Hintergrund In 0,1% aller Schwangerschaften treten Malignome auf.
Lymphome sind hierbei die viert-häufigsten und stellen durch unspezifische
Symptome ähnlich Schwangerschafts-assoziierten Beschwerden und
eingeschränkten Bildgebungsmöglichkeiten eine besondere
Herausforderung in der Diagnosestellung dar. Das diffuse großzellige
B-Zell-Lymphom tritt als häufigstes Non-Hodgkin-Lymphom in der
Schwangerschaft auf [1].
Fallvorstellung Erstvorstellung einer 42-jährigen
IVG/IP in der 26+1 SSW mit rechtsseitigen Unterbauchschmerzen bei
zeitgerecht entwickelter Einlingsgravidität mit unauffälliger
Cervixlänge. Klinisch bestand leichter Druckschmerz, subfebrile Temperaturen
und erhöhte Infektparameter. In der Oberbauchsonografie und MRT-Untersuchung
zeigte sich eine tubuläre Struktur rechts des Uterus, a.e. im Sinne einer
Appendizitis und ein weiteres subphrenisch gelegenes Weichteilkonglumerat, a.e.
sekundär entzündlich.
Bei nicht klar abgrenzbarer Diagnose erfolgte zunächst eine konservative
Therapie mit Cefuroxim und Metronidazol i.v. für 6 Tage. Hierunter waren die
Infektwerte als auch die klinische Symptomatik deutlich regredient. Nach Absetzen
der Antibiose kam es zu einem Anstieg der laborchemischen Infektparameter. In der
erneut durchgeführten Bildgebung mittels Oberbauchsonografie und MRT zeigte
sich der vorbekannte Befund fraglich progredient.
Nach Lungenfreifeinduktion führten wir die operative Exploration per
Pararektalschnitt in der 27+4 SSW durch. Intraoperativ zeigte sich ein
auffälliges Tumorkonglomerat mit Begleitappendizitis (s.Abb. 1), welches
eine rechtsseitige Hemikolektomie erforderte.
Histologisch ergab sich ein hochmalignes Non-Hodgkin-Lymphom vom diffus
großzelligem B-Zell-Typ. Im Staging zeigten sich Lymphom-suspekte
Weichteilvermehrungen mediastinal und supradiaphragmal. Nach Portanlage begannen wir
3 Wochen postoperativ die Chemotherapie mittels R-CHOP.
Drei der sechs geplanten Zyklen konnten komplikationslos während der
fortbestehenden Schwangerschaft erfolgen. Unter regelmäßigen
Sonokontrollen entwickelte sich der Fet zeitgerecht. Im Anschluß an den
dritten Zyklus kam es zum komplikationslosen Spontanpartus eines lebensfrischen
Knaben in 37+2 SSW (2730 g, APGAR 9/10/10).
Postpartal folgten die ausstehenden drei Zyklen R-CHOP, im erneuten Staging zeigte
sich kein Hinweis mehr auf eine Lymphommanifestation oder Organbeteiligung.
Schlussfolgerung Non-Hodgkin-Lymphome in der Schwangerschaft sind
selten, aber tendenziell a.e. durch steigendes mütterliches Alter zunehmend.
Ihre Diagnose und Therapie sowie das pränatale und peripartale Management
erfordern eine gute interdisziplinäre Zusammenarbeit.