Punkten. Präoperativ lag der RQD in der Operationsgruppe bei
ca. 11 Punkten (signifikant gegenüber der Kontrollgruppe) und postoperativ bei ca.
8 Punkten (signifikant gegenüber der Kontrollgruppe und der präoperativen Gruppe).
Der SF-36-Score zeigte sich bei der Operationsgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe
signifikant verschlechtert.
Kommentar
Zusammenfassend postulieren die Autoren, dass die dorsale Instrumentierung und Fusion
von Wirbelkörpern bei Osteoporose und Kyphose der Wirbelsäule die Aufrichtung der
Wirbelsäule verbessert und die Lebensqualität der Patienten steigert. Allerdings kann
diese durch die OP erreichte Verbesserung weder die radiologischen Werte noch die
Lebensqualitätsscores von Patienten erreichen, bei denen keine operative Versorgung
benötigt wird. Die Ergebnisse der vorgestellten Studie korrelieren mit denen anderer
Arbeitsgruppen [
1
], wobei eine Verbesserung der Beschwerden nach Korrektur der Kyphose beobachtet wurde.
Kritisch an der Studie zu betrachten sind meines Erachtens 2 Punkte: Die Patienten
der Kontroll- und der Operationsgruppe hatten signifikant unterschiedliche BMIs und
Knochenmineraldichten. Die Autoren erklären diese statistische Diskrepanz durch die
unterschiedliche Beschäftigung der Patienten. Die OP-Indikation bzw. der Wunsch zur
OP wurde überwiegend bei Landwirten gestellt. Bei dieser Gruppe von Patienten kommt
es laut den Autoren zwangsläufig durch die harte täglliche Arbeit zu einem erhöhten
BMI und einem Anstieg der Knochenmineraldichte. Ein weiterer Kritikpunkt der Studie
ist, dass das Ausmaß der chirurgischen Versorgung relativ weit ausgelegt war (Versteifung
von 3–13 Etagen). Es ist bekannt, dass eine Versteifung von bis zu 5 Segmenten bei
ausgewählten Patienten keinen wesentlichen Einfluss auf den postoperativen Verlauf
hat [
2
]. Eine weitere Einteilung der Operationsgruppe in Untergruppen, z. B. 3–5 Segmente
und 6 oder mehr Segmente, wäre von Interesse, um den Einfluss des Operationsausmaßes
auf die erhobenen Parameter zu präzisieren.