Orfanos C.
Die Hörner des Stiers. Lebenserzählung und Chronik eines griechischen Migranten.
Berlin: BWV Berliner Wissenschaftsverlag; 2016.
ISBN: 978-3-8305-3644-4 356 S., 44 €
Ich bespreche hier die Autobiografie eines der großen deutschen Hochschullehrer für
Dermatologie. Wir in Deutschland tätigen Dermatologen kennen Prof. Constantin E. Orfanos,
den international anerkannten Universitätsprofessor, Organisator eines Weltkongresses
für Dermatologie und Kosmopoliten, zuerst mal über vielfältige Publikationen und Buchprojekte,
unsere Standardwerke. Seine Schüler an der Charité, von denen etliche Klinikdirektoren
wurden, kennen C. Orfanos auch als „den Griechen“. So nennt Orfanos seine Autobiografie
eben auch „Lebenserzählung und Chronik eines griechischen Migranten“. Aber Orfanos
ist nicht nur Grieche, sondern insbesondere auch Kreter; der Großvater Bauer, der
Vater Offizier. In Teil I erzählt er seine eigene Biografie zwischen den Weltkriegen.
Hier erfahren wir vieles über die Geschichte Griechenlands und das Verhältnis zur
Besatzungsmacht der Nazis. Nach dem Krieg stellt er seine Jahre in den USA und dann
in Deutschland dar. In Teil II ist eine Auswahl an hoch interessanten Reden nach seiner
Emeritierung beigefügt, die sich den Fragen der medizinischen Ethik widmen. Professor
Orfanos hat eine Stiftung zur Förderung der Dermatologie gegründet, die in Berlin
ansässig ist. Ich bin stolz darauf, dem Vorstand dieser Stiftung kooptiert zu sein.
Den Stier bei den Hörnern packen hat Mama Orfanos ihrem Sohn eingeflüstert und er
macht das bis heute. Ein Kreter eben, der mütterlichen Weisung und der Mythologie
Kretas folgend. Das ist kein Lehrbuch, aber eine spannende Autobiografie eines bedeutenden
Hochschullehrers für Dermatologie. Interessant für jeden Dermatologen, der über den
eigenen Tellerrand schauen will und die Historie seines Faches verstehen will. Ich
kann diese spannende, einsichtsreiche, lehrreiche und teils vergnügliche Autobiografie
nur wärmstens zur Anschaffung empfehlen.
Christiane Bayerl, Wiesbaden