Kutane Nebenwirkungen unter Hydroxycarbamid-Therapie
Kutane Nebenwirkungen unter Hydroxycarbamid-Therapie
G. Hansel, T. Werner
Anamnese: Die 78-jährige Patientin wurde erstmals im August 2014 in unserer Klinik behandelt.
Die Einweisungsdiagnosen lauteten chronisches palmoplantares Ekzem und Plattenepithelkarzinom
am rechten Handrücken. Die Patientin war 40 Jahre als Winzerin tätig gewesen, sodass
es nahe lag, bei dem im Verlaufe operativ entfernten und histologisch bestätigten
Plattenepithelkarzinom vom Vorliegen einer Berufskrankheit auszugehen. Die BK-Anzeige
war bereits erstattet worden.
Unter den Begleiterkrankungen schien eine seit 2000 bekannte Polycythaemia vera mit
Einnahme von Hydroxycarbamid (Syrea®) von besonderer Bedeutung zu sein. Es bestanden weiterhin eine arterielle Hypertonie,
eine koronare Herzkrankheit mit akutem Myokardinfarkt 2004, eine Herzinsuffizienz
NYHA II und eine postoperative Hypothyreose. 2012 hatte die Patientin einen Apoplex
mit Hemiparese rechts erlitten. Im Juli 2015 erfolgte die Wiederaufnahme der Patientin
wegen eines Plattenepithelkarzinoms am rechten Zeigefinger.
Hautbefund: Bei der klinischen Untersuchung sahen wir eine ausgedehnte Lichtschädigung der Haut
mit Betonung von Gesicht, Händen und Füßen. Die Haut der Hände und Füße wirkte atrophisch,
z. T. mit aufgelagerten Hyperkeratosen, einer groblamellären Schuppung und vereinzelten
Rhagaden. Die Zehen boten ein fast sklerotisches Bild, teilweise in Kombination mit
einer Nageldystrophie. Am linken Vorfuß bestand in Höhe des Grundgelenkes DV eine
schmierige Ulzeration von 10 × 10 mm Größe. Früher waren auch Ulzerationen am linken
und rechten Hohlfuß auffällig, die jedoch zum Wiederaufnahmezeitpunkt abgeheilt waren
([Abb. 1] und [Abb. 2]).
Abb. 1 Plantare Ulzera durch Hydroxycarbamid.
Abb. 2 Schwere Elastose mit aktinischen Keratosen und einem frühinvasiven Plattenepithelkarzinom
an Dig. II rechts.
Am rechten Zeigefinger sahen wir eine ca. 10 mm durchmessende, erhabene, tumoröse
Neubildung, am linken Handgelenk eine kleinere, flache, relativ unscharf abgegrenzte,
keratotische Neubildung.
Histologie vom rechten Zeigefinger: Hypertrophe aktinische Keratose mit einem frühinvasiven Plattenepithelkarzinom G1.
Laborbefunde: Pathologisch waren Leukozyten mit 14,47 Gpt/l (↑), hypochrome Erythrozyten 29,2 %
(↑), mikrozytäre Erythrozyten 3,2 % (↑), Thrombozyten mit 505 Gpt/l (↑), ein weiterer
Anstieg der Thrombozyten im Verlauf bis 1981 Gpt/l und eine Lymphopenie von 0,7 Gpt/l
(↓). Antinukleäre Antikörper (ANA) und ANA-Differenzierung waren negativ.
Epikutantestung Standard: Externa, Duftstoff-Mix I und II: negativ.
Bildgebende Diagnostik: Akrale Lichtplethysmografie beider Beine mit und ohne Kompression bds. Normalkurven.
Arterieller Status: Cruro-brachialer Quotient (CBQ) rechts 1,25, links 1,17.
Sonografie Lymphknoten Axillen: Unauffällig.
Therapie und Verlauf: Anfänglich lautete die Einweisungsdiagnose „Hand- und Fußekzem mit nebenbefundlich
bestehenden aktinischen Keratosen und Plattenepithelkarzinomen“. Die Hautbehandlung
gestaltete sich langwierig. Insgesamt wurden zwei Plattenepithelkarzinome, am rechten
Handrücken und am 2. Finger rechts, sowie ein In-situ-Karzinom am linken Handgelenk
operativ entfernt. Nach Operation von rechtem Zeigefinger und linkem Handgelenk im
Sommer 2015 kam es zu einer schweren Wundinfektion mit subseptischem Allgemeinbefund,
in dessen Verlauf die Thrombozyten so hoch anstiegen, dass wir von einer Verschlechterung
der Polycythaemie ausgingen. In Beratung mit dem Hämatoonkologen erfolgten Knochenmarkpunktion
und -biopsie sowie molekulargenetische und genetische Untersuchung. Ein Übergang in
ein myelodysplastisches Syndrom oder eine chronisch myeloische Leukämie konnte ausgeschlossen
werden. Es wurde mit der ambulant betreuenden Hämatoonkologin die Umstellung auf Ruxolitinib
(Jakavi®, ein Proteinkinase-Inhibitor) besprochen, die bei eingeschränkter Compliance erst
im Januar diesen Jahres umgesetzt werden konnte.
Kommentar: Die Plattenepithelkarzinome wurden als Berufskrankheit Nr. 5103 anerkannt. Die Bewertung
des Gesamtbildes der Hautveränderungen war jedoch unbefriedigend, ließ sich doch keine
eindeutige dermatologische Erkrankung definieren. Deshalb vermuteten wir einen Zusammenhang
zur Therapie mit Hydroxycarbamid. Tatsächlich ist in der medizinischen Literatur nach
mehrjähriger Therapie mit Hydroxycarbamid (15 Jahre bei unserer Patientin) über kutane
Nebenwirkungen berichtet worden wie Erytheme, Atrophie von Haut und Nägeln, Desquamation,
violette Papeln, Alopezie, Dermatomyositis-ähnliche Hautveränderungen, aktinische
Keratosen, Plattenepithelkarzinome und Basalzellkarzinome, Hautulzerationen, insbesondere
an den Unterschenkeln, Pruritus sowie Hyperpigmentierung von Haut und Nägeln [1 – 4].
Diese Symptome waren bei der Patientin fast vollständig aufgetreten. Deshalb entschieden
wir uns für eine Umstellung der Therapie der Polycythaemie auf den Proteinkinase-Inhibitor
Jakavi®.
Literatur
1 Walter CB, Burow H, Grischke E-M. Dermatologische Nebenwirkungen von Zytostatika. Akt Dermatol 2015; 41: 104 – 109
2 Nofal A, El-Din ES. Hydroxyurea-induced dermatomyositis: true amyopathic dermatomyositis or dermatomyositis-like
eruption? Int J Dermatol 2012; 51: 535 – 541
3 Slobodin G, Lurie M, Munichor M et al. Gottron’s papules-like eruption developing under hydroxyurea-therapy. Rheumatol Int
2006; 26: 768 – 770
4 Grange F, Couilliet D, Audhuy B et al. Multiple keratosis induced by hydroxyurea. Ann Dermatol Venereol 1995; 122: 16 – 18
Sarkoidose mit Lungen-, Lymphknoten- und ulzeröser Hautbeteiligung
Sarkoidose mit Lungen-, Lymphknoten- und ulzeröser Hautbeteiligung
A. Baunacke, J. Bickhardt
Anamnese: Bei der 45-jährigen Patientin fielen seit 3 Monaten rötliche Hautveränderungen an
beiden Unterschenkeln auf. Nach Bagatelltrauma prätibial links entwickelte sich ein
Ulkus mit verzögerter Wundheilung. Bei Erstvorstellung in der Klinik beklagte die
Patientin eine neu entstandene schmerzhafte nekrotische Hautveränderung kontralateral.
Im Februar 2014 war eine Sarkoidose durch zervikale Lymphknotenbiopsie gesichert worden.
Die Lymphknotenschwellungen waren 2013 erstmals aufgetreten. CT-morphologisch konnte
eine mediastinale, bihiläre, retroperitoneale und inguinale Lymphadenopathie sowie
eine pulmonale Mitbeteiligung und Splenomegalie festgestellt werden. Aufgrund der
neu entstandenen Hautveränderungen war bereits eine Prednisolonstoßtherapie mit einer
Maximaldosis von 30 mg erfolgt. Zudem berichtete die Patientin über multiple antibiotische
Therapien mit Cefuroxim, Unacid und Clarithromycin. Die Therapieversuche blieben bisher
ohne dauerhaften Behandlungserfolg.
Hautbefund: Es fanden sich hochentzündlich gerötete Infiltrate an beiden geschwollenen Unterschenkeln
und Fußrücken. Prätibial rechts zeigte sich ein ca. 2 × 3 cm großes nekrotisches Areal
mit bullöser Ablösung der Haut und schmerzhafter Umgebung. Prätibial links imponierte
ein ca. 3,5 cm durchmessendes schmieriges Ulkus mit aufgeworfenem Rand und geröteter
Wundumgebung ([Abb. 3]).
Abb. 3 Ulzerierte Sarkoidose.
Histologie: Lymphknoten: Granulomatöse Lymphadenitis mit Nachweis von Granulomen vom Sarkoidosetyp, vereinbar
mit einer Lymphknotensarkoidose. Knochenmark: Normozelluläres Knochenmark mit a. e. reaktiv veränderter orginärer Blutbildung.
Kein Hinweis auf Infiltrate eines Lymphoms oder einer Sarkoidose. Unauffälliger weiblicher
Karyotyp 46, XX(25). Prätibial rechts: Hautnekrose. Prätibial links: Chronisches Hautulkus.
Laborbefunde: Pathologisch waren Leukozyten 3,09 Gpt/l (↓), Lymphozyten 0,6 Gpt/l (↓), CRP 12,7 mg/l
(↑), Kreatinin 90,0 µmol/l (↑), Antinukleäre Antikörper 1 : 80 (↑), Angiotensin-Converting-Enzym
141,9 U/l (↑), Beta-2-Mikroglobulin 4,26 mg/l (↑) und Interleukin-2-Rezeptor 1901 U/ml
(↑).
Mikrobiologische Befunde:
Keimabstrich Ulkus rechter Unterschenkel: Kulturell steril. Keimabstrich Ulkus linker Unterschenkel: Staphylococcus epidermidis: Viel. Keimabstrich Mundschleimhaut: Candida albicans: Mäßig viel.
Bildgebende Diagnostik: Röntgen des Thorax: Beidseits verplumpte Hiluskonfiguration, vereinbar mit bihilärer Lymphadenopathie.
Sonografie der zervikalen Lymphknoten: Multiple zervikale Lymphknotenschwellungen links > rechts. Gelenksonografie der Sprunggelenke: Keine Weichteilschwellung. Kein Gelenkerguss. CT des Thorax, Abdomens und Beckens: Verdacht auf lymphatische Grunderkrankung mit generalisierter Lymphadenopathie, diffuser
Milzinfiltration sowie beidseits pulmonalem Befall.
Funktionsdiagnostik: EKG, Echokardiografie und Bodyplethysmografie – sämtlich unauffällig. Ophthalmologie: Sicca-Symptomatik beider Augen. Kein Anhalt für Augenbeteiligung bei Sarkoidose.
Therapie und Verlauf: Bei dringendem Verdacht auf eine kutane Manifestation der bekannten Sarkoidose begannen
wir eine Systemtherapie mit Prednisolon 50 mg/d unter Magenschutz mit Pantozol 40 mg.
Lokal behandelten wir zunächst mit Fluocinolon-Neomycin (Jellin-Neomycin-Salbe®) und nach Rückbildung der entzündlichen Note wundreinigend mit Purilon®-Gel und Grassolind®-Gaze. Zudem erfolgten wiederholte Nekrektomien und eine abschließende Lokaltherapie
mit Urgoclean®-Wundauflagen. Die Prednisolondosis wurde im weiteren Verlauf reduziert. Es kam zur
narbigen Abheilung der Ulzera. Die weitere Betreuung der Patientin erfolgt durch den
Pulmologen.
Kommentar: Bei der Sarkoidose handelt es sich um eine Multisystemerkrankung mit nichtverkäsenden
epitheloidzelligen Granulomen. Pathogenetisch liegt eine immunologische Reaktion bei
genetischer Prädisposition auf ein noch nicht identifiziertes Agens vor. Per definitionem
sind infektiöse und tumorbedingte Granulome nicht Bestandteil der Sarkoidose sondern
sarkoidartiger Reaktionen. Betroffen sind überwiegend Frauen in der 6. Dekade [1, 2].
Die Sarkoidose wird in eine akute und chronische Verlaufsform unterschieden. Die akute
Form (Löfgren-Syndrom) ist gekennzeichnet durch das Auftreten einer bihilären Lymphadenopathie
in Kombination mit einem Erythema nodosum und Arthritiden. Das Allgemeinbefinden ist
zudem meist stark beeinträchtigt. Die Erkrankung verläuft meist gutartig mit spontaner
Rückbildung. Die chronische Form verläuft oftmals schleichend. Am häufigsten wird
der Befall von Lunge, Lymphknoten, Haut, Leber, Milz, Herz und Augen beobachtet [3].
Die Hautveränderungen können großknotige, kleinknotige, anulär-zirzinäre oder subkutan
knotige Befallsmuster aufweisen. In seltenen Fällen wird eine Ulzeration im Bereich
der Extremitäten gesehen. Schleimhaut- und Nagelbeteiligung werden ebenfalls nur vereinzelt
beschrieben. Häufiger ist die Narbensarkoidose [2]. Unser Fall entspricht einem Löfgren-Syndrom
in vielen Facetten mit Ausnahme der Arthritiden.
Klinisch kann unter Umständen ein „apfelgeleeartiges“ lupoides Infiltrat hinweisend
sein. Diagnostisch hinweisend ist der Nachweis von nicht-verkäsenden Granulomen mittels
Biopsie bei Ausschluss anderer Ursachen. Paraklinisch auffällig sind häufig unspezifische
Veränderungen wie Leukopenie, Eosinophilie, Hyperkalziämie und eine erhöhte Blutsedimentationsrate.
Bei Systembeteiligung können spezifische Parameter wie das ACE als Marker für die
„Granulomlast“ und der lösliche Interleukin-2-Rezeptor als Marker für die Aktivierung
der T-Lymphozyten ausgelenkt sein [4].
Literatur
1 Tchernev G, Ananiev J, Cardoso JC et al. Sarcoidosis and molecular mimicry -- important etiopathogenetic aspects: current
state and future directions. Wien Klin Wochenschr 2012; 124: 227 – 238
2 Tchernev G, Cardoso JC, Chokoeva AA et al. The “mystery” of cutaneous sarcoidosis: facts and controversies. Int J Immunopathol
Pharmacol 2014; 27: 321 – 330
3 Seghal VN, Riyaz N, Chatterjee K et al. Sarcoidosis as a systemic disease. Clin Dermatol 2014; 32: 351 – 363
4 Heinle R, Chang C. Diagnostic criteria for sarcoidosis. Autoimmun Rev 2014; 13: 383 – 387
Sekundäre Vaskulitis bei Rheumatoider Arthritis
Sekundäre Vaskulitis bei Rheumatoider Arthritis
R. Mansour, T. Feigenspan
Anamnese: Die 62-jährige Patientin stellte sich wegen seit ca. einem Jahr schubweise auftretender
Schmerzen, Juckreiz, Spannungsgefühl und lividen Hautveränderungen an den Füßen und
Unterschenkeln beidseits vor. In der Folge kam es zur Ulzeration an der rechten Wade
rechts sowie zu multiplen subkutanen Knötchen. Seit dem Jahr 2010 ist eine rheumatoide
Arthritis bekannt, die bis 2013 mit MTX und Prednisolon behandelt wurden. Bezüglich
der Gelenke war die Patientin bei der Vorstellung beschwerdefrei.
Allgemeinbefund: Die Patientin befand sich in gering eingeschränktem Allgemeinzustand. Das Gehen war
langsam, kleinschrittig, etwas hinkend aber ohne Hilfsmittel. Die Wirbelsäule zeigte
BWS-betonte Kyphose ohne Druck- oder Klopfschmerzen. PIP-Gelenke D2 bis 4 hatten geringe
Beugekontrakturen ohne Faustschlussdefizit. Gaenslen-Zeichen im Bereich von Händen
und Füßen war negativ.
Hautbefund: An den Waden rechts mehr als links livide, streifenförmige, unscharf begrenzte Hautveränderungen
sowie multiple subkutane Knötchen beidseits. Zudem zeigte sich an der Wade rechts
eine ca. 2,5 × 3 cm große, trockene, schwarz belegte Ulzeration ([Abb. 4]).
Abb. 4 Sekundäre Vaskulitis bei rheumatoider Arthritis.
Histologie: In der oberen Kutis, unmittelbar subdermal, fallen mehrere kleine Arterien und Venen
mit teils obliteriertem Lumen, fibrinoiden Wandnekrosen sowie intra- und perivaskulärem
Infiltrat, bestehend aus Granulozyten, Lymphozyten, Eosinophilen und einzelnen Mastzellen
sowie partiell abgehobenem Endothel auf. Daneben befindet sich ein Zeichen der Pannikulitis
mit lobulären Nekrosen und granulozytären Infiltraten. Zudem weisen schaumzellig transformierte
Makrophagen Blutungszeichen mit Siderophagen und beginnender septaler Fibrose auf.
Im oberen Korium zeigen sich geringe, rundzellig entzündliche, perivaskuläre Infiltrate,
leichte Kapillarproliferate und ein Ödem. An der Oberfläche ist die Epidermis weitgehend
regelrecht.
Diagnose: Nekrotisierende Arteriitis und benachbarte Pannikulitis, vereinbar mit sekundärer
Vaskulitis bei klinischer Angabe einer Rheumatoidarthritis.
Laborbefunde: Pathologisch: Harnsäure 550 (150 – 350 umol/l), Albuminfraktion 57 (60,3 – 71,4 %),
Elpho-/β-Globuline 12,8 (8,1 – 12,7 %), γ-Globuline 16,8 (8,7 – 16 %), CRP 10,6 (< 5 mg/dl),
quantitatives Urinsediment: Erythrozyten 24 (< 15/ul). IgA 4,77 (0,7 – 4,0 g/l), sonst ohne Befund. Urinstreifentest: Blut im Urin 0,1 mg/dl, sonst ohne Befund. Immunologie: Rheumafaktor IgA 39 (< 14 IU/ml), Rheumafaktor IgG 12 (< 7 IU/ml), Rheumafaktor IgM
11 (< 3,5 IU/ml), Citrullin-AK 291 (< 7 U/ml). Negativ: ANA, SSB, SCL 70, c-ANCA,
p-ANCA. Komplementsystem: C3- und C4-Komplement im Normbereich.
Bildgebende Diagnostik: HWS-Röntgen: Deutliche degenerative Veränderungen an der mittleren unteren HWS in Form einer Osteochondrose,
Spondylarthrose und Unkovertebralarthrose. Hände-Röntgen: Gelenknah betonte Osteopenie, eher ältere Usur an der Basis des Daumengliedes rechts
sowie Verdacht auf eine weitere Usur an der Basis des Grundgliedes D5 rechts ulnar.
Beugefehlstellung im PIP 5 rechts. Zusätzlich geringe degenerative Veränderungen der
Fingermittel- und -endgelenke sowie leichte Rhizarthrose und geringe Radiokarpalarthrose
beidseits. Weichteilschwellung über PIP 3 und 2 links. Füße-Röntgen: Gelenknah betonte Osteopenie insbesondere in den MTP-Gelenken, geringe Konturunregelmäßigkeit
im Metatarsaleköpfchen 1 rechts. Sonst eher das Bild einer geringen Arthrose der Großzehengrundgelenke,
vor allem links. Leichte Lateraldeviation der 3. und 4. Zehen beidseits, links mehr
als rechts. CT des Thorax, Abdomens und Beckens mit MPR: Minimaler Pleuraerguss links. Belüftungsstörungen dorsal in beiden Unterlappen, narbige
Veränderungen in beiden Unterlappen sowie am Lappenspalt links. Kein Nachweis eines
Entzündungsfokus. Deutliche Sigmadivertikulose mit in erster Linie postentzündlicher,
langstreckiger Wandverdickung des Colon sigmoideum. Regressive Schilddrüsenveränderungen.
Steatosis hepatis und Hepatomegalie. Cholezystolithiasis. Verdacht auf juxtapapilläres
Duodenaldivertikel. In erster Linie mehrere Milzzysten. Partiell malrotierte rechte
Niere. Geringe degenerative Skelettveränderungen, beginnende Fusion LWK 5 /SWK 1. Osteopenie.
Therapie und Verlauf: Die Aufnahme erfolgte zur Abklärung eines Vaskulitis-Verdachtes. Wir behandelten
lokal mit Purilongel und Grassolind-Gaze an den Ulzerationen, zudem mit Betametason-Valeratcreme
0,1 % und anschließend Clobetasol-17-propionat (Dermoxin®-Salbe) an den Unterschenkeln. Darunter kam es zu einer stetigen Besserung des Lokalbefundes.
Zur weiteren Diagnostik und Therapie bei rheumatologischer Grunderkrankung wurde die
Patientin in die Abteilung für Rheumatologie verlegt.
Der Zusammenhang zur rheumatoiden Arthritis wurde bejaht und daraufhin eine Prednisolontherapie
beginnend mit 30 mg mit langsamer Dosisreduktion auf 10 mg/d plus Methotrexat 15 mg
1 × wöchentlich eingeleitet.
Kommentar: Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA) können eine sekundäre rheumatoide Vaskulitis
(RV) entwickeln. Meist tritt die Vaskulitis erst bei jahrelang bestehender RA auf.
Hinweise auf eine RV sind plötzliche extraartikuläre Symptome, zum Beispiel Purpura
der Haut oder ein Pleuraerguss, und Allgemeinsymptome wie Gewichtsverlust und Fieber.
Dabei ist die Aktivität einer RV unabhängig von der Aktivität der Grunderkrankung.
Die Ursache der klinischen rheumatoiden Vaskulitis ist nicht bekannt. Risikofaktoren
sind positiver Rheumafaktor, Gelenkerosionen und Rheumaknoten. Das Erkrankungsrisiko
liegt mit 1 : 9 bei Männern mehr als viermal so hoch wie bei Frauen mit 1 : 38. Am
häufigsten manifestiert sich eine RV an der Haut, etwa bei 90 Prozent der Patienten,
und oft sind Hautveränderungen auch das Initialsymptom. Es können palpable Purpura,
Blasen oder Exantheme entstehen oder etwa auch subkutane Knötchen oder Nagelfalznekrosen.
Weitere häufige Symptome bei rheumatoider Vaskulitis sind mit jeweils 40 bis 50 Prozent
sensorische oder gemischt motorisch-sensorische Neuropathien, die meist die Beine
betreffen [1]. Bei ebenso vielen Patienten kommt es zu kardiopulmonaler Beteiligung,
etwa Perikarditis, Pleuraerguss oder diffuser Alveolitis. Aber auch die Augen, der
Gastrointestinaltrakt und – seltener – die Nieren können betroffen sein. Normalerweise
bestätigt eine Biopsie die Diagnose der rheumatoiden Vaskulitis. Die Therapie richtet
sich nach der Schwere und dem Organbefall. Bei einem isolierten Haut- oder Organbefall
kann mit Kortikosteroiden wie Prednisolon behandelt werden. Bei einer systemischen
Vaskulitis sind Cyclophosphamid und Kortikosteroide nötig [2].
Literatur
1 Lotti TM, Comacchi C, Ghersetich I. Cutaneous necrotizing vasculitis. Relation to systemic disease. Adv Exp Med Biol
1999; 455: 115 – 125
2 Wollina U, Unger L, Haroske G, Heinig B. Classification of vascular disorders in the skin and selected data on new evaluation
and treatment. Dermatol Ther 2012; 25: 287 – 296
Polyarteriitis nodosa cutanea benigna
Polyarteriitis nodosa cutanea benigna
A. Baunacke, S. Flaxa, J. Schönlebe
Anamnese: Die multimorbide, adipöse, 81-jährige Patientin berichtete über rezidivierende schmerzhafte
Knoten an beiden Unterschenkeln seit mehreren Jahren. Diese traten erstmals 1987 nach
Implantation einer Hüftgelenkendoprothese im Vorjahr auf und heilten jeweils nach
2 bis 3 Monaten spontan ab. 1992 wurde im Rahmen eines stationären Aufenthalts die
histologische Diagnose einer nodulären Vaskulitis gestellt. Im März 2015 kam es erneut
zum Rezidiv. Nach ambulanter sowohl externer als auch interner Therapie mit Kortikosteroiden
konnte allerdings nur eine kurzfristige Befundbesserung erreicht werden. Die Patientin
fühlte sich insbesondere durch die Schmerzhaftigkeit der Hautveränderungen sowie Schwierigkeiten
beim Laufen in ihrer Lebensqualität deutlich beeinträchtigt. Nebenbefundlich besteht
eine arterielle Hypertonie mit Cor hypertonicum. Zudem leidet die Patientin an einem
permanenten Vorhofflimmern unter Therapie mit direkten oralen Antikoagulantien (DOAK)
und trägt einen Herzschrittmacher. Es liegt ein D. mellitus Typ 2 unter oralen Antidiabetika
(OAD) mit peripherer Polyneuropathie und Nephropathie sowie eine Hyperlipidämie vor.
Hautbefund: Es fanden sich multiple, bis maximal 2 cm durchmessende, indurierte, rötliche Knoten
und fleckige, teils narbig imponierende Hyperpigmentierungen an beiden Unterschenkeln
bei ausgeprägter Varikosis beider Beine ([Abb. 5]).
Abb. 5 Kutane Polyarteriitis nodosa.
Histologie: Hautgewebe mit umschriebener kutaner bzw. subkutaner Nekrose mit Verkalkungen und
umgebenden Blutungsresiduen.
Laborbefunde: Pathologisch waren Quick 31 % (↓), HbA1c 6,1 % (↑), Harnstoff 12,30 mmol/l (↑), Kreatinin
138 µmol/l (↑), glomeruläre Filtrationsrate 34,7 (↓), Antinukleäre Antikörper 1 : 80,
Yersinien-IgG-Antikörper 66 U/ml (↑), Tb-Spot positiv. Urin: Pathologisch waren Nitrit + +, Bakterien +, Leukozyten 1231/µl, Erythrozyten 116/µl.
Mikrobiologische Befunde: Mittelstrahlurin: E. coli > 106/ml. Bronchialsekret: Säurefeste Stäbchen mikroskopisch nicht nachgewiesen, Mycobacterium-PCR negativ.
Tb-Kultur negativ.
Bildgebende Diagnostik: Röntgen des Thorax: Breitbasig aussitzendes Herz, kein Hinweis auf hiläre oder mediastinale Lymphadenopathie
bei prominentem Pulmonalissegment. Keine Stauung, keine auslaufenden Pleuraergüsse,
keine flächenhaften pneumonischen Infiltrate. Verdichtung im linken Unterfeld, am
ehesten perikardiales Fett (DD pleurale Schwiele). Kein Nachweis Tbc-typischer Veränderungen.
Herzschrittmacher in regelrechter Projektion. Computertomografie des Thorax: Kein Anhalt für eine stattgehabte Tuberkulose, frische Infiltrate, thorakale Lymphadenopathie
oder malignitätssuspekten Primarius. Sonografie des Abdomens: Im Bereich der Abdominalorgane (Leber, Milz, Pankreas, Nieren, Aorta, Vena cava inferior),
der Pleura sowie der harnableitenden Organe finden sich keine Raumforderungen, keine
pathologischen Lymphknoten und kein Aszites. Die Gallenblase ist unauffällig.
Therapie und Verlauf: Unter Therapie mit Clobetasol-17-propionat (Dermoxin®-Creme) unter Kompressionsbandagierung der Unterschenkel konnte eine Abflachung der
Knoten mit Rückgang der Rötung und Infiltration erreicht werden. Bei positiven Yersinienantikörpern
begannen wir eine orale Antibiose mit Doxycyclin 100 mg (1-0-1) über 10 Tage. Der
paraklinisch nachgewiesene nitritpositive Harnwegsinfekt wurde entsprechend mitbehandelt.
Aufgrund des positiven Tb-Spots erfolgte eine erweiterte Umfelddiagnostik mittels
Röntgen des Thorax, Computertomografie des Thorax, Bronchoskopie und Sonografie des
Abdomens. Eine floride oder stattgehabte Tuberkulose sowie anderweitige Systembeteiligung
konnte ausgeschlossen werden. In der Probebiopsie vom linken Unterschenkel wurden
keine typischen vaskulitischen Veränderungen, aber kutane bzw. subkutane Nekrosen
mit Verkalkungen und Blutungsresiduen gesehen. Unter Berücksichtigung der anamnestischen
Angaben, der Klinik und Paraklink gehen wir am ehesten von einer Polyarteriitis nodosa
cutanea benigna aus. Bei gutem Ansprechen auf die Lokaltherapie und Multimorbidität
der Patientin nahmen wir vorerst von einer Systemtherapie mit Prednisolon Abstand.
Diese ist bei raschem Rezidiv nach Rebiopsie allerdings in Erwägung zu ziehen. Eine
Einstellung auf nichtsteroidale Antirheumatika war bei vorhandener chronischer Niereninsuffizienz
kontraindiziert.
Kommentar: Bei der Polyarteriitis nodosa cutanea benigna handelt es sich um die dermale Minorvariante
der systemischen Polyarteriitis nodosa (PAN), die zu den ANCA-negativen Vaskulitiden
der kleinen und mittelgroßen Gefäßen der Dermis und Hypodermis zählt [1]. Klinisch
imponieren derbe, druckdolente, rötlich-livide Plaques und Knoten mit Ulzerationstendenz
und livedoartigem Muster an den Streckseiten der unteren Extremitäten, zum Teil auch
entlang des Arterienverlaufs. Es können auch periphere Nerven befallen sein. Bei Kindern
geht man von einer sekundär-entzündlichen Reaktion auf Infektionen mit β-hämolysierenden
Streptokokken der Gruppe A aus [2]. Es ist eine Systembeteiligung auszuschließen.
Therapeutisch kommen bei milden Verläufen der Polyarteriitis nodosa cutanea benigna
topische Kortikosteroide unter Kompressionsbandagierung in Kombination mit oralen
nichtsteroidalen Antiphlogistika zur Anwendung. Bei schwereren oder häufig rezidivierenden
Verläufen ist eine Systemtherapie mit Prednisolon (20 bis 60 mg/d) angezeigt. Regelmäßige
Kontrollen werden empfohlen, da in seltenen Fällen ein Übergang in die systemische
Form (PAN) beschrieben wurde.
Bei Therapieresistenz kann eine Einstellung auf Azathioprin, Methotrexat oder Cyclophosphamid
erwogen werden [3]. Angesichts der Gutartigkeit des Krankheitsbildes und der spontanen
Abheilungstendenz innerhalb weniger Monate bis Jahre sollte diese Entscheidung allerdings
kritisch getroffen werden.
Literatur
1 Rogalski C, Sticherling M. Panarteritis cutanea benigna – an entity limited to the skin or cutaneous presentation
of a systemic necrotizing vasculitis? Report of seven cases and review of the literature.
Int J Dermatol 2007; 46: 817 – 821
2 Matteoda MA, Stefano PC, Bocián M et al. Cutaneous polyarteritis nodosa. An Bras Dermatol. 2015; 90 (Suppl. 1): 188 – 190
3 Subbanna PK, Singh NV, Swaminathan RP. Cutaneous polyarteritis nodosa: A rare isolated cutaneous vasculitis. Indian Dermatol
Online J 2012; 3: 21 – 24
Atypische Acrodermatitis chronica atrophicans Herxheimer
Atypische Acrodermatitis chronica atrophicans Herxheimer
S. Boldt, K. Oppers, B. Heinig
Anamnese: Die Vorstellung in unserer Klinik erfolgte aufgrund großflächiger, fibrosklerotischer,
dunkel-livider Erytheme an Körperstamm und Extremitäten, welche sich etwa innerhalb
eines halben Jahres entwickelt hätten. Eine ambulant durchgeführte Biopsie ließ histologisch
an eine Sklerodermie im Entzündungsstadium denken. Zeckenstiche waren dem Patienten
in der Vergangenheit nicht erinnerlich.
Nebenbefundlich bestehen ein arterieller Hypertonus sowie eine Penicillinallergie.
Allgemeinbefund: Die untere Thoraxapertur wies eine eingeschränkte Elongation während der Inspiration
auf. An den Händen fanden sich leichte Bewegungseinschränkungen der PIP- und DIP-Gelenke.
Eingeschränktes Allgemeinbefinden, Fieber, Arthritiden oder neurologische Defizite
waren nicht zu eruieren.
Hautbefund: Besonders betroffen erschien die thorakale Rückenhaut. Hier zeigten sich symmetrisch
großflächige, livid-rote, sklerotische Erytheme. Am gesamten Integument bestanden
zudem streifig verteilte (teils entlang der Spaltlinien), erythematös bis bräunlich-hyperpigmentierte
Plaques mit diskreter Schuppung. Die Hände erschienen rötlich-livide verfärbt bei
beginnender Akrosklerose ([Abb. 6]).
Abb. 6 Acrodermitis chronica atrophicans Herxheimer.
Histologie: Unauffällige Epidermis mit orthokeratotischer Verhornung und Melaninhyperpigmentierung
des Str. basale. Im dermalen Bindegewebe homogenisierte, verbreiterte Kollagenfasern
in Parallelorientierung zur Hautoberfläche. Die Hautadnexe schienen zur Hautoberfläche
verlagert und vielfach „eingemauert“ von kollagenem Bindegewebe bei erhaltenen elastischen
Fasern. In der oberen und mittleren Dermis mitteldichtes, perivaskulär und periadnexiell
lokalisiertes, lymphozytoides, entzündliches Infiltrat mit einzelnen Mastzellen und
Plasmazellen ([Abb. 7]). Eine Borrelien-PCR der Gewebeprobe fiel negativ aus.
Abb. 7 Histologie des Mb. Herxheimer (HE × 4).
Laborbefunde: Leukozyten 12,4 (3,8 – 11,0 Gpt/l); CRP 17,6 (< 5 mg/dl); Gesamt-IgE 269 (0 – 100 kU/l);
Neutrophile 9,40 (1,8 – 7,6 Gpt/l); Rheumafaktor 38 (< 14 IU/ml); Borrelien IgG-Ak
[EIA] > 200 (< 16 RE/ml), IgG-Immunoblot positiv; Borrelien IgM-Ak [EIA] 19,2 (< 16 RE/ml),
IgM-Immunoblot positiv; Serumelektrophorese: Albumin-Fraktion 47,6 (60,3 – 71,4 %), Gamma-Globulin-Fraktion 30,0 (8,7 – 16,0 %).
ANA und ENA-Differenzierung: negativ.
Bildgebende und Funktions-Diagnostik: Sonografie von Abdomen/Leisten-/Axillen-/Hals-Lymphknoten unauffällig. Röntgen-Thorax und Bodyplethysmografie: Unauffällig. EKG: Ohne pathologischen Befund.
Therapie und Verlauf: Mittels laborchemischer und apparativer Diagnostik erfolgte zunächst der differenzialdiagnostische
Ausschluss einer systemischen Sklerodermie. Aufgrund des klinischen Erscheinungsbildes
sowie der vorliegenden Histologie bei positiver Borrelienserologie stellten wir die
Diagnose einer Acrodermatitis chronica atrophicans Herxheimer im entzündlich ödematösen
Stadium.
Es erfolgte eine intravenöse antibiotische Therapie mit Ceftriaxon 2 g 1 × täglich
über 10 Tage in Kombination mit einer lokalen Steroidbehandlung. Zudem wurde eine
Bade-PUVA-Therapie durchgeführt. Unterstützend führten wir eine komplexe physiotherapeutische
und ergotherapeutische Behandlung (Bewegungs- und Entstauungstherapie, manuelle Lymphdrainage,
Atemtherapie mit Dehnlagerung, Entspannungstherapie sowie motorisch funktionelle Behandlung
der Hände zum Erhalt der Feinmotorik) in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Rehabilitative
Medizin und Physikalische Therapie durch. Unter ambulanter Fortsetzung der Licht-,
Physio- und Ergotherapie konnte eine zufriedenstellende Befundstabilisierung erreicht
werden.
Kommentar: Die Acrodermatitis chronica atrophicans Herxheimer (ACA) entspricht einer kutanen
Spätmanifestation der Lyme-Borreliose, welche 1902 durch Herxheimer als eigenständiges
Krankheitsbild beschrieben wurde. Ausgelöst wird sie durch die Spirochäte Borrelia afzelii, die durch die Schildzecke als Vektor übertragen wird. Besonders die Erkennung früher
ödematös-infiltrativer Stadien der ACA mit livid-roten, ödematösen Erythemen und beginnenden
Sklerosierungen ist durch eine Vielzahl klinischer Differenzialdiagnosen erschwert
(z. B. Stauungsdermatitis, Morphaea, systemische Sklerodermie, Myxödem, u .v. m.).
Die Haut erscheint zunächst livid-rötlich, teigig-ödematös sowie entzündlich infiltriert.
Bei etwa 6 % der Patienten kommt es durch die gesteigerte Kollagensynthese zur flächigen
Pseudosklerodermie, die oft mit hohen IgG-Antikörperkonzentrationen einhergeht [1].
Im Endstadium besteht v. a. im Bereich der Extremitäten eine epidermale und dermale
Atrophie mit zigarettenpapierartiger Hautfältelung, durchscheinender Venenzeichnung
und Verlust des subkutanen Fettgewebes. Als extrakutane Symptome können Arthralgien,
Allodynie sowie periphere Polyneuropathien auftreten, die wiederum Ulzerationen der
Haut bedingen können [2].
Die Diagnosesicherung erfolgt in Zusammenschau anamnestischer, klinischer, labordiagnostischer
sowie histopathologischer Ergebnisse. Bei Verdacht sollte gerade im Frühstadium eine
serologische Untersuchung auf Borrelien-spezifische IgM- und IgG-Antikörper durchgeführt
werden. Zudem kann der Erreger aus einer Hautbiopsie mittels PCR nachgewiesen werden,
deren Sensitivität bei etwa 80 – 90 % liegt [3].
Die Diagnose der ACA erfordert eine frühzeitige antibiotische Therapie, da nur so
der Krankheitsprogress aufzuhalten ist. Das Endstadium ist irreversibel. Ceftriaxon
wird als Mittel der Wahl empfohlen. In unserem Fall handelt es sich um die atypische
Variante einer fast prä-erythrodermatischen Ausprägung an Körperstamm und Extremitäten.
Literatur
1 Hofmann H. Lyme-Borreliose. Kutane Manifestationen. Hautarzt 2005; 56: 783 – 795
2 Wollina U, Krönert C, Heinig B. Bilateral callosities, plantar ulcers and peripheral neuropathy in a 15-year-old
nondiabetic boy – think of neuroborreliosis. J Eur Acad Dermatol Venereol 2005; 19:
259 – 260
3 Brettschneider S, Bruckbauer H, Klugbauer N et al. Diagnostic value of PCR for detection of Borrelia burgdorferi in skin biopsy and
urine samples from patients with skin borreliosis. J Clin Microbiol 1998; 36: 2658 – 2665
Pustulöses Pyoderma gangraenosum
Pustulöses Pyoderma gangraenosum
S. Boldt, S. Eppinger, U. Wollina
Anamnese: Der 76-jährige Patient stellte sich mit schmerzhaften, flächig einschmelzenden Pustulationen
am linken Unterschenkel vor, welche innerhalb von 14 Tagen rasch progredient aus einer
solitären, furunkuloiden Läsion entstanden seien. Lokale Vorbehandlungen mit Ammoniumbituminosulfonat
(Ichthyol®), Polyvidon-Jod- und zinkhaltigen Externa hatten zu keiner Befundbesserung geführt.
Nebenbefundlich lagen eine hämorrhagische Kolitis bei Sigmadivertikulitis vor einem
Jahr und eine Rosacea vor.
Hautbefund: Am linken Unterschenkel fand sich bei ödematöser Schwellung ein ca. 8 × 6 cm großes
Areal mit hochentzündlichem Erythem und hämorrhagisch-blasig bis pustulös-erosiven
Effloreszenzen, aus denen sich putrides Sekret exprimieren ließ. Es bestand eine starke
Überwärmung ohne tastbaren Nachweis einer Fluktuation. Im Randbereich fiel ein livider
Erythemsaum auf ([Abb. 8]).
Abb. 8 Pustulöses Pyoderma gangraenosum.
Histologie: Abszedierende und granulierende, bis in das subkutane Fettgewebe reichende Entzündungsreaktion
(schaumzellig resorptive Entzündung). Zudem fokale nekrotisierende Sialometaplasie
in der Umgebung tiefgelegener Schweißdrüsen sowie Blutungszeichen und fokale vaskulitische
Zeichen. Epidermis bis mäßig akanthotisch verbreitert, mit spongiotischer Auflockerung
und mäßiger Hyper- und Parakeratose ([Abb. 9]). Zusammenfassend ergibt sich eine floride abszedierende Dermatitis und Pannikulitis
mit fokalen vaskulitischen Zeichen.
Abb. 9 Pyoderma gangraenosum, Histologie (HE × 4).
Laborbefunde: Leukozyten 11,22 (3,8 – 11,0 Gpt/l); Neutrophile 9,20 (1,8 – 7,6 Gpt/l); CRP 17,7
(< 5 mg/dl); BSG 32 (< 20 mm).
Mikrobiologische Diagnostik: Mikroskopisch keine Bakterien, Abstrich kulturell steril. Spross- und Schimmelpilze
nativ nicht nachgewiesen. Pilzkultur negativ.
Therapie und Verlauf: Unter dem Verdacht auf eine infektiöse, abszedierende Entzündung mit phlegmonöser
Ausbreitung leiteten wir eine intravenöse Antibiose mit Ampicillin/Sulbactam 1,5 g
8-stündlich ein, welche für insgesamt 14 Tage fortgeführt wurde. Lokal behandelten
wir mit antiseptischen Lösungen und antimikrobiellen Wundauflagen.
Gleichwohl kam es in der Folge zu einer Zunahme der Befundausdehnung und lokalen Entzündungszeichen.
Ein Erregernachweis gelang zu keiner Zeit. Daher stellten wir entsprechend den klinischen
Befunden, des Verlaufsbildes und nach histologischer Beurteilung die Diagnose eines
pustulösen Pyoderma gangraenosum. Eine systemische Therapie wurde mit 100 mg Prednisolon
per os tgl. begonnen und zusätzlich um Azathioprin 150 mg/d erweitert, worunter eine
rasche Abnahme der Entzündungsreaktion erreicht werden konnte. Das schnelle und effektive
Ansprechen der immunsuppressiven Therapie bei gleichzeitig sterilem Wundabstrich bekräftigte
die Diagnose eines Pyoderma gangraenosum. Unterstützend erfolgte die topische Behandlung
mit Fluocinolonacetonid/Neomycin (Jellin-Neomycinsalbe®) und Triamcinolonacetonid/Zinkoxid (Volon A Schüttelmix®) unter Kompressionstherapie des Unterschenkels. Der Patient konnte bei stabilem Hautbefund
mit einer Tagesdosis von 50 mg Prednisolon und 100 mg Azathioprin in die ambulante
Weiterbetreuung entlassen werden. Aktuell ist die interne Kortikoidbehandlung seit
einem halben Jahr beendet und der Patient nimmt derzeit noch umtägig 25 mg Azathioprin
ein, welches in nächster Zeit abgesetzt werden soll. Darunter konnte eine teils narbige
Abheilung erreicht werden.
Kommentar: Das Pyoderma gangraenosum ist eine seltene neutrophile Dermatose mit Beteiligung
des Inflammasoms. Die Diagnose wird im Allgemeinen anhand der Klinik in Verbindung
mit dem Krankheitsverlauf gestellt. Charakteristische Laborparameter oder ein wegweisendes
histopathologisches Bild existieren nicht. Klassische Leitsymptome stellen die schmerzhafte,
rasch-progrediente Ulzeration (meist der unteren Extremität) und die rötlich-lividen,
teils unterminierten Wundränder dar. Für das morphologische Erscheinungsbild sind
unterschiedliche Formen beschrieben, wobei die pustulöse Form neben der ulzerösen,
bullösen und vegetierenden Form eine sehr seltene Variante darstellt [1].
Die pustulöse Form wurde erstmals 1978 von O’Loughlin und Perry beschrieben und ist
oft mit einer Colitis ulcerosa koexistent. In den betroffenen Hautarealen kommt es
zu schwerwiegenden Pustulationen, welche jedoch keine klassischen Ulzera auslösen
[2].
Auch wenn das histopathologische Bild nicht diagnostisch beweisend ist, sollte dennoch
eine feingewebliche Untersuchung zur Abklärung anderweitiger Ursachen (infektiös,
vaskulitisch, maligne etc.) erfolgen. Ein besonderes Augenmerk sollte auf häufig assoziierte
Systemerkrankungen wie Arthritiden, chronisch entzündliche Darmerkrankungen und myeloproliferative
Krankheitsbilder gelegt werden [3]. Ein entscheidendes klinisches Kriterium des Pyoderma
gangraenosum stellte das prompte und effektive Ansprechen auf systemische Kortikosteroide
dar. Zur Reduktion von Nebenwirkungen und zur Senkung der Rezidivgefahr ist der zusätzliche
Einsatz eines glukokortikoidsparenden Immunsuppressivums wie z. B. Azathioprin sinnvoll.
Bei therapieresistenten Verläufen ist eine Target-Therapie mit TNF-alpha-Hemmern eine
weitere Option [4].
Literatur
1 Wollina U, Tchernev G, eds. Pyoderma gangrenosum. Macmillan Medical Communications: Gurgaon, India: 2015
2 O’Loughlin S, Perry HO. A diffuse pustular eruption associated with ulcerative colitis. Arch Dermatol 1978;
114: 1061 – 1064
3 Wollina U. Pyoderma gangrenosum – a systemic disease? Clin Dermatol 2015; 33: 527 – 530
4 Wollina U, Tchernev G. Pyoderma gangrenosum: pathogenetic oriented treatment approaches. Wien Med Wochenschr
2014; 164: 263 – 273
Langerhans-Zell-Histiozytose
Langerhans-Zell-Histiozytose
D. Langner, G. Richter-Huhn, G. Haroske, U. Wollina
Anamnese: Der 64-jährige Patient hatte vor ca. 6 Monaten erstmals mittig über der LWS ein umschriebenes
Areal mit juckenden, erythematösen Papeln bemerkt. In der Folge breiteten sich die
Hautveränderungen über die Flanken bis in die Abdominalregion und die Leisten aus.
Im August 2015 wurde er beim Hautarzt vorstellig. Die ambulant entnommene Biopsie
beschrieb eine oberflächliche, perivaskulär-interstitielle Dermatitis mit leicht mukoid-nekrobiotischen
Zeichen.
An Begleiterkrankungen bestehen ein insulingeführter D. mellitus Typ 2, eine arterielle
Hypertonie, eine chronische Pankreatitis mit Pankreasinsuffizienz und eine Makuladegeneration
bds.
Hautbefund: In der Bauchfalte am Unterbauch, axillär bds. und submammär imponierten erythematöse
bis bräunliche Papeln sowie zum Teil makulöse Hautveränderungen ([Abb. 10]). Zudem bestand ein starker Juckreiz.
Abb. 10 Langerhans-Zell-Histiozytose.
Histologie: Im Papillarkörper und im oberen Korium fand sich ein mitteldichtes, teils perivaskuläres,
teils interstitielles Infiltrat aus lymphomonozytoiden Zellen mit geringgradiger Infiltrateosinophilie
und einzelnen Mastzellen ([Abb. 11 a]). Immunhistologisch erwies sich die in der HE-Histologie als monozytoid imponierenden
Zellpopulation als CD68-positiv mit durchgängig kräftiger Koexpression von CD1a und
S-100 ([Abb. 11 b]). Dies ist charakteristisch für Langerhans-Zellen.
Abb. 11 Histologie und Immunhistologie der Langerhans-Zell-Histiozytose. a HE x 4; b CD1a x 10.
Diagnose: Kutane Manifestation einer Langerhans-Zell-Histiozytose.
Laborbefunde: HBA1C 7,3 % – leicht erhöht; Gesamt-IgE 183 kU/l – leicht erhöht.
Bildgebende Diagnostik: Sonografie des Abdomens: Unauffällig. Röntgen Thorax/Schädel/WS/Arme/Beine/Becken/Hüftgelenke: Unauffällig. Computertomografie Thorax: Bekannte chronische Pankreatitis, verdickte Nebennierenrinde bds.
Therapie und Verlauf: Aufgrund der Diagnose leiteten wir zunächst die ausführliche Umfelddiagnostik zum
Ausschluss einer weiteren extrakutanen Manifestation ein, welche zunächst ohne Befund
blieb. Lokal applizierten wir ein Glukokortikoid der Wirkstoffklasse III (Betamethason-V-Creme
0,1 % NRF) 2 × tägl. Gegen den Juckreiz erhielt der Patient Levocetiricin (Xusal®) 2 × tägl. Unser hinzugezogener Onkologe empfahl zudem eine CT-Kontrolle des Nebennierenbefundes
in 3 Monaten sowie eine lebenslange Betreuung mit zunächst blander Therapie entsprechend
des durchgeführten Konzeptes mit abzuwartender Wirkung. Falls diese nicht ausreichend
ist, kann eine Kortisonstoßtherapie oder eine Systemtherapie mit 10 mg Methotrexat
oral wöchentlich erwogen werden.
Kommentar: Die Langerhans-Zell-Histiozytose (LCH) ist eine ätiologisch noch unklare Erkrankung,
bei der dendritische Zellen vom Typ der Langerhanszelle proliferieren und sich tumorähnlich
in der Haut, Schleimhaut und/oder anderen Organen, insbesondere in den Knochen, ansammeln
[1]. Eine LCH tritt meist im frühen Kindes- und Jugendalter auf und nur selten bei
älteren Patienten. Man kann zwischen einer monosystemischen LCH („single system disease“)
mit Beteiligung eines Organs oder Organsystems und einer multisystemischen LCH („multisystemic
disease“) mit Befall zweier oder mehrerer Organe oder Organsysteme unterscheiden.
An der Haut kann sie sich als Einzelläsion (granulomatös-ulzerierend, xanthomähnlich,
nodulär) manifestieren oder ein exanthematisches Bild hervorrufen. Prädilektionsstellen
sind dabei die Intertrigines mit Bevorzugung der Inguinal- und Anogenitalregion, außerdem
Stamm und Nackenareale. In seltenen Fällen können auch die Schleimhäute betroffen
sein.
Gesichert wird die Diagnose nach den Kriterien der Histiocyte Society von 1987 mit
der histologischen Darstellung von Langerhanszellproliferaten mit den immunhistochemischen
Markern CD1a und S-100 und/oder dem elektronenmikroskopischen Nachweis von Birbeck-Granula
(tennisschlägerartig konfigurierte, 30 nm durchmessende Organellen). Die Prognose
wird bestimmt von der Anzahl der betroffenen Organe und den damit einhergehenden Funktionseinschränkungen
sowie vom Lebensalter des Patienten.
Die Therapie richtet sich nach Ausdehnung und Ausmaß des Organbefalls [2]. Bei lokalisierten
Hautbefunden können diese exzidiert oder zunächst unbehandelt beobachtet werden („wait-and-see-Strategie“).
Leichtere Formen kann man probatorisch mit topischen Glukokortikosteroiden behandeln.
Es wurde auch von erfolgreichen Therapien mit PUVA, topischer Applikation von 5 %igem
Imiquimod, Unterspritzung mit Interferon-β oder Glukokortikosteroiden sowie Radiatio
berichtet [3]. Bei großflächigen oder disseminierten Hautläsionen kann Stickstoff-Lost
(Mechlorethamin) eingesetzt werden. Nur bei schweren kutanen Formen sollte man eine
systemische Glukokortikosteroidtherapie oder eine Chermotherapie wählen.
Bei multisystemischer LCH oder monosystemisch multilokulärer Form kommen Polychemotherapien
(Prednisolon, Vinblastin, Etoposid, Methotrexat, 6-Mercaptopurin) sowie Knochenmark-
oder Stammzelltransplantationen als Ultima Ratio zum Einsatz. Bei multiplem Knochenbefall
mit Schmerzen wurde der supportive Einsatz von Bisphosphonaten als hilfreich beschrieben.
Wesentlich sind eine sorgfältige initiale Umfelddiagnostik sowie eine regelmäßige
Nachsorge des Patienten, da sich sekundäre hämatologische Neoplasien einstellen können
[4].
Literatur
1 Gadner H, Grois N, Pötschger U et al. Improved outcome in multisystem Langerhans cell histiocytosis is associated with
therapy intensification. Blood 2008; 111: 2556 – 2562
2 O’Kane D, Jenkinson H, Carson J, Langerhans cell histiocytosis associated with breast carcinoma successfully treated
with topical imiquimod. Clin Exp Dermatol 2009; 34: e829 – e832
3 Monsereenusorn C, Rodriguez-Galindo C. Clinical characteristics and treatment of Langerhans cell histiocytosis. Hematol
Oncol Clin North Am 2015; 29: 853 – 873
4 Wollina U, Kaatz M, Krönert C et al. Cutaneous Langerhans cell histiocytosis with subsequent development of haematological
malignancies. Report of two cases. Acta Dermatovenerol Alp Pannonica Adriat 2006;
15: 79 – 84