Suchttherapie 2017; 18(S 01): S1-S72
DOI: 10.1055/s-0037-1604612
Symposien
S-29 Alkoholstörungen: Forschung und Praxis
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Dranbleiben! Erste Ergebnisse einer Implementationsstudie zur telefonischen Nachsorge nach Alkoholentwöhnung

E Michel
1  Charité – Universitätsmedizin Berlin
,
T Krüger
1  Charité – Universitätsmedizin Berlin
,
Z van Dyck
2  MEDIAN Kliniken Daun
,
P Missel
2  MEDIAN Kliniken Daun
,
K Spyra
1  Charité – Universitätsmedizin Berlin
› Author Affiliations
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Publication History

Publication Date:
08 August 2017 (online)

 
 

    Einleitung:

    Trotz belegter Wirksamkeit telefonischer Nachsorgeangebote in verschiedenen Indikationsbereichen wird dieser Ansatz bisher nur vereinzelt in der Nachsorge von Entwöhnungsbehandlungen bei Alkoholabhängigkeit angewendet. Für einen flächendeckenden Einsatz fehlen z.B. standardisierte Anweisungen zur organisatorischen und inhaltlichen Ausgestaltung eines solchen Angebotes, Dokumente für dessen Durchführung sowie Konzepte zur klinik- und schnittstellenübergreifenden Leistungserbringung. Im Rahmen der Implementationsstudie „TelNa“ erhalten 200 Rehabilitanden im Anschluss an die stationäre Entwöhnungsbehandlung ein Nachsorgeangebot. Die monatlichen telefonischen Nachsorgegespräche erfolgen über einen Zeitraum von 6 Monaten und haben einen Umfang von etwa 20 – 30 Minuten.

    Methodik:

    Das Angebot wurde inhaltlich und formal auf der Grundlage von Literaturrecherchen, Experteninterviews und Workshops entwickelt. Am Ende der Entwicklungsphase standen die zentralen Angebotsmaterialien (Überleitungsbogen, Terminbogen, Nachsorgeleitfaden und -protokoll für die Telefontherapeuten) sowie die erforderliche Infrastruktur und Vorgehensweisen für die Umsetzung zur Verfügung. Das Angebot wird formativ evaluiert sowie qualitativ (Interviews, Dokumentenanalyse) und quantitativ (Prozessdaten) hinsichtlich der Haltequoten und Unterschiede der dauerhaften Inanspruchnahme relevanter Subgruppen ausgewertet. Des Weiteren wird untersucht, mit welchem (organisatorischen und finanziellen) Aufwand bei der Umsetzung eines solchen Angebotes zu rechnen ist.

    Ergebnisse:

    Der Überleitungsbogen (Nachsorgebogen) stellt das zentrale Dokument der schnittstellenübergreifenden Kommunikation (Reha-Klinik – Telefonnachsorge) innerhalb des Projektes dar. Anhand der in diesem Dokument erfassten Daten von 238 Studienteilnehmenden werden erste Ergebnisse zur Zusammensetzung der Studienpopulation und zur Inanspruchnahme des Nachsorgeangebotes berichtet.

    Schlussfolgerung:

    Mit der telefonischen Nachsorge ist es möglich, Rehabilitanden ein niedrigschwelliges Nachsorgeangebot zu unterbreiten, das begrenzt zur Verfügung stehende Ressourcen (z.B. Zeit, finanzielle Mittel) schont. Es kann auch Rehabilitanden erreichen, die in strukturschwachen Regionen leben, in denen andere Nachsorgeangebote nur unzureichend verfügbar sind. Telefonische Nachsorgeangebote können herkömmliche face-to-face Angebote und Selbsthilfegruppen nicht ersetzen. Diese aufsuchende Nachsorgeform stellt allerdings eine Möglichkeit dar, die Haltequoten herkömmlicher Angebote sowie die Anbindung an das System der Suchtkrankenhilfe zu verbessern, indem Menschen motiviert werden, sich aufgrund von Rückschlägen nicht aus laufenden Maßnahmen zurückzuziehen. Die entwickelten Dokumente zur Erbringung des Angebots und die Erkenntnisse hinsichtlich organisatorischer Fragen und Ausstattung erlauben es, Empfehlungen für eine Umsetzung in die Regelversorgung zu formulieren.


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