UV-Strahlung ist ein bewiesener Risikofaktor für die
Entwicklung von Hautkrebs. Die UV-Exposition lässt sich durch
effektive Schutzmaßnahmen kontrollieren. Dennoch nimmt
die Anzahl der Fälle von Nicht-Melanomen weltweit zu. Mit
dem Ziel, die Einstellungen zum UV-Schutz in der
Allgemeinbevölkerung zu beurteilen, haben D. Antonov und
Kollegen strukturierte Interviews an einem repräsentativen
Kollektiv von Freiwilligen aus Jena durchgeführt.
Dermatology 2016; 232: 11–16
An der Studie nahmen 865 Probanden aus
dem European Dermato-Epidemiology-
Network (EDEN) teil. In einem persönlichen
Interview machten sie Angaben zu
soziodemografischen Parametern sowie
zu spezifischen Fragen hinsichtlich des
Umgangs mit UV-Licht. Die Männer (52 %)
und Frauen (48 %) waren zwischen 18 und
80 Jahre alt. 20 % von ihnen waren Studenten.
Männer schützen sich im Durchschnitt weniger konsequent vor der Sonne als Frauen,
so das Ergebnis der Studie. (© Zyxwodron / pixelio.de)
58 % der Befragten ordneten ihren Hauttyp
mithilfe von Fotomaterial korrekt ein.
Die übrigen Teilnehmer stuften ihren
Hauttyp eher höher ein als er tatsächlich
war und neigten somit dazu, ihr Sonnenbrandrisiko
zu unterschätzen. Fast alle
(97 %) hatten mindestens 1-mal im Leben
einen Sonnenbrand erlitten, 65 % bereits
in der Kindheit. 87 % der Probanden nutzten
regelmäßig Sonnencreme, nur 13 %
hatten sich noch nie entsprechend eingecremt.
Über 70-Jährige cremten sich im
Vergleich deutlich seltener ein als die übrigen
Altersgruppen (p = 0,001). Rund die
Hälfte der Teilnehmer trug Kopfbedeckung
bzw. geeignete Kleidung zum
Schutz vor der Sonne. 94 % gaben an, nie
ein Solarium genutzt zu haben. Diejenigen,
die Sonnenschutz nutzten, verbrachten
im Median 60 Tage pro Jahr in der
Sonne,
die übrigen im Median 90 Tage
(p = 0,035). Es bestand kein Zusammenhang
zwischen dem Hauttyp und der berichteten
Sonnenexposition. Wer bereits
einen Sonnenbrand im Erwachsenenalter
hinter sich hatte, cremte sich im Vergleich
eher ein. Der Gebrauch von Sonnencreme
ging jedoch nicht einher mit einer positiven
Anamnese für Hautkrebs oder einer
entsprechenden Familienanamnese. 51 %
aller Teilnehmer hatten vorhandene Nävi
noch nie ärztlich untersuchen lassen.
Beim Vergleich von Männern und Frauen
fiel auf, dass Frauen häufiger Angst vor
Hautkrebs hatten als Männer (52 vs. 38 %),
eher ihre pigmentierten Nävi untersuchen
ließen (54 vs. 45 %) und seltener als Kind
einen Sonnenbrand gehabt hatten (75 vs.
54 %). Zudem hatten lediglich 11 % der
Frauen nie Sonnencreme benutzt – im
Vergleich zu 15 % der Männer (p = 0,04).
Angesichts der oft fehlenden Sensitivität
der Befragten hinsichtlich des Sonnenschutzes,
speziell in Abhängigkeit vom
Hauttyp, sehen die Autoren großen
Handlungsbedarf für die Aufklärung der
Allgemeinbevölkerung. Informationen
zu den Risikofaktoren sollten v. a. Eltern
kleiner Kinder sowie ältere Männer ansprechen,
denn letztere tun bei altersentsprechend
hohem Hautkrebsrisiko
vergleichsweise wenig für ihren Sonnenschutz,
so die Autoren.