In die landesweite, offene Register- und Fall-Kontroll-Studie waren 61 990 Frauen
und Männer eingeschlossen, die zwischen 1996 und 2007 Alendronat einnahmen. Zu Beginn
der Therapie waren sie zwischen 50 und 94 Jahren alt. Die Studienauswertung (Fallgruppe)
enthielt die Inzidenz von subtrochantären Femurfrakturen (ST), Femurschaftfrakturen
(FS) und Hüftfrakturen. Die Patienten aus der Kontrollgruppe, die keine Knochenbrüche
hatten, wurden anhand von Geschlecht, Geburtsjahr und Beginn der Alendronat-Therapie
mit jenen aus der Fallgruppe verglichen.
1428 der Studienteilnehmer hatten eine ST / FS (Inzidenzrate 3,4/1000 Personenjahre,
95 %-Konfidenzintervall 3,2–3,6) und 6784 eine Hüftfraktur (16,2/1000, [15,8–16.6]).
Das Risiko für eine ST / FS war unter Langzeittherapie nicht erhöht (≥ 10 Dosisjahre;
adjustierte Odds Ratio 0,70; [0,44–1,11]; p = 0,13). Ebenso hatten aktuell therapierte
Patienten kein höheres Risiko als vergangene Anwender (0,91; [0,79–1,06]; p = 0,22).
Ein hohes Medikationsverfügbarkeitsverhältnis (> 80 %) stand mit einer Senkung des
Hüftfrakturrisikos (0,73; [0,68–0,78]; p < 0,001) in Zusammenhang, ebenso wie eine
kumulative Langzeitbehandlung (5–10 Dosisjahre: 0,74; [0,67–0,83]; p < 0,001; ≥ 10
Dosisjahre: 0,74; [0,56–0,97]; p = 0,03).
Die Behandlung mit Alendronat ≥ 10 Jahre reduzierte bei guter Therapieadhärenz das
Hüftfrakturrisiko um 30 %. Das Risiko für subtrochantäre Femurfrakturen sowie Femurschaftfrakturen
stieg dadurch nicht. Selbst wenn alle ST / FS bei den Alendronat-Anwendern atypisch
waren, stünde das Nutzen-Risiko-Verhältnis zugunsten des verminderten Hüftfraktur-riskos,
so die Autoren.
Dr. rer.nat. Marion Rukavina, Berlin
Kommentar aus der Praxis
Prof. Dr. med. Reiner Bartl
Immer wieder wurden Bedenken geäußert, ob der verminderte Knochenumbau unter jahrelanger
Bisphosphonat-Therapie zu einem überalterten, „eingefrorenen“, minderwertigen, spröden
Knochen und damit vermehrt zu Mikrofrakturen („microdamages“) führt. Diese Einwände
sind durchaus ernst zu nehmen und zu überprüfen. Alle bisherigen Langzeitstudien mit
Bisphosphonaten (BP) haben diese Bedenken aber widerlegt. Die „American Society for
Bone and Mineral Research“ (ASBMR) hat Kriterien für die Diagnose von atypischen BP-assoziierten
Femurschaftfrakturen festgelegt. Dieser Frakturtyp wurde aber nicht nur unter Langzeittherapie
(> 5 Jahre) mit oralen BP (5/10 000 Patientenjahre), sondern auch bei Patienten, die
kein BP einnahmen (1/10 000 Patientenjahre), beobachtet. Wahrscheinlich sind die Patienten
ohne Therapie in den Studien unterrepräsentiert. Ein kausaler Zusammenhang zwischen
einer Langzeittherapie mit BP und diesem Frakturtyp konnte statistisch nie klar nachgewiesen
werden.
Die vorliegende, neue dänische Kohortenstudie belegt – wie zu erwarten – eine Reduktion
des Risikos von Hüftfrakturen um 30 % und zeigt kein erhöhtes Risiko für atypische
Femurschaftfrakturen. Trotz der extremen Seltenheit von atypischen Femurschaftfrakturen
sollten vor allem unter Langzeittherapie mit BP deren typische Prodromi mit dem Patienten
diskutiert werden. Typisch sind der Fraktur vorausgehende dumpfe, „tiefe“ Schmerzen
im Bereich des Oberschenkels und des Gesäßes, häufig bilateral.
Ein einjähriges Aussetzen der Therapie („drug holiday“) nach 5 Jahren kontinuierlicher
BP-Therapie ist generell empfehlenswert. Bei Patienten mit schwerer (T-score < -3)
und manifester Osteoporose sowie bei Risikopatienten (Glukokortikoide, Aromatasehmmer)
ist eine solche Pause allerdings nicht zu rechtfertigen.
Treten bilaterale, tiefe Schmerzen im Oberschenkel-, Hüft- und Gesäßbereich auf, wird
folgende Diagnostik empfohlen: Röntgenbild, Skelett-Szintigramm oder MRT des betroffenen
Femurs. Eine Osteomalazie mit Auftreten von Looserschen Umbauzonen muß mit der Bestimmung
von Vitamin D, Kalzium und der alkalischen Phosphatase im Serum ausgeschlossen werden.
Bei Nachweis von Frakturlinien oder Periostverdickungen, sollten die BP abgesetzt
und Vitamin D (2000–3000 IE Vitamin D3 tgl.) gegeben werden. Weiterhin ist es ratsam, Stöße und Belastung des betroffenen
Beines zu vermeiden. Liegt eine inkomplette Fraktur vor, wird in der Literatur eine
prophylaktische intramedulläre Nagelung empfohlen.