Fischer AH.
et al.
Patterns of antimicrobial resistance in lesions of hidradenitis suppurutiva.
J Am Acad Dermatol 2017;
76: 309-313
An erster Stelle: Ciprofloxacin
In einer US-Studie wurden Bakterienkulturen aus Acne-inversa-Läsionen von 239 Patienten
auf Antibiotikaresistenzen untersucht und zur aktuellen Medikation in Bezug gesetzt.
Patienten, die zum Zeitpunkt der Studie topisch Clindamycin verwendeten, hatten häufiger
Clindamycin-resistente Staphylococcus aureus als Patienten, die zurzeit keine antibiotische
Behandlung durchliefen (63 vs. 17 %, p = 0,03). Patienten, die Ciprofloxacin nahmen,
hatten häufiger Ciprofloxacin-resistente und Methicillin-resistente S. aureus (100
vs. 10 %, p = 0,045). Patienten, die Trimethoprim/Sulfamethoxazol nahmen, hatten häufiger
Proteus-Spezies, die gegen dies Kombination resistent waren (88 vs. 0 %, p < 0,001).
Keine signifikanten Resistenzen zeigten sich hingegen bei Tetrazyklinen oder oral
verabreichtem Clindamycin.
Einer von mehreren Therapiebausteinen
Die antiinflammatorischen, antimikrobiellen und immunmodulatorischen Eigenschaften
der Antibiotika sind es, die ihren Platz in der Therapie der Acne inversa verteidigen.
Die Effektivität zumindest einiger Antibiotika ist hier allerdings nicht optimal –
und die Beobachtungen von Fischer et al. legen nahe, dass ihre Anwendung Resistenzen
verursacht. Vor allem betreffen diese S. aureus, der häufig in Läsionen bei Acne inversa
zu finden ist. Aus Sicht der Autoren sollte eine gut überlegte Antibiotikatherapie
immer nur einer von mehreren Therapiebausteinen sein, neben Gewichtsreduktion, Rauchstopp
sowie hormonellen, chirurgischen und Laser-Behandlungen.
Besondere Sorge bereiten den Autoren die hohen Resistenzraten bei Behandlung mit Ciprofloxacin
und mit Trimethoprim/Sulfamethoxazol. Es ist nicht klar, ob die Resistenzen direkt
mit der aktuellen Behandlung zusammenhängen oder ob diese Behandlung besonders bei
Patienten mit schwerer Ausprägung der Acne inversa vorgenommen wird, die schon häufig
antibiotisch behandelt wurden. Vorsichtshalber, so die Autoren, sollten diese Antibiotika
wirklich nur bei bakteriellen Sekundärinfektionen der Läsionen eingesetzt werden.
Die Querschnittstudie hat nur aktuelle Antibiosen in die Auswertung einbezogen. Wie
oft und wie lange die Patienten bereits antimikrobiell behandelt wurden, dazu liegen
keine Daten vor. Die drastischen Unterschiede in den Resistenzen – selbst bei der
Beschränkung auf die aktuelle Medikation – lassen vermuten, dass eine häufige antibiotische
Behandlung das Problem der Antibiotikaresistenzen drastisch verstärkt.
Die Studie unterstreicht die Bedeutung eines gut überlegten Einsatzes von Antibiotika
bei Acne inversa. Bei jeder Verschreibung sollte der limitierte Nutzen der Behandlung
gegen die möglichen Folgen einer Antibiotika-Resistenz abgewogen werden.
Dr. Nina Drexelius, Hamburg