Fragestellung:
Etwa 1/3 der in Deutschland schutzsuchenden Menschen sind weiblich. Die Mehrheit aller
geflüchteten Frauen befindet sich aktuell/zukünftig im gebärfähigen Alter. Neben der
Schwangerschaft stellen die Erfahrungen im Zusammenhang mit der Flucht einen besonderen
Versorgungsbedarf dar. Für die geburtshilfliche Versorgung geflüchteter Frauen stellt
sich die Frage: Was ist über den Gesundheitszustand und die Versorgung geflüchteter
Frauen während der Phase des Mutterwerdens bekannt?
Methodik:
Ein Scoping Review soll Erkenntnisse zur Müttergesundheit geflüchteter Frauen eröffnen.
Die Literaturrecherche (02/2017) fand in den Datenbanken PubMed; CINAHL; PSYNDEX,
PsycINFO statt. Für die Literaturauswahl wurden vorab festgelegte Ein- und Ausschlusskriterien
angelegt.
Ergebnis:
Knapp die Hälfte der Publikationen betrachtet die Gesundheit während der Schwangerschaft,
zu je ¼ werden die Gesundheitsdeterminanten zur Geburt bzw. zur gesamten Phase des
Mutterwerdens betrachtet. Die Daten stammen dabei zu ¾ aus Ländern des globalen Nordens.
Studien weisen bzgl. der Herkunft der Frauen eine heterogene Studienpopulation auf.
Die Mehrheit der Publikationen sind empirische Arbeiten, die sich zu etwa gleichen
Teilen in quantitative und qualitative Designs aufteilen.
Der allgemeine Gesundheitszustand geflüchteter Frauen ist beeinträchtigt. Geflüchtete
Frauen sind psychisch besonders belastet. Neben allgemeiner Gewalterfahrungen leiden
sie vielfach unter den Folgen sexuellen Missbrauchs. Zudem treten im Vergleich zu
einheimischen Frauen vermehrt Depressionen, Angst- und Stressproblematiken auf, insbesondere
im Wochenbett ist das Risiko für eine postpartale Depression erhöht.
Geflüchtete Frauen sind häufiger Multipara und weisen in vielen Fällen eine rasche
Schwangerschaftsfolge auf. Im Schwangerschaftsverlauf geflüchteter Frauen sind vermehrt
Schwangerschaftskomplikationen und -erkrankungen zu beobachten. Sie gebären überwiegend
spontan. Ein Unterschied in der Frühgeburtlichkeit und dem Geburtsgewicht zwischen
Kindern geflüchteter und einheimischer Frauen kann durch dieses Scoping Review nicht
bestätigt werden.
Zudem zeigt das Scoping Review Defizite in der Versorgung dieser vulnerablen Bevölkerungsgruppe
auf: strukturelle Zugangsbarrieren durch Probleme in der sprachlichen Verständigung,
durch fehlende Kompetenzen auf Seiten der professionellen AkteurInnen (Kultursensibilität)
und durch mangelnde Kenntnisse der geflüchteten Frauen (Zurechtfinden im Gesundheitswesen).
Schlussfolgerung:
Dieses Scoping Review konstatiert einen beeinträchtigten Gesundheitszustand sowie
psychische Belastungen geflüchteter Frauen. Zudem ist die Versorgung während der Phase
des Mutterwerdens defizitär und unzufriedenstellend. Es liegen nur sehr wenige wissenschaftliche
Studienergebnisse für Deutschland vor. Erkenntnisse anderer Settings sind nicht problemlos
übertragbar, sodass es weiterer Forschung zur geburtshilflichen Versorgungssituation
geflüchteter Frauen in Deutschland bedarf.