Suchttherapie 2017; 18(S 01): S1-S72
DOI: 10.1055/s-0037-1604526
Symposien
S-06 Das Stigma von Suchtkrankheiten verstehen und überwinden
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Einstellungen der Fachleute zu Menschen mit Suchtkrankheiten

I Vogt
1  Institut für Suchtforschung, Frankfurt University of Applied Sciences
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Publication Date:
08 August 2017 (online)

 
 

    Einleitung:

    Angehörige von Gesundheitsberufen teilen mit der Allgemeinheit eine Reihe von Urteilen und Vorurteilen. Das gilt auch hinsichtlich psychischer Erkrankungen allgemein und hinsichtlich Suchtkranker im Besonderen.

    Methodik:

    Review der Studien zu Einstellungen, Vorurteilen und damit in Zusammenhang stehenden Stigmatisierungen und Diskriminierungen von Suchtkranken durch das Fachpersonal in stationären und ambulanten medizinischen Einrichtungen (Kliniken, Reha für Suchtkranke, niedergelassene Praxen usw.) sowie Beratungs- und Anlaufstellen für Suchtkranke.

    Ergebnisse:

    Die Zahl der Studien, die die Einstellungen des Fachpersonals zu Menschen mit Suchtkrankheiten untersucht haben, ist begrenzt. Sie zeigen jedoch, dass das Fachpersonal Vorurteile gegenüber Suchtkranken hat, allerdings in deutlich geringerem Umfang als die Allgemeinbevölkerung. Am deutlichsten ausgeprägt sind Vorurteile und damit einhergehende Stigmatisierungen und Diskriminierungen gegenüber Männern und Frauen, die mit Opioiden (z.B. Methadon) behandelt werden und zusätzlich Straßendrogen konsumieren, die eine HC- und/oder eine HI-Virus-Infektion haben. Chronisch drogenabhängige Frauen werden stärker diskriminiert als chronisch drogenkonsumierende Männer.

    Schlussfolgerung:

    Fachpersonal mit Vorurteilen gegenüber Suchtkranken setzt sich weniger für diese Patienten und Patientinnen ein. Das kann u.a. dazu führen, dass diese die Behandlungen frühzeitig abbrechen, wodurch Rückfälle begünstigt und zusätzliche Erkrankungen nicht optimal behandelt werden.


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