Zeitschrift für Phytotherapie 2019; 40(S 01): S28
DOI: 10.1055/s-0039-1697299
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Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Zusammenhang zwischen Verordnungen von pflanzlichen Erkältungspräparaten und Antibiotika

K Kostev
1   Epidemiology, IQVIA, Frankfurt am Main, Deutschland
,
EJ Kap
1   Epidemiology, IQVIA, Frankfurt am Main, Deutschland
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
09. September 2019 (online)

 
 

    Studienziel:

    Das Ziel dieser Studie war es zu ermitteln, ob die ärztliche Empfehlung bzw. Verordnung eines pflanzlichen Erkältungspräparates kurz nach der gestellten Diagnose eines Atemweginfekts mit einer selteneren Verordnung von Antibiotika im weiteren Krankheitsverlauf assoziiert ist.

    Methoden:

    Patienten mit einer Diagnose einer Infektion der oberen Atemwege im Zeitraum 01/2018 bis 12/2018 in 1067 hausärztlichen und 194 pädiatrischen Praxen aus der IMS® Disease Analyzer Datenbank (IQVIA) [1] wurden selektiert. Patienten mit der Verordnung eines pflanzlichen Arzneimittels am Tag der Diagnose oder innerhalb von 3 Tagen danach wurden zu Patienten ohne Verordnung eines pflanzlichen Arzneimittels am Tag der Diagnose oder innerhalb von 3 Tagen danach, über Alter, Geschlecht und Praxisnummer gematcht. Patienten mit einer Antibiotika-Verordnung vor der Verordnung der pflanzlichen Präparate wurden ausgeschlossen. Es wurde ermittelt, ob eine Antibiotika-Verordnung ab dem Tag 4 bis einschl. Tag 21 erfolgte. Mithilfe einer multivariaten logistischen Regression wurde der Einfluss der Verordnung von pflanzlichen Mitteln auf das Risiko der Antibiotika-Verordnung untersucht.

    Ergebnisse:

    Insgesamt standen 206 278 Patienten mit einer Verordnung eines pflanzlichen Produkts und 206 278 ohne solche Verordnung für die Analysen zu Verfügung. Die Verordnung der pflanzlichen Produkte war mit einem 3-mal geringerem Risiko der Antibiotika-Therapie in hausärztlichen Praxen (Odds Ratio (OR): 0,29 (95% Konfidenzintervalle (KI): 0,28 – 0,29) und ca. 2-Mal geringerem Risiko der Antibiotika-Therapie in pädiatrischen Praxen (OR: 0,47 (95% KI: 0,44 – 0,49)) assoziiert. Diese Assoziation bestand bei allen Altersgruppen, sowohl bei männlichen als auch bei weiblichen Patienten.

    Schlussfolgerung:

    In der Analyse konnte eine starke negative Assoziation zwischen der Verordnung von pflanzlichen Präparaten und Antibiotika-Verordnungen bei Hausärzten und Pädiatern ermittelt werden. Diese kann ein Hinweis auf eine Wirkung der pflanzlichen Präparate nicht nur gegen Viren, sondern auch gegen Bakterien sein.

    Literatur:

    [1] Rathmann W et al. Int J Clin Pharmacol Ther 2018; 56: 459 – 466


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