Juvenile Fibromyalgie – Intensive Therapie ersetzt Medikamente
Juvenile Fibromyalgie – Intensive Therapie ersetzt Medikamente
Kinder und Jugendliche mit Fibromyalgie können erfolgreich ohne Medikamente behandelt
werden, wenn sie ein intensives Programm aus Ergo-, Physio- und Psychotherapie durchlaufen.
Zu diesem Schluss kam ein interdisziplinäres Team um Ergotherapeutin Kelly Ferry am
Children’s Hospital of Philadelphia, USA.
An der Studie nahmen 64 Kinder und Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren teil. Mit
Studienbeginn setzten sie ihre Medikamente ab. Stattdessen erhielten sie täglich im
Einzelsetting fünf bis sechs Stunden Ergo- und Physiotherapie. Die therapeutischen
Aktivitäten zielten vor allem darauf ab, die sensorischen und motorischen Funktionen
zu normalisieren und die aerobe Ausdauer zu maximieren. Sie umfassten zum Beispiel
Fitnesstraining, Tanzen und aktivierende Videospiele. Außerdem nahmen die Kinder und
Jugendlichen mindestens vier Stunden pro Woche an psychotherapeutischen Einzel- und
Gruppensitzungen teil. Die Dauer des Therapieprogramms variierte von Teilnehmer zu
Teilnehmer, da sie sich an der individuellen Zielerreichung orientierte. Um Effekte
auf Schmerzen, motorische Fertigkeiten und Lebensqualität festzustellen, setzten die
Forscher vor und nach dem Programm sowie ein Jahr später verschiedene Assessments
ein, darunter die „Visual Analog Scale for Pain“ (VAS), den „Bruininks-Oseretsky Test
of Motor Performance“ (BOT-2) und den „Pediatric Quality of Life Inventory, Teen Report“.
Den Ergebnissen zufolge reduzieren sich die Schmerzwerte der Kinder und Jugendlichen
durch das intensive Therapieprogramm signifikant. Ein Jahr später sind bei einem Drittel
der Teilnehmer die Schmerzen sogar vollständig verschwunden. Außerdem erzielen die
Kinder und Jugendlichen nach dem Programm signifikant bessere Werte in den motorik-
und lebensqualitätsbezogenen Assessments, die auch nach einem Jahr fortbestehen.
Die Forscher sehen die Ergebnisse als Beleg dafür, dass ein intensives Programm aus
Ergo-, Physio- und Psychotherapie die Schmerzen und Funktionen der Kinder und Jugendlichen
signifikant und längerfristig verbessert. Allerdings geben sie zu bedenken, dass die
Intensität des Therapieprogramms weit über die gewöhnliche Verordnungsmenge hinausgeht.
fk
J Pediatr 2015; 3: 731–737
HoDT – Handlungsorientierung und empathische Kommunikation kommen gut an
HoDT – Handlungsorientierung und empathische Kommunikation kommen gut an
Klienten und Angehörige erleben die Behandlung nach dem HoDT-Konzept als handlungs-
und partizipationsorientiert. Dabei schätzen sie besonders die empathische und transparente
Kommunikation der Therapeuten. Zu diesem Ergebnis kamen die beiden Ergotherapeuten
Darja Unger und Jens Schneider an der Zuyd Hogeschool in Heerlen, Niederlande.
Sie führten leitfadengestützte Interviews mit vier Klienten und ihren Angehörigen
durch. Die Klienten waren zwischen 35 und 65 Jahre alt und befanden sich wegen einer
neurologischen Erkrankung in ergotherapeutischer Behandlung. In den Interviews beschrieben
sie, wie sie die Therapie nach HoDT erlebt hatten. Demnach wirkt sich das Konzept
positiv auf die Teilhabe der Klienten und ihrer Angehörigen aus. Sie können besser
miteinander umgehen und empfinden den Alltag als sicherer. Gleichzeitig fühlen sich
die Klienten in ihrer Eigenverantwortung und -aktivität gestärkt. Das ermutigt sie,
den Therapieprozess aktiv mitzugestalten und eigene Trainingsprogramme oder Handlungsanpassungen
zu entwickeln. Im ergotherapeutischen Prozess erleben die Befragten eine funktions-
und handlungsorientierte Befunderhebung, Zielsetzung und Intervention. Dabei empfinden
sie die handlungsorientierte Ausrichtung als besonders hilfreich, wenn es darum geht,
die Handlungskompetenz der Klienten zu verbessern. Ebenso schätzen sie die Fähigkeit
der Ergotherapeuten, sich in ihre individuelle Situation hineinzuversetzen und eine
vertrauensvolle Beziehung aufzubauen. Auf diese Weise fühlen sie sich als Mensch angenommen
und erhalten eine Therapie, die auf ihre Bedürfnisse und Wünsche zugeschnitten ist.
Zudem loben sie die Transparenz: Durch ausführliche Erklärungen können sie die Therapieinhalte
und -ziele jederzeit nachvollziehen.
Die Forscher schlussfolgern, dass Klienten und ihre Angehörigen im Rahmen des HoDTKonzepts
einen individuell gestalteten Therapieprozess durchlaufen, der die Handlungskompetenz
und Teilhabe verbessert. Als wichtige Voraussetzung hierfür sollten Ergotherapeuten
auf eine empathische, offene und transparente Kommunikation achten.
fk
ergoscience 2015; 2: 68–76
Spiegeltherapie – Methode erfolgreich mit Aufgaben kombinierbar
Spiegeltherapie – Methode erfolgreich mit Aufgaben kombinierbar
Eine aufgabenbezogene Spiegeltherapie hilft Klienten nach Schlaganfall dabei, ihre
motorischen Funktionen und ihre Selbstversorgung zu verbessern. Zu diesem Schluss
kamen Forscher um die Ergotherapeutin Dr. Moonyoung Chung von der Inje University
in Gimhae, Korea.
Sie führten eine randomisierte kontrollierte Studie mit 30 Teilnehmern durch, deren
Schlaganfall mindestens drei Monate zurücklag. Die Forscher ordneten die Teilnehmer
nach dem Zufallsprinzip zwei Gruppen zu. Die Klienten der Experimentalgruppe durchliefen
eine aufgabenbezogene Spiegeltherapie. Hierbei saßen sie seitlich vor einem Spiegel
und führten mit ihrem nichtbetroffenen Arm acht verschiedene Aufgaben durch. Die Intervention
in der Kontrollgruppe verlief nach dem gleichen Muster, die Klienten saßen allerdings
vor der nichtreflektierenden Rückseite des Spiegels. Beide Interventionen fanden sechs
Wochen lang fünfmal pro Woche statt. Vor und nach der Intervention ermittelten die
Forscher mit dem „Manual Function Test“ (MFT) die motorischen Armfunktionen der Teilnehmer.
Außerdem setzten sie das „Functional Independence Measure“ (FIM) ein, um mögliche
Veränderungen im Bereich der Selbstversorgung festzustellen.
Den Ergebnissen zufolge haben sich in beiden Gruppen die erzielten Werte auf den Messskalen
deutlich verbessert. Nach der sechswöchigen Intervention schneiden die Teilnehmer
der Experimentalgruppe allerdings signifikant besser ab als die Klienten der Kontrollgruppe.
Die Forscher schlussfolgern, dass die aufgabenbezogene Spiegeltherapie ein effektives
Therapieangebot darstellt, um bei Klienten nach Schlaganfall die Armfunktionen und
Selbstversorgung zu verbessern. Sie sehen Bedarf an weiteren Forschungen, welche die
längerfristigen Effekte der aufgabenbezogenen Spiegeltherapie untersuchen und mit
der herkömmlichen Spiegeltherapie vergleichen.
fk
J Phys Ther Sci 2015; 27: 1499–1501