Zeitschrift für Phytotherapie 2019; 40(S 01): S16
DOI: 10.1055/s-0039-1697278
Vorträge
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Nutzung von Cannabis bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen in Deutschland

R Lauche
1   Klinik für Integrative Medizin und Naturheilkunde, Sozialstiftung Bamberg, Bamberg, Deutschland
,
D Schröder
2   Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin, Kliniken Essen-Mitte, Essen, Deutschland
,
L Kairey
1   Klinik für Integrative Medizin und Naturheilkunde, Sozialstiftung Bamberg, Bamberg, Deutschland
,
W Häuser
3   Innere Medizin 1, Klinikum Saarbrücken, Saarbrücken, Deutschland
,
J Langhorst
1   Klinik für Integrative Medizin und Naturheilkunde, Sozialstiftung Bamberg, Bamberg, Deutschland
2   Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin, Kliniken Essen-Mitte, Essen, Deutschland
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
09. September 2019 (online)

 
 

    Hintergrund:

    Die fortschreitende Legalisierung und der Siegeszug des medizinisch genutzten Cannabis eröffnen potenzielle neue Anwendungsfelder, z.B. im Bereich chronisch entzündlicher Darmerkrankungen (CED). Allerdings liegen für Deutschland derzeit keine verlässlichen Daten vor, inwieweit Cannabis zur Behandlung der CED genutzt wird. Ziel der vorliegenden Studie war es, aktuelle Zahlen zur Nutzung von und Erfahrungen mit Cannabis zu erheben.

    Methode:

    Anfang 2019 wurden 1000 CED-Patienten zu konventionellen und komplementären Verfahren befragt, inklusive der Nutzung von und den Erfahrungen mit medizinischem Cannabis. Alle Daten wurden mittels SPSS ausgewertet.

    Ergebnisse:

    Von 1000 Angeschriebenen nahmen 412 Befragte an der Studie teil (mittleres Alter 49,1 ± 17,0 Jahre, 55,8% Frauen, 43,8% Colitis ulcerosa und 54,3% Morbus Crohn). Insgesamt 71 Teilnehmer (17,2%) gaben an, in der Vergangenheit Cannabis zu Freizeitzwecken genutzt zu haben, aktuell waren es 11 Nutzer (2,7%). Jeweils 17 Teilnehmer (4,1%) gaben an, Cannabis aktuell zu nutzen oder in der Vergangenheit zur Behandlung der CED genutzt zu haben. Tendenziell berichteten Cannabis-Nutzer geringere Lebensqualität und höhere Ängstlichkeit bzw. Depressivität als Nichtnutzer. Derzeitige Nutzer berichteten größere Wirksamkeit des Cannabis als ehemalige Nutzer, die größten Effekte wurden für Schmerzen, Appetit und Stimmung berichtet. Die häufigsten Nebenwirkungen beinhalteten High-Gefühle, Schläfrigkeit und ein trockener Mund. Gründe für den Behandlungsstopp waren v.a. fehlende Möglichkeit des (legalen) Erwerbs sowie das Fehlen von Symptomen. Ein Großteil der Patienten unterrichtete ihre behandelnden Ärzte nicht über die Cannabis-Einnahme.

    Fazit:

    Der Einsatz von Cannabis in der Behandlung der CED ist nicht sehr verbreitet und wird vom Großteil der Nutzer nicht mit den behandelnden Ärzten besprochen. Weitere Forschung ist notwendig, um Evidenz für den therapeutischen Einsatz von Cannabis bei CED zu generieren.

    Danksagung/Widmung:

    Wir bedanken uns bei der Deutschen Morbus Crohn/Colitis ulcerosa Vereinigung (DCCV e.V.) für ihre Unterstützung bei der Durchführung des Projektes sowie allen Teilnehmern an der Umfrage.


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