Natarajan S.
et al.
Focal Laser Ablation Of Prostate Cancer: Phase I clinical trial.
J Urol 2016;
196: 68-75
Natarajan et al. haben 8 Männer mit einem singulären Prostatakarzinomherd Stadium≤T2b
und Gleason-Score≤7 (3+4) in die Phase-I-Studie aufgenommen. Die Laserfasern wurden
in Lokalanästhesie unter MRT-Kontrolle in der Prostata platziert. Zusätzlich führten
transrektal die Wissenschaftler transperineal 2 oder 3 Temperatursonden in die Prostata
ein, mindestens eine davon in unmittelbarer Nähe zum Rektum. Die Laserbehandlung erfolgte
mit einer Leistung von 11 bis 14 W mit im Mittel 7 Applikationen pro Patient. Die
gesamte Dauer des Eingriffs einschließlich Vorbereitung betrug durchschnittlich knapp
5 Stunden. Als primären Endpunkt beurteilten die Mediziner die Komplikationsrate.
Weitere exploratorische Endpunkte umfassten Veränderungen im International Prostate
Symptom Score (IPSS) und International Index of Erectile Function (IIEF) sowie den
histologischen Nachweis von Tumorrestgewebe und -rezidiven in der Biopsie 6 Monate
nach dem Eingriff. Die Auswertung ergab
-
insgesamt 23 unerwünschte Ereignisse vom Schweregrad 1 oder 2 über 9 Monate postoperativ,
-
keine Ereignisse vom Schweregrad 3 oder höher und
-
keine Fälle von Harninkontinenz und erektilen Funktionsstörungen laut IPSS und IEEF.
Die mittlere Temperatur außerhalb des Ablationsfelds lag in allen Fällen unter 40°C,
wobei die MRT-Thermometrie anfällig gegenüber Bewegungsartefakten war. Bei 6 der 8
Männer lieferten die Temperatursonden dagegen auswertbare Daten. Das durchschnittliche
Prostatavolumen nahm nach 6 Monaten von präoperativ 35,5 cm3 auf 32,5 cm3 ab. In der zu diesem Zeitpunkt durchgeführten Biopsie fanden sich bei 5 der 8 Männer
im behandelten Bereich keine Tumorreste. In den benachbarten Zonen waren allerdings
bei 6 Männern persistierende Tumoren nachweisbar, 3 davon mit eine Gleason-Score von
7 (3+4) bzw. 8. Ein weiterer Patient zeigte ein Karzinom in weiter Entfernung von
der Ablationszone, und ein Mann war vollständig tumorfrei.
Die Laserablation bei lokal begrenztem Prostatakarzinom mit insgesamt mäßigem Risiko
scheint ohne schwere Komplikationen durchführbar, so die Autoren. Als Vorteil sehen
sie auch, dass keine Allgemeinnarkose notwendig ist und die Patienten nach wenigen
Stunden aus der Klinik entlassen werden können. Die onkologischen Ergebnisse scheinen
dagegen weniger zufriedenstellend – möglicherweise muss der Sicherheitsabstand um
den sichtbaren Tumor herum über die hier verwendeten 10 mm erweitert werden.
Dr. Elke Ruchalla, Bad Dürrheim
Kommentar
Im Gegensatz zur roboterassistierten radikalen Prostatektomie mit dem weltweit etablierten
DaVinci®-System in der Monopolstellung drängen in der fokalen Therapie des Prostatakarzinoms
zahlreiche Systeme auf den Markt. Die Nische zwischen aktiver Überwachung und Ganzdrüsentherapie
soll besetzt werden. Das fordern auch die Patienten, die z.T. aktiv nach fokalen Therapiealternativen
suchen. Deshalb gewinnt das Wissen um die verschiedenen Systeme für die Urologie an
Bedeutung.
Diese Studie untersuchte die „focal laser ablation“ oder „laser interstitial thermal
therapy (LITT)“ genannt. Die LITT wird in der Neurochirurgie u. a. genutzt um MR-gesteuert
kleinste Hirnareale bei Epilepsie- und Tumor-Patienten zu zerstören. Dies wird ermöglicht
durch die hier ebenfalls genutzten MRT-kompatiblen Laserfasern, die in Kühlkathetern
platziert werden, um hierdurch zielgenau Energie zu applizieren. In der Urologie ist
dieser Laser für die Behandlung der BPO durch optimierte Laser-Systeme vom Markt verdrängt
worden, die vermutlich zu einer geringeren Inkontinenz führen [1]. Arbeiten aus unserer Klinik zeigten für diesen 980 nm Diodenlaser eine Koagulationstiefe
bei 10 W von ca. 0,9 mm (Nutzung für die fokale Therapie in der Studie 12–15 W) [2].
Den Autoren gebührt Anerkennung für die Durchführung dieser aufwendigen interdisziplinären
Behandlung im MRT. Ein Abstand zum Sphinkter externus Vesicae von mind. 2 cm führte
in der Studie sicherlich zu den wenigen Komplikationen, schränkt möglicherweise die
zukünftige Nutzung ein. Das Karzinom war bei wenigen Patienten nach 6 Monaten histologisch
nicht mehr nachweisbar. Ist dies nur eine Frage des zu geringen Sicherheitsabstandes?
Die Lasersonden wurden stereotaktisch platziert und die Lage im MRT überprüft. Möglicherweise
verhindert die zur Identifikation der Laserfaser in der Prostata notwendige Testdosis
eine genaue Replatzierung und Behandlung. Hier scheint Forschungsbedarf ex vivo zu
bestehen. 2 Patienten hatten mit PSA-Werten >15 ng/ml Tumorcharakteristika, die in
keinen Consensus-Empfehlungen als geeignete Patienten für die fokale Therapie empfohlen
werden. Dies deutet auf die schwierige Patientenselektion für die fokale Therapie
hin. Eine zeitgleich publizierte Studie von Lepor et al. zur LITT zeigt gegensätzliche
Daten [3]. 25 Patienten mit ähnlichen Einschlusskriterien zeigten nach 3 Monaten eine Tumorfreiheitsrate
von 96%. Auf Basis dieser gegensätzlichen onkologischen Ergebnisse und wenig behandelten
Patienten ist eine Gesamteinschätzung des Potentials der LITT nicht möglich. Studien
mit größeren Patientenkohorten sind notwendig.
Als Fazit für die Praxis kann geschlossen werden, dass die LITT weit entfernt ist
vom Routineeinsatz. Patienten mit unifokalen niedrig-früh intermediären Tumoren, die
eine fokale Therapie wünschen, müssen über den experimentellen Charakter aufgeklärt
werden und sollten ausschließlich in Studien behandelt werden.