Einleitung Hypophosphatasie (HPP) ist eine seltene, erblich bedingte Stoffwechselerkrankung,
die durch eine reduzierte Aktivität der gewebeunspezifischen Alkalischen Phosphatase
(AP) gekennzeichnet ist. Die sehr heterogenen Krankheitsmanifestationen reichen von
muskuloskelettalen Einschränkungen über beeinträchtige körperliche Funktionen bis
hin zu einer reduzierten Lebensqualität (HrQoL). In der folgenden Studie wurden Real-World
Langzeitdaten zur Effektivität von Asfotase alfa zur körperlichen Funktion und HrQoL
bei erwachsenen HPP-Patienten mit kindlichem Onset untersucht.
Methode Erwachsene HPP Patienten ≥18J mit laufender rekombinanter Enzymersatztherapie ≥ 24
Monaten (Mo), die am Lehrstuhl für Orthopädie der Universität Würzburg behandelt werden.
Primäre Outcomeparameter waren die Gehgeschwindigkeit, Zeit im Chair-Rise-Test (CRT),
isometrische Handkraft, Distanz im 6-Minute-Walk-Test (6MW), Zeit im Timed-up-and-Go
Test (TUG) und der Short Physical Performance Battery Score (SPPB). Sekundäre Endpunkte
waren die aktivitätsbezogene Lebensqualität im SF36, die Lower extremity function
scale (LEFS), das Schmerzempfinden, sowie Therapie-Sicherheitsdaten.
Ergebnisse Es konnten Daten für n = 14 (11 w/3 m) Patienten mit einem mittleren Alter von 51(19-78)Jahren
ausgewertet werden. Die nach 12 Mo erreichten Verbesserungen in der körperlichen Funktion
konnten sich auch nach 24 Mo halten. Im 1. Jahr verbesserte sich der 6MW von 267 auf
320m(p = 0,023), was sich nach 24 Mo auf einem stabilen Niveau (316m) halten konnte.
Im TUG verbesserten sich die Patienten im 1. Jahr von 14,4s auf 11,3s (p = 0,008)
und konnten dieses Ergebnis nach 24 Mo im Wesentlichen halten. Die Gehgeschwindigkeit
und der CRT verbesserten sich nach 12 Mo sig. und blieben auch nach 24 Mo stabil.
Die bereits nach 3/6 Mo im LEFS/SF36 beobachteten Verbesserungen blieben über 24 Mo
hinweg konstant. Bzgl. des Schmerzempfindens lagen zwischen 12 und 24 Mo heterogene
Ergebnisse vor. Es kam zu keinerlei schwerwiegenden Nebenwirkungen.
Diskussion Die Therapie mit Asfotase alfa scheint sicher zu sein und sich positiv auf die muskuloskelettale
Funktion sowie die Aktivitäts-bezogene Lebensqualität bei erwachsenen Patienten mit
HPP mit kindlichem Onset und ≥1 typischer Knochenmanifestation und ≥1 vorausgegangener
Fraktur im 1. Therapiejahr auszuwirken, wobei sich diese Verbesserungen auch nach
24 Monaten auf stabilem Niveau halten konnten. Sowohl die muskuläre Funktion wie auch
die Aktivitäts-bezogene Lebensqualität konnten hierdurch sig. gesteigert werden, wenngleich
dies auch nicht alle muskulären Bereiche gleichermaßen betraf. Eine Verbesserung des
Schmerzempfindens zeigte sich nicht einheitlich im gesamten Patientenkollektiv.
Keywords Hypophosphatasie, Asfotase alfa, Rekombinante Enzymersatztherapie, Lebensqualität,
körperliche Aktivität, Alkalische Phosphatase, Langzeitdaten
Korrespondenzadresse Franca Genest, Koenig Ludwig Haus, Klinische Studieneinheit, Universität Würzburg,
Brettreichstrasse 11, 97074 Wuerzburg, Germany
E-Mail
f-genest.klh@uni-wuerzburg.de