Die Paul-Martini-Stiftung (PMS) wurde am 4. August 1966 von der Medizinisch Pharmazeutischen
Studiengesellschaft (MPS) mit Sitz in Frankfurt a. M. gegründet. Diese Studiengesellschaft
hatten einige Jahre zuvor einige führende deutsche Pharmafirmen als eine Art Think
Tank gegründet (Bayer, Boehringer Ingelheim, Boehringer Mannheim, Hoechst, Knoll,
Merck und Schering). Die MPS fungierte als Träger der Stiftung, bis 1994 der Verband
Forschender Arzneimittelhersteller, der vfa, übernahm.
Die MPS benannte die Stiftung nach dem 1964 verstorbenen Bonner Wissenschaftler und
Arzt Prof. Dr. med. Dr. med. h. c. Paul Martini. Dieser hat sich besondere Verdienste
um die Methodik der klinisch-therapeutischen Forschung erworben und diese mit seiner
1932 veröffentlichten „Methodenlehre der therapeutischen Untersuchung“ über Jahrzehnte
wesentlich geprägt. In dieser Methodenlehre hat er als erster randomisierte, kontrollierte
klinische Studien für die Ermittlung der Wirksamkeit, der Sicherheit und der Risiken
eines neuen Arzneimittels gefordert.
Zweck der Stiftung war und ist bis heute die Förderung der Arzneimittelforschung.
In den ersten Jahren konzentrierte sich die Stiftung dabei auf die Fortbildung jüngerer
Wissenschaftler vor allem auf dem Gebiet der klinischen Pharmakologie, auf dem Deutschland
Nachholbedarf hatte. Für diesen Fokus gab es zwei wichtige Gründe: Zum einen ist die
Arzneimittelentwicklung darauf angewiesen, dass es entsprechende Expertise an Hochschulen,
Krankenhäusern und bei den Behörden gibt. Zum anderen ist diese Expertise die Voraussetzung
für eine rationale und damit gezielte und effektive Arzneimittelanwendung.
Von Anfang an kam in der Stiftung der Position des wissenschaftlichen Beraters eine
bedeutende Rolle zu. Hierfür konnte die Stiftung stets anerkannte Mediziner gewinnen,
die dank ihrer Weitsicht wegweisend die Stiftungsaktivitäten lenkten.
Unter ihrem ersten wissenschaftlichen Berater, Prof. Dr. phil. Dr. med. Dr. med. h. c. Wolfgang Wirth, konzentrierte sich die PMS auf die Vergabe von einjährigen Stipendien für klinische
Pharmakologie, um entsprechende Expertise auch in Deutschland aufzubauen. Bis Anfang
1974 wurden insgesamt 28 Stipendien vergeben, wobei die Wissenschaftler ihre Fortbildung
meist in den USA absolvierten. Es folgte die Etablierung der klinischen Pharmakologie
an Universitäten, und die PMS förderte für 3 Jahre mit bis zu 100 000 DM jährlich
die Einrichtung klinisch-pharmakologischer Einheiten an den Universitäten Heidelberg,
Mainz, Würzburg und Düsseldorf und Tübingen.
Unter Prof. Dr. med. Dr. med. h. c. Hans Erhard Bock wurden diese Aktivitäten fortgesetzt: Die PMS finanzierte von 1974 bis 1978 ein Schwerpunktprogramm
zur Förderung der klinischen Pharmakologie an Hochschulen gemeinsam mit der Deutschen
Forschungsgemeinschaft (DFG). 1979 empfahl die Gesundheitsministerkonferenz der Kultusministerkonferenz
die Errichtung von Lehrstühlen und Schaffung von Abteilungen für Klinische Pharmakologie
an den Universitäten, und der Deutsche Ärztetag verabschiedete das Teilgebiet Klinische
Pharmakologie. Insgesamt wurden von der PMS 44 Vollstipendien und 36 Kurzstipendien
vergeben.
Seit 1969 wurde die klinische Pharmakologie auch durch die Vergabe des Paul-Martini-Preises
gefördert. Dieser war anfangs mit 5 000 DM, ab 1971 mit 10 000 DM dotiert und wurde
zunächst gemeinsam mit der damaligen Deutschen Gesellschaft für Dokumentation und
Statistik vergeben. Seit Einführung des Euro Anfang 2002 beträgt das Preisgeld 25 000
Euro. Die PMS will mit dem Preis dazu beitragen, dass die oft im Schatten der Laborforschung
stehende klinische Forschung öffentliche Aufmerksamkeit erhält. Die Verleihung des
Paul-Martini-Preises findet im Rahmen des jährlichen Kongresses der Deutschen Gesellschaft
für Innere Medizin (DGIM) statt.
Unter Federführung von Prof. Dr. med. Hellmuth Kleinsorge und Prof. Dr. med. Hans Josef Dengler entwickelte sich die Paul-Martini-Stiftung immer mehr zu einem Veranstalter wissenschaftlicher
Begegnungen (Symposien, Workshops, Expertengespräche) von forschender Industrie, Universität,
Klinik und Praxis. Genannt seien hier die in der Akademie der Wissenschaften und der
Literatur in Mainz durchgeführten Symposien oder die Beiträge der Paul-Martini-Stiftung
im Hauptprogramm der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin. Eigene
Veröffentlichungen der Paul-Martini-Stiftung wurden ein fester Bestandteil der Stiftungsaktivitäten.
Anfang der 1990er Jahre wurden die Ziele der PMS angepasst: Die Arzneimitteltherapie
und die klinische Pharmakologie stellten weiterhin einen Arbeitsschwerpunkt der Stiftung
dar, aber andere Themen wie Kosten-Nutzen-Analyse und Lebensqualität sowie Pharmakoepidemiologie
wurden als wichtig für die Therapieforschung identifiziert und in die Aktivitäten
aufgenommen.
1994 nahm die PMS eine wichtige Hürde – den Wechsel der Trägerschaft von der MPS zum
Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa), zu dem die MPS ausgebaut wurde.
Unter der Ägide von Prof. Dr. med. Dr. h. c. Peter C. Scriba erfolgte im Jahr 2000 der Umzug der PMS – im Gefolge des vfa – nach Berlin. 2004
gab es zwei bedeutende Änderungen: Seitdem werden die Herbstsymposien nicht mehr in
Mainz in der Akademie der Wissenschaften, sondern in Berlin, meist in den Räumen der
Kaiserin-Friedrich-Stiftung, durchgeführt und zwar in Verbindung mit der 1652 gegründete
Academia Naturae Curiosorum, besser bekannt als Leopoldina; diese nimmt nach einem
Beschluss der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern seit 2008 die
Aufgaben der deutschen Nationalen Akademie der Wissenschaften wahr.
Seit 2012 wird die PMS von Prof. Dr. med. Stefan Endres wissenschaftlich beraten, der mit der Einführung von Reisestipendien für junge Wissenschaftler
und der vermehrten Ausrichtung von Workshops zu hoch aktuellen Forschungsthemen wie
Oligonukleotiden, Immunonkologika und Gen-basierten Therapien eigene Akzente gesetzt
hat.
Die PMS wird auch weiterhin gemäß ihrem Stiftungszweck den wissenschaftlichen Dialog
zwischen medizinischen Wissenschaftlern in Universitäten, Krankenhäusern, den forschenden
Pharmafirmen, anderen Forschungseinrichtungen und Vertretern von Gesundheitspolitik
und Behörden intensivieren. Damit will sie auch dazu beitragen, den Forschungsstandort
Deutschland zu stärken.