Einleitung:
Gerade bei jungen Patientinnen mit histologisch gesichertem Endometriumkarzinom und
bestehendem Kinderwunsch stellt sich die Frage nach prognostischen Faktoren, um eine
möglichst große onkologische Sicherheit bei Erhalt des Uterus geben zu können. Potentiell
kommt das Protein MSX1, ein Transkriptionsrepressor, welcher einen hemmenden Einfluss
auf den Zellzyklus hat, in Frage. Ziel dieser Studie war es zu überprüfen, ob MSX1
ein prognostischer Faktor für endometrioide und klarzellige Endometriums- und Ovarialkarzinome
sein kann.
Material und Methodik:
Es wurden endometrioide Endometriumkarzinome (n = 53), klarzellige Endometriumkarzinome
(n = 6), endometrioide Ovarialkarzinome (n = 19) und klarzellige Ovarialkarzinome
(n = 11) mittels immunhistochemischer Färbung auf das Protein MSX1 untersucht. Die
Auswertung erfolgte mithilfe des IRS (Immunoreaktiver Score). Die Ergebnisse wurden
mit klinisch-pathologischen Variablen verglichen, eine Überlebenskurve erstellt und
Korrelationen mit anderen, zuvor an diesem Patientinnenkollektiv untersuchten Proteinen
geprüft.
Ergebnisse:
Es zeigte sich ein signifikant längeres Überleben für jene Patientinnen, welche in
mehr als 10% der Tumorzellen eine Expression des Proteins MSX1 hatten (21,3 Jahre
mittleres Überleben (MSX1-positiv) versus 17,3 Jahre (MSX1-negativ)). Beim Karzinomtyp
stellte man vor allem bei endometrioiden Endometriumkarzinomen eine verstärkte Intensität
der Färbung (60% der Fälle) fest. Außerdem zeigte sich eine verstärkte Intensität
der Färbung bei Grading 2 (mäßige Differenzierung) (36% der Fälle) und bei negativem
Lymphknotenstatus (76,8% der Fälle). Korrelationen konnten zwischen MSX1 und β-Catenin,
p21, p53 und den Sexualhormonrezeptoren ER A, ER B, PR A und PR B festgestellt werden.
Diskussion:
MSX1 wurde bereits beim Lungenkarzinom, Magenkarzinom, Wilms-Tumor und Leukämie als
Tumorsuppressor klassifiziert. In dieser Arbeit konnten wir beobachten, dass auch
in endometrioiden und klarzelligen Ovarial- und Endometriumkarzinomen eine MSX1-Expression
mit einem längeren Überleben korreliert. Die Untergruppe von Patientinnen mit endometrioiden
Endometriumskarzinomen mit mehr als 10% MSX1-Expression zeigte ein mittleres Überleben
von 21,3 Jahren im Gegensatz zu 17,3 Jahren bei Patientinnen ohne eine solche Expression
(p = 0,023), so dass für diese Patientinnen unter strengen Kautelen eine vorübergehende
uteruserhaltende Therapie mit größerer onkologischer Sicherheit in Betracht kommt.