Vor welcher Herausforderung standen Sie, als Sie vor 3 Jahren die Verantwortung für
das Betriebliche Gesundheitsmanagement übernommen haben, Frau Preis?
Michaela Preis: Ein BGM mit den klassischen Maßnahmen zur Gesundheitsförderung wird
seit 2006 in den Kliniken angeboten. Dabei spielten und spielen heute unsere BGM-Teams
in den Kliniken eine sehr wichtige Rolle. Sie organisieren Aktionen und Maßnahmen von Mitarbeitern für Mitarbeiter. Zum Beispiel
bieten Therapeuten Yoga-Kurse an. Als ich in Prien anfing, ging es darum, die Mitarbeitergesundheit
und -zufriedenheit in den Vordergrund zu rücken und ein strukturiertes BGM-Konzept
zu erarbeiten, das einheitliche Strukturen für die 17 Klinikstandorte vorgibt, aber
dennoch genügend Flexibilität bietet, um auf die jeweiligen Bedürfnisse und Herausforderungen
der Standorte einzugehen.
Was zeichnet das BGM der Schön Kliniken heute aus?
Michaela Preis: Das Besondere ist das große Engagement, mit dem die Kliniken an allen
Standorten das BGM vertreten. Anders wären die Erfolge sicherlich nicht machbar. In
jeder Klinik gibt es einen Arbeitskreis Gesundheit und ein BGM-Team für die konkreten
Maßnahmen. Der Arbeitskreis trifft sich einmal pro Quartal. Zu unseren Vorgaben gehört,
dass die Personalleitung, der Betriebsrat, die Arbeitssicherheit, der Betriebsarzt
und ein BGM-Koordinator vertreten sein müssen. Die Kliniken dürfen natürlich weitere
Personen hinzuziehen, zum Beispiel die Schwerbehindertenvertretung, die Pflegedienstleistung
und den Sozialdienst. Aus Sicht der Zentrale ist wichtig, dass die Ausrichtung stimmt
und bestimmte Verfahren eingehalten werden. Dazu zählen unter anderem die regelmäßigen
Treffen der Arbeitskreise und die Evaluation jeder BGM-Maßnahme.
Welchen Input liefert die Beteiligung am Corporate Health Award?
Michaela Preis: Die Audits waren sehr hilfreich, schon in den Vorjahren, bevor wir
den Award erhielten. Sie schaffen einen Branchenvergleich und zeigen auf, wo Entwicklungsmöglichkeiten
bestehen. Die externen Experten betonten, wie wichtig es sei, immer wieder Feedback
bei den Mitarbeitern einzuholen, um festzustellen, was eine BGM-Maßnahme bringt. Sie
empfahlen, zum Beispiel nach kurzfristigen und langfristigen Kennziffern zu unterscheiden,
so lässt sich die Teilnahme an den Maßnahmen schnell ermitteln. Anders sieht es bei
den langfristigen Effekten aus, die wir uns für die Gesundheit der Mitarbeiter versprechen.
Der Krankenstand ist sicherlich ein wichtiger Indikator, aber alleine nicht aussagekräftig
genug.
Wie nehmen Mitarbeiter die BGM-Maßnahmen wahr?
Michaela Preis: Zu den Angeboten erhalten wir durchweg positive Rückmeldung. Vor allem
die Sportkurse werden sehr gut angenommen. Schwierig ist es eher, die Angebote mit
den Arbeitsabläufen zu vereinbaren, so findet zum Beispiel der Sport-Kurs direkt nach
den Schichten statt oder die Aktive-Pause in den Pausenzeiten der Mitarbeiter. Außerdem
ist es nicht immer einfach, Mitarbeiter für die eigene Gesundheit zu sensibilisieren.
Führungskräfte können dies jedoch beeinflussen, indem sie ihre eigene Gesundheit und
die ihrer Mitarbeiter im Blick haben. Wir bieten daher Schulungen zum Thema „Gesund
führen“ an. Ebenso ist das Thema Gesundheit in unserem Führungskräftenachwuchs-Programm
fest verankert, um auch unsere jungen Führungskräfte von Beginn an für das Thema Gesundheit
zu sensibilisieren.
Lassen sich Unterschiede zwischen den Standorten erkennen?
Michaela Preis: Ja, definitiv. Die Unterschiede ergeben sich schon durch die unterschiedliche
Fachrichtung. Eine Klinik für Orthopädie setzt eher auf körperlich bezogene BGM-Maßnahmen,
während in der Neurologie psychische Faktoren stärker Beachtung erfahren. Die Maßnahmen
müssen daher sehr klinikindividuell zugeschnitten sein und zu den Arbeitsabläufen
und Mitarbeitern passen. Im Kern geht es darum, am Ball zu bleiben, und die Aktionen
an den Bedarfen vor Ort auszurichten.
Stellen Ärzte eine besondere Zielgruppe dar?
Michaela Preis: Nein, das kann man so nicht sagen, vielmehr hat jede Berufsgruppe
ihre eigenen Herausforderungen, auf die wir mit den BGM-Angeboten eingehen müssen.
Die verschiedenen Berufsgruppen müssen miteinander konstruktiv arbeiten können. Als
besondere Zielgruppe sind eher die Führungskräfte zu nennen, dies ist jedoch losgelöst
von der Berufsgruppenzugehörigkeit. Ziel ist, alle Beschäftigten gesund zu erhalten.
Rechnet sich ein BGM betriebswirtschaftlich? Sollte es sich rechnen?
Michaela Preis: Ich bin überzeugt, dass sich ein BGM rechnet, und es muss sich rechnen.
Letztendlich sollten sowohl die Mitarbeiter als auch das Unternehmen davon profitieren.
Ein Return on Invest lässt sich langfristig nachweisen – das haben bereits mehrere
Unternehmen bewiesen. Wir ermitteln dies anhand eines Kennzahlen-Mix. Hierzu gehören
Kennzahlen zur Teilnehmerzufriedenheit mit den BGM-Maßnahmen, die Ergebnisse der Mitarbeiterumfrage
sowie Daten über Arbeitsausfallzeiten und Arbeitsunfälle.
Frau Preis, vielen Dank für das Gespräch!