Im November 2018 erfolgte die Verlegung einer 39-jährigen III.-Grav., II.-Para aus
einem peripheren Krankenhaus aufgrund einer schweren Präeklampsie in der 33+3. SSW
in unser Perinatalzentrum Level 1.
Es handelte sich um eine schwere Pfropfpräeklampsie mit entgleisten Blutdruckwerten,
Ödemen und Proteinurie, welche vor Ort trotz antihypertensiver Therapie persistierende
hypertone Blutdruckwerte zeigte, sodass eine Verlegung unter Nepresol- und Magnevenperfusor
erfolgte. In unserer Einrichtung konnten mittels Methyldopa 250 mg 4 × 2 tgl. sowie
Adalat 20 mg retard 1 × 1 tgl. stabile Blutdruckwerte erzielt werden. Laborchemisch
zeigten sich erhöhte Leberwerte bei normwertigem Thrombozyten- und Haptoglobinwert.
Zwei Tage nach Aufnahme wurde die Patientin erstmals mit Rückenschmerzen symptomatisch.
Hierunter kam es zum Einsetzen einer vorzeitigen Wehentätigkeit mit Ableitung eines
präpathologischen CTGs. Wir veranlassten eine intensivierte Dauerüberwachung. Im Verlauf
beklagte die Patientin zunehmende Dyspnoe mit O2-Sättigungsabfall auf 85% unter O2-Insufflation
von 5 l/min, sodass noch am selben Tag die Indikation zur sekundären Sectio caesarea
in Intubationsnarkose bei V.a. Lungenembolie/Lungenödem gestellt wurde. Es wurde ein
eutrophes Frühgeborenes mit einem Geburtsgewicht von 1680 g (10. Perzentile), APGAR
8/8/9 geboren, welches auf unsere Neontatologische ITS verlegt wurde.
Postoperativ erfolgte bei der Mutter die sofortige Durchführung eines CTs, in welchem
initial eine Lungenembolie ausgeschlossen wurde. Es ergab sich jedoch der hochgradige
Verdacht auf eine akute Aortendissektion Stanford Typ A, DeBakey Typ I mit bilateralen
Infiltraten bei Lungenödem sowie dorsalen Pleuraergüssen beidseits.
Es wurde die notfallmäßige Verlegung der Patientin via Rettungshubschrauber ins Herzzentrum
Leipzig veranlasst. Die Kollegen führten bei Typ A-Dissektion der Aorta thoracica
und Aortenklappeninsuffizienz III° die Rekonstruktion der bicuspid angelegten Aortenklappe
mit supracoronarem Aorta ascendens-Ersatz sowie partiellem Aortenbogenersatz durch.
Am 3. postoperativen Tag konnte die Patientin mit weiterhin erhöhten Blutdruckwerten
und akutem Nierenversagen zur Anschlussversorgung in unsere Klinik für Innere Medizin
rückverlegt werden. Von dort aus erfolgte einen Monat später die Entlassung in die
Häuslichkeit.
Die Aortendissektion ist eine seltene, potentiell lebensbedrohliche Erkrankung. Die
Mortalität in den ersten 48h beträgt 50%. In 30% der Stanford Typ A-Dissektionen besteht
eine Hypertension. Auch in unserem Fall kann die hypertensive Entgleisung ursächlich
für die Entstehung der Aortendissektion angesehen werden.