Deutsche Heilpraktiker-Zeitschrift 2017; 12(02): 18-23
DOI: 10.1055/s-0037-1602147
Praxis
Behandlung
© Karl F. Haug Verlag in Georg Thieme Verlag KG

Wenn die Blase Feuer fängt

Angelika Uphoff

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Publikationsdatum:
10.April 2017 (online)

 

Summary

Mit homöopathischen Mitteln lässt sich bei hartnäckigen und chronischen Erkrankungen der Harnwege oft eine vollständige Genesung erreichen. Voraussetzung dafür ist das passende Mittel. Für die Differenzierung ist es wichtig, neben den körperlichen auch die psychischen Symptome zu erfragen. Beispiele für Mittelbilder bei Harnwegsinfekten, Nierensteinen und Harninkontinenz stellt die Autorin in diesem Beitrag vor.


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Abb. 1 Brennen beim Wasserlassen und Druck. Das sind Symptome, die auf Nux vomica hinweisen. Foto: © Fotolia / kei907

Erkrankungen des UROGENITALTRAKTS haben neben der körperlichen oft auch eine seelische Ursache.

Angelika Uphoff

Eine 33-Jährige kommt am Morgen nach Weiberfastnacht zu mir in die Praxis. Gereizt erzählt sie von starkem Harndrang, Brennen beim Wasserlassen und Druck in der Blase. Sie friert und fühlt sich unwohl.

Eine 40-Jährige hat seit zwei Tagen ein Druckgefühl in der rechten Nierengegend. Im Urin hat sie Grieß gesehen. Nachmittags ist ihr Unterleib aufgebläht, sie kann dann am Bauch keine enge Kleidung ertragen. Sie liebt süße Speisen und warme Getränke.

Eine 65-Jährige klagt über spontanen Harnabgang, jeden Morgen direkt nach dem Aufstehen sowie beim Husten, Lachen und Niesen. Das erste Mal traten die Beschwerden vor 10 Jahren nach einer Pneumonie auf.

Zystitis, Nierensteine, Blasenschwäche mit Harninkontinenz und Reizblase. Es sind bei Frauen häufig vorkommende Leiden, die zu einem Besuch in der Naturheilpraxis veranlassen. Mindestens an einer Blasenentzündung leidet jede Frau in ihrem Leben, oft sind es mehrere oder die Entzündung chronifiziert. Nach der Menopause kommt es zudem bei vielen Frauen zu einer mehr oder weniger stark ausgeprägten Harninkontinenz.

Warum das so ist, dafür gibt es neben körperlichen auch psychische und psychosomatische Gründe. Wir sprechen beispielsweise vom Urogenitaltrakt und haben dadurch bereits die Verknüpfung dieser beiden Organsysteme hergestellt. Jede Erkrankung dort kann auch Ausdruck ungelöster innerer Konflikte und emotionaler Probleme sein.

Mithilfe der klassischen Homöopathie ist Genesung auf der körperlichen, aber auch auf der geistig-seelischen Ebene möglich. Doch um das richtige Mittel zu identifizieren, sind eine genaue Differenzierung der Symptome, das Wissen um verbessernde sowie verschlechternde Modalitäten und den emotionalen Aspekt wichtig.

Körper und Seele können bei einer Zystitis „brennen“

Viele Frauen haben rezidivierende Blasenentzündungen. Sie erhalten dagegen von ihrem Hausarzt Antibiotika. Die töten jedoch nicht nur die entzündungsverursachenden Keime in der Blase ab, sondern auch die der physiologischen Bakterienflora der Vagina und des Darmes. Es kommt deshalb zu Hefepilzinfektionen in diesem Bereich, Durchfall und schließlich wieder Harnwegsinfektionen. Denn die Harnröhre ist bei Frauen nur 2,5–4 cm kurz, sodass der Weg in die Blase für Keime leicht zu überwinden ist. Im Gegensatz zu den Männern: Ihre Harnröhre ist etwa 20 cm lang, sie leiden daher selten unter einer Zystitis.

Kommen Frauen mit Zystitis in die homöopathische Praxis, steht aber nicht allein der Erreger als Ursache der Erkrankung im Mittelpunkt der Anamnese. Weil jede Infektion auch ein stofflich gewordener Konflikt sein kann, ist die Erinnerung an die erste Infektion, also in welcher Situation sie auftrat, von welchen Gefühlen sie begleitet war und was sich durch sie verändert hat, ein wertvoller Hinweis darauf, welche Art von Konflikt jetzt mit dem Auftreten der Infektion verbunden ist. Ein neues Bewusstsein über die Zusammenhänge kann Lösungs- bzw. Stärkungsmöglichkeiten eröffnen. Hierzu Beispiele für typische Mittel.

Cantharis – Spanische Fliege

Symptome: heftige und schnelle Krankheitsentwicklung. Jede Harnentleerung ist von brennenden Schmerzen begleitet. Die Patientin schreit mitunter vor Schmerzen, jeder Tropfen fühlt sich an wie brennende Säure auf der Schleimhaut. Intensiver Harndrang trotz geringer Harnmenge, die Frau hat alle paar Minuten das Bedürfnis zu urinieren. Sie erhofft sich Linderung, wenn sie die Blase vollständig entleeren kann. Oft ist Blut im Urin beigemengt.

Causa: heftige bakterielle Entzündung, in Verbindung mit Sex

auffällig: Die Patientin kann wollüstige Empfindungen haben trotz Entzündung und heftiger Schmerzen.

besser: durch Kälte

schlechter: durch Harndrang, Bewegung

Geist- und Gemütssymptome: Betroffene schreien vor Schmerzen. Gefühl, verrückt zu werden vor Schmerzen

Merke: Cantharis ist das Mittel der Wahl, wenn das Hauptsymptom ein brennender Schmerz ist.


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Nux vomica – Brechnuss

Symptome: ständiger Harndrang durch Völlegefühl, die Patientin kann aber nur kleine Mengen Urin ausscheiden. Der Harndrang hält auch nach der Blasenentleerung weiter an. Es können Harnverhalt, Sphinkterspasmen, schmerzhafter Harndrang (Tenesmus vesicae) auftreten sowie schmerzhafter Druck in der Blase.

Causa: Stress, Kälte, Luftzug, Kaffeegenuss, Schlafmangel, Überarbeitung

besser: durch Wärme, ein warmes Bad

schlechter: durch Kaffee, Alkohol, Frieren

Geist- und Gemütssymptome: Reizbarkeit, Ruhelosigkeit

KURZ GEFASST
  1. Mit homöopathischen Mitteln lässt sich bei hartnäckigen und chronischen Erkrankungen der Harnwege oft eine vollständige Genesung erreichen.

  2. Voraussetzung dafür ist das passende Mittel. Für die Differenzierung ist es wichtig, neben den körperlichen auch die psychischen Symptome zu erfragen.

  3. Beispiele für Mittelbilder bei Harnwegsinfekten, Nierensteinen und Harninkontinenz stellt die Autorin in diesem Beitrag vor.

Merke: Nux vomica ist das Mittel der Wahl, wenn das Hauptsymptom häufiger Harndrang ist.


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Staphisagria – Rittersporn

Symptome: Brennen, schmerzhafter Stuhl- und Harndrang, unbefriedigende Harnentleerung. Es treten Schmerzen während des Urinierens beziehungsweise danach auf. Die Schmerzen halten lange an und treten auch zwischen den Entleerungen auf.

Causa: häufiger beziehungsweise liebloser Koitus, Blasendehnung, Katheterisierung, Kränkung, Demütigung

besser: durch zusammengekauertes Liegen auf der Seite, Wasserlassen

schlechter: durch Koitus (Honeymoon-Zystitis)

Geist- und Gemütssymptome: Die Patientin ist harmoniebedürftig, sie kann sich schlecht wehren, lässt sich leicht unterdrücken und verletzen.

Merke: Staphisagria ist das Mittel der Wahl, wenn die Beschwerden Folge von Zorn, Kränkung, Demütigung und / oder Gewalteinwirkung sind.


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Pulsatilla – Küchenschelle

Symptome: plötzlicher und starker Drang. Die Patientin kann den Harn nicht zurückhalten. Sie leidet unter unfreiwilligem Harnabgang, wenn sie sich nicht ständig darauf konzentriert, diesen zu vermeiden. Es besteht Harndrang, sobald sich wenige Tropfen Urin in der Blase gesammelt haben. Scharfe, stechende Schmerzen treten nach der Blasenentleerung auf, die Schmerzen strahlen in die Oberschenkel.

Causa: Frieren, nasse Füße

besser: an der frischen Luft, durch Trost, in Gesellschaft

schlechter: durch Schwangerschaft, Mangel an Zuwendung

Geist- und Gemütssymptome: Die Patientin ist weinerlich, leidet unter Stimmungsschwankungen.


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Sarsaparilla – Stechwinde

Symptome: Ausscheidung großer Mengen Urin mit starken, brennenden Schmerzen am Ende der Harnentleerung; die Schmerzen treten mit den letzten Tropfen auf. Ein Frostgefühl breitet sich bei der Harnentleerung von der Blase in den Körper aus. Die Patientin kann oft nur im Stehen urinieren. Mitunter kommt es zum Harnverhalt.

schlechter: durch feuchtkaltes Wetter, Menses, warme Getränke

besser: durch warme Anwendungen

auffällig: Warme Anwendungen werden als angenehm empfunden, wobei warme Getränke zu unerträglichem Harndrang führen.

Merke: Sarsaparilla ist das Mittel der Wahl, wenn das Hauptsymptom Schmerzen am Ende der Harnentleerung ist.

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Abb. 2 Pulsatilla ist das Mittel der Wahl, wenn die Schmerzen durch Hinauszögern der Harnentleerung stärker werden. Foto: © Shutterstock / Kazakov Maksim

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Aconitum – Sturmhut

Symptome: Druckgefühl und Brennen vor der Harnentleerung. Die Patientin hat Angstgefühle, die mit dem Harndrang verbunden sind.

Causa: Harnverhalt nach Entbindung, Operation, Schock oder Schreck, kalter Wind

schlechter: plötzlich, zwischen 23.00 und 0.00 Uhr

besser: im Freien, durch Ruhe

Geist- und Gemütssymptome: Angst, Ruhelosigkeit

Merke: Aconitum ist das Mittel der Wahl, wenn die Beschwerden plötzlich nach kaltem Wind oder Schreck auftreten.


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Belladonna – Tollkirsche

Symptome: plötzlich auftretende Symptome der Nieren- oder Blasenentzündung mit hohem Fieber und heftigen Schmerzen, schmerzhaftem Harndrang; Empfindung wie krampfartiges Greifen an den Blasenhals. Die Patientin hat ein rotes Gesicht, eventuell große Pupillen, kalte Extremitäten, ist durstlos, schwitzt stark, will aber zugedeckt bleiben.

Causa: Abkühlung, plötzlicher und heftiger Ärger

besser: durch ruhiges Liegen

schlechter: durch Erschütterung und Bewegung

Geist- und Gemütssymptome: Ablehnung und Rückzug

Merke: Belladonna ist das Mittel der Wahl, wenn das Hauptsymptom hohes Fieber ist.


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Berberis – Berberitze

Symptome: brennende Schmerzen, die sich von der Blase in die Harnröhre ausbreiten; Gefühl, als würden die Schmerzen die Harnwege aufwärts- oder abwärtsschießen; Empfindung wie von Blasenbildung in den Nieren (Sprudelgefühl)

Causa: Steinleiden

besser: durch festes Bandagieren oder andere Maßnahmen zur Ruhigstellung der betroffenen Körperseite; während der Harnentleerung

schlechter: durch Erschütterung, sogar geringste Bewegung

Merke: Berberis ist das Mittel der Wahl, wenn sich ein Stechen von den Nieren abwärts in Richtung Blase oder Oberschenkel erstreckt.


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Natrium muriaticum – Kochsalz

Symptome: kann nicht in Gegenwart anderer urinieren. Die Patientin weint alleine, wenn sie traurig ist, beziehungsweise ist traurig, doch unfähig zu weinen. Sie neigt zu chronischen Leiden wie Migräne, Neurodermitis, Heuschnupfen.

Causa: unterdrückter Kummer

besser: im Freien, durch Liegen auf etwas Hartem, in Ruhe

schlechter: durch Sonne, Mitgefühl, Weinen

Geist- und Gemütssymptome: Die Patientin ist introvertiert, verschlossen, pflichtbewusst, denkt immer wieder an vergangenen Kummer und Demütigungen. Sie hat eine Abneigung gegen Trost.

Merke: Natrium muriaticum ist das Mittel der Wahl, wenn der Erkrankung lang anhaltender und zurückgehaltener Kummer zugrunde liegt.


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Nierensteine oder die Frage, was der Körper loslassen sollte

Nierensteine entstehen durch Ausfällung und Kristallisation bestimmter, im Urin überreichlich vorhandener Stoffe. Konkremente unterschiedlicher Größe und Zusammensetzung bilden sich im Nierenbecken und gelangen in den engen Harnleiter. Dort können sie stecken bleiben und zu Koliken führen. Die Kolik ist dabei ein sinnvoller Versuch des Körpers, das blockierende Konkrement durch peristaltische Bewegungen des Harnleiters nach außen zu befördern.

Das Konkrement besteht aus einer Anhäufung von Stoffen, die eigentlich ausgeschieden werden sollten, denn sie sind für den Körper nicht notwendig. Überträgt man dies auf die psychische Ebene, taucht die Frage auf: Welche Themen haben sich bei der Patientin angehäuft und blockieren deren Entwicklung? Erzeugen sie einen Stau? Sollte die Patientin die Themen unbedingt loslassen? Hierzu Beispiele für typische Mittel.

Belladonna – Tollkirsche

Symptome: plötzlich auftretende, unerträgliche Schmerzen insbesondere in der rechten Niere. Die Patientin muss still liegen. Ausstrahlung in die Blase. Der Urin ist blutig und enthält Blutklumpen. Das Gesicht der Patientin ist erhitzt, während die Extremitäten kalt sind.

Causa: kalt werden

besser: durch ruhiges Liegen

schlechter: durch Erschütterung, Husten, Niesen

Geist- und Gemütssymptome: Delirium, Halluzinationen, Raserei


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Colocynthis – Koloquinte

Symptome: Krämpfe im Abdomen, Ruhelosigkeit. Die Patientin wälzt und windet sich vor Schmerz. Beschwerden auf der rechten Körperseite. Die Koliken kommen in Wellen.

Causa: Ärger, Kränkung, Kälte, Nässe

besser: durch festen Druck, Wärme oder Hitze und Zusammenkrümmen

schlechter: im Liegen

Geist- und Gemütssymptom: Zorn


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Berberis – Berberitze

Symptome: scharfe, stechende oder einschießende Schmerzen, hauptsächlich in der linken Niere. Die Schmerzen strahlen in verschiedene Körperregionen oder in den ganzen Körper aus: vom Harnleiter abwärts in die Blase, Harnröhre, Leisten, Oberschenkel, Waden. Der Urin ist dunkel verfärbt und enthält Sedimente. Schmerzhafter Harndrang während der Kolik.

Causa: Bewegung

besser: durch Ruhigstellen, festes Bandagieren der schmerzenden Körperseite

schlimmer: durch Erschütterung, Bewegung

Geist- und Gemütssymptome: Angst vor dem Aufstehen


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Nux vomica – Brechnuss

Symptome: kolikartige Schmerzen mit starkem Stuhl- oder Harndrang, Ausstrahlung des Schmerzes ins Rektum

Causa: Vergiftung durch Noxen wie Alkohol, Koffein, Drogen oder Medikamente, Überarbeitung, Stress

besser: durch Wärme

Geist- und Gemütssymptome: reizbar und nervös, ruhelos


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Lycopodium – Bärlapp

Symptome: Nierensteine rechts mit kolikartigen Schmerzen. Die Patientin ist gegenüber enger Kleidung stark abgeneigt. Rotes Harnsediment.

Causa: Erwartungsangst

schlechter: zwischen 16 und 20 Uhr

besser: nach Harnentleerung

Geist- und Gemütssymptome: schüchtern in der Öffentlichkeit, diktatorisch zu Hause


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Blasenschwäche mit Reizblase
und Harninkontinenz

Die Blase ist ein Sammelbehälter, in dem alle durch die Niere ausgeschiedenen Stoffe darauf warten, den Körper zu verlassen. Durch die Urinmenge entsteht Druck, das Urinieren führt zur Erleichterung. Ursache der Reizblase ist in der Regel keine anatomische oder pathologische Veränderung der Blase oder der Harnröhre.

Ursache ist fast immer die gesteigerte Empfindlichkeit der Blasennerven und des Blasenmuskels gegenüber Dehnungsreizen. Nicht nur das Tröpfeln ist Symptom, sondern auch überfallartiger, sehr heftiger Harndrang, den die Betroffene nur mit Mühe oder gar nicht kontrollieren kann. Genauso kann ständiger Harndrang bei geringer Harnmenge ein Symptom sein. Viele Frauen beklagen zudem, dass sie ständig urinieren müssen, besonders wenn sie aufgeregt oder angespannt sind oder wenn sie an das Urinieren denken. Sie können beinahe zwanghafte Züge entwickeln.

Eine zu frühe Sauberkeitserziehung bei Mädchen kann ebenfalls Ursache sein. Der unfreiwillige Harnverlust kann aber auch ein lästiges Begleitsymptom der Gebärmutter- und / oder Scheidensenkung sein. Beides kommt häufig nach mehreren Schwangerschaften vor, eine Scheidensenkung auch häufiger nach einer Hysterektomie. Aber auch schweres Heben, chronischer Husten, Operationen im Beckenraum und Übergewicht können den Beckenboden schwächen und zu den Symptomen führen. Besonders Frauen jenseits des 60. Lebensjahres klagen über Harninkontinenz.

Causticum – Ätzkalk

Ein Mittel bei Blasenlähmung nach einer vorausgegangenen Überdehnung beispielsweise durch Geburt, Uterusoperation oder Blasenspiegelung.

Symptom: herabdrängendes Gefühl, unfreiwilliger Harnabgang beim Husten, Lachen, Niesen. Die Patientin mag warme Regentage. Sie isst ungern Süßes und hat Verlangen nach geräucherten Speisen.

Causa: Kummer, Kälte, Nässe

besser: durch kalte Getränke, Bettwärme, feuchtes und nasses Wetter

schlechter: durch extreme Temperaturen, warmes Zimmer, Aufregung

Geist- und Gemütssymptome: Die Patientin kann keine Ungerechtigkeiten ertragen, ist sozial engagiert, erschöpft sich im Einsatz für andere Menschen.


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Sepia – Tinte des Tintenfischs

Ein Mittel bei Beschwerden durch schwaches Bindegewebe und Gebärmuttersenkung nach Schwangerschaften.

Symptom: Die Patientin hat das Gefühl, die Beine übereinanderschlagen zu müssen, damit die Beckenorgane nicht herausfallen. Sie reagiert empfindlich auf hormonelle Veränderungen.

besser / Verlangen: nach Bewegung wie Joggen, Tanzen, Sport

schlechter: durch Menses, Koitus, Wechseljahre, Schwangerschaft

Geist- und Gemütssymptome: Sie ist melancholisch und reizbar. Alles bessert sich in der Sonne.


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Pulsatilla – Küchenschelle

Symptom: unfreiwilliger Harnabgang in der Schwangerschaft, Menopause, während der Menses

Causa: emotionaler Stress, „Weinen über die Blase“

besser: durch leichte Bewegung an der frischen Luft

schlechter: durch kalte Füße, Sitzen auf kalten Steinen

Geist- und Gemütssymptome: labile Stimmungslage, die Patientin fühlt sich verlassen, weint viel. Alles bessert sich durch Trost.


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Nux vomica – Brechnuss

Symptom: typische Dranginkontinenz. Die Patientin steht unter Erfolgsdruck, ihr vegetatives Nervensystem ist überreizt. Anhaltender Harndrang ohne Entlastung durch Miktion. Verstopfung. Oft besteht eine Abhängigkeit von Koffein, Alkohol, Nikotin oder Medikamenten.

Causa: Stress

besser: in warmen Räumen, durch Lockern der Kleidung

schlechter: frühmorgens, durch Kälte, im Freien, durch ausschweifendes Leben

Geist- und Gemütssymptome: Die Patientin ist reizbar, gestresst, leistungsorientiert.

INFORMATION

Aus der Patientenakte

Akute Zystitis

Eine 33-Jährige kommt am Morgen nach Weiberfastnacht in meine Praxis. Sie klagt gereizt über massiven Harndrang, Brennen beim Wasserlassen, Druck in der Blase. Sie fühlt sich elend, ihr ist kalt. Sie war die ganze Nacht unterwegs, hat sehr gefroren und viel Alkohol getrunken.

Die Gabe von stündlich 3 Glob. Nux vomica D 12 (4 Gaben) führte rasch zur Besserung.

Nierensteine

Eine 40-Jährige klagt über Druckgefühl in der rechten Niere. Im Urin hat sie Grieß bemerkt. Unter Gallensteinen leidet sie schon seit längerer Zeit. Am Nachmittag ist ihr Unterleib aufgebläht, sie kann dann keine enge Kleidung am Bauch ertragen. Sie liebt süße Speisen und warme Getränke. Nach der persönlichen Situation befragt, erzählt sie von einer bevorstehenden Heilpraktikerprüfung, vor der sie große Angst hat.

Ich verordne ihr Lycopodium in der C 30 und der C 200 (jeweils 1 Gabe von 3 Glob. an 2 aufeinanderfolgenden Tagen). Nach 4 Wochen geht es ihr sehr viel besser.

Blasenschwäche

Eine 65-Jährige klagt über Harninkontinenz morgens direkt nach dem Aufstehen, beim Husten, Lachen und Niesen. Die Beschwerden sind vor 10 Jahren nach einer Pneumonie erstmals aufgetreten. Sie hatte damals ein halbes Jahr gehustet. Ebenso sind Warzen an den Nagelrändern behandlungsbedürftig. Die Patientin ist sehr ruhig und konzentriert, beschreibt sich als gerechtigkeitsliebend und sozial engagiert.

Nach der Gabe von Causticum LM 6 über 8 Wochen (tgl. 1 Tr. in ein Glas Wasser geben, einen Schluck davon trinken) sind sowohl die Warzen verschwunden als auch die Harninkontinenz deutlich besser.


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Was ist die richtige Potenz, welche die optimale Dosierung?

In welcher Potenz das Mittel verabreicht wird, hängt von der Energie der Krankheit und der Energie der Patientin ab. Es kommt auch darauf an, ob es eine akute oder eine chronische Erkrankung ist.

Für Anwender, die sich bei der Mittelwahl nicht ganz sicher sind, empfehle ich die Gabe von Globuli in der Potenz D 12. Anfangs sollten stündlich jeweils 3 Globuli gegeben werden, maximal 4 bis 5 Gaben. Es sollte dann eine Verbesserung der Symptomatik eintreten. Ich rate erst wieder 3 Globuli zu geben, wenn sich der Zustand der Patientin verschlechtert.

Zu höheren Potenzen rate ich nur bei sehr sicherer Mittelwahl.

Sollten sich die Beschwerden nicht innerhalb von 24 Stunden, bei Nierenkoliken 3 Stunden, bessern, sollte die Patientin an den Hausarzt verwiesen werden oder die Notaufnahme eines Krankenhauses aufsuchen.

Erleben Sie Angelika Uphoff beim 34. Deutschen Heilpraktikertag!

Am 29. April 2017 hält Angelika Uphoff einen Vortrag zum Thema „Klassische Homöopathie bei Harnwegserkrankungen der Frau“ in der Vortragsreihe „HP-Sprechstunde: Frauen“.

Dieser Artikel ist online zu finden:
http://dx.doi.org/10.1055/s-0037-1602147


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HP Angelika Uphoff

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E-Mail: angelika.uphoff@gmx.net


Angelika Uphoff ist Sozialarbeiterin und Heilpraktikerin mit dem Schwerpunkt klassische Homöopathie. Sie ist durch die Stiftung Homöopathie-Zertifikat zur Qualitätssicherung der homöopathischen Ausbildung (SHZ) zertifiziert, Dozentin des SHZ und Supervisorin. Sie unterrichtet seit vielen Jahren Homöopathie an der Hufeland-Schule in Senden und an der Heilpraktikerschule von Elvira Bierbach in Bielefeld.

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Abb. 1 Brennen beim Wasserlassen und Druck. Das sind Symptome, die auf Nux vomica hinweisen. Foto: © Fotolia / kei907
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Abb. 2 Pulsatilla ist das Mittel der Wahl, wenn die Schmerzen durch Hinauszögern der Harnentleerung stärker werden. Foto: © Shutterstock / Kazakov Maksim