Einleitung:
Funktionsstörungen des Darms sind ein bekanntes Problem nach abdominalchirugischen
Eingriffen. Sie können auch nach Kaiserschnitt vorkommen. Mehrheitlich handelt es
sich um temporäre paralytische Motilitätsstörungen, die sich unter konservativer Therapie
mittels Acetylcholinesterasehemmer (Neostigmin) oder Dopaminrezeptorantagonisten (Metoclopramid)
binnen Stunden normalisieren. Akute bis vital bedrohliche Darmkomplikationen nach
Sectio caesarea sind selten. Wichtigste Differentialdiagnosen eines postoperativ akuten
Abdomens sind die akute Blutung, der paralytische bzw. mechanische Ileus, die nicht
erkannte intraoperative Darmverletzung mit Peritonitis oder selten eine Ovarialvenenthrombose.
Nosokomiale Durchfälle, die im weiteren Verlauf schmerzhaft oder gar blutig sein können,
müssen, insbesondere nach einer zurückliegenden Antibiotikatexposition, als ein Alarmzeichen
für eine Clostridioides difficile Infektion mit gewertet werden.
Eine besonders seltene, aber in Folge ihrer hohen Letalität umso mehr zu beachtender
Differentialdiagnose des akuten Abdomens post sectionem ist die „Akute Pseudoobstruktion
des Colons“, nach ihrem Erstbeschreiber auch als Ogilvie-Syndrom bezeichnet. Es handelt
sich dabei um eine hochakute, nichtobstruktive Atonie des Colons, vermutlich in Folge
einer Funktionsstörung des autonomen Nervensystems mit gesteigerter Sympathikusaktivität.
Bei schweren Verläufen kann es zur Perforation und Darmischämie und in Folge der extremen
Dilatation des Colons und des Caecums zum Zwerchfellhochstand mit Ventilationsstörungen
kommen. Die Letalität der Erkrankung ist mit 15 – 30% bedrohlich hoch. Neben der eindrücklichen
Klinik ist die Bildgebung (Rö, CT) mit Nachweis des extrem überblähten Darms zur Diagnose
führend.
Initial ist ein konservativer Therapieversuch mit dem Ziel der Retonisierung des Darms
gerechtfertigt. Eine mechanische Entlastung mittels Darmrohrs ist ebenfalls eine Option.
Führen diese Maßnahmen nicht zum schnellen Erfolg, so zwingt die eindrücklich schwere
Symptomatik und die mit der rasch progredienten Dilatation verbundene drohende klinische
Eskalation zur koloskopischen oder offen-operativen Dekompressionstherapie.
Kasuistik:
Wir berichten über ein Ogilvie-Syndrom ab 3. Tag postoperativ bei einer 21-jährigen
II. gravida, II. para, bei Z.n. sekundärer Notsectio wegen Nabelschnur- und Fußvorfall
bei Beckenendlage. Anhand der Kasuistik werden Klinik, Diagnostik und Therapie dieser
seltenen Erkrankung, ergänzt durch eindrückliche Bilder, einprägsam demonstriert.
Zusammenfassung:
Bei post sectionem akut geblähtem und schmerzhaftem Abdomen muss an ein Ogilvie-Syndrom
gedacht werden. Die hohe Letalität des Syndroms mahnt zur frühzeitigen Erkennung und
konsequenten Therapie.