Bohl DD.
et al.
Incidence, Risk Factors and Clinical Implications of Pneumonia Following Total Hip
and Knee Arthroplasty.
J Arthroplasty 2017;
DOI:
10.1016/j.arth.2017.01.004
Die Implantation einer Totalendoprothese (TEP) am Hüft- oder Kniegelenk zeigt eine
steigende Inzidenz mit zu erwartender zunehmender Bedeutung in den kommenden Jahren.
In vielen Studien wurden bereits postoperative Komplikationen und zugehörige Risikofaktoren
determiniert. Die postoperative Pneumonie gehört zu diesen Komplikationen und erhöht
die perioperative Mortalität und Morbilität.
Aus diesem Grund haben Bohl et al. in einer retrospektiven Kohortenstudie die Hauptrisikofaktoren
für die Entwicklung einer Lungenentzündung in den ersten 30 Tagen nach der Implantation
einer Hüft- oder Knie-TEP identifiziert.
In die Studie wurden 171 200 Patienten, von denen 66 493 (38,8%) eine Hüft-TEP und
104 707 (61,2%) eine Knie-TEP erhalten haben, eingeschlossen. 590 Patienten (0,34%)
sind an einer Pneumonie erkrankt. Als Hauptrisikofaktoren für die Erkrankung wurden
eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung, ein insulinpflichtiger Diabetes mellitus,
ein höheres Patientenalter (≥ 80 Jahre), Luftnot bei Anstrengung, niedriger BMI, Bluthochdruck,
Nikotinkonsum und das männliche Geschlecht determiniert. Des Weiteren führt die Entwicklung
einer Pneumonie zu einem erhöhten Risiko für einen erneuten Krankenhausaufenthalt
(82,4 vs. 3,4%) und einer erhöhten Mortalität (3,4%). Insgesamt zeigt sich, dass 17,7%
der Patienten, die nach der Implantation einer TEP verstorben sind, an einer Lungenentzündung
erkrankt waren.
Aus diesem Grund sollte ein evidenzbasiertes Pneumonie-Präventionsprogramm durchgeführt
werden. Zu diesem zählen die Mundpflege mit Chlorhexidin, das aufrechte Sitzen zu
den Mahlzeiten am Tisch, 30°-Oberkörperhochlagerung im Bett, intensives Atemtrainung
und eine frühzeitige Entlassung aus dem Krankenhaus.
Fazit
Den Autoren zufolge ist die Pneumonie eine ernst zu nehmende Komplikation nach der
Implantation einer Hüft- oder Knie-TEP (Inzidenz 1 : 300). Zu den 3 Hauptrisikofaktoren
zählen die COPD, Diabetes mellitus (insulinpflichtig) und ein höheres Patientenalter
(≥ 80 Jahre). Zur Reduktion des Pneumonierisikos sollten daher laut den Autoren spezielle,
evidenzbasierte Präventionsprogramme durchgeführt werden.