Nach der wissenschaftlichen Untersuchung von Biomarkern und Risikokalkulatoren für
Patienten nach negativer systematischer Prostatabiopsie – leider ohne wegweisendes
„Patentrezept“ – wächst die Datenlage für Re-Biopsien gestützt auf multiparametrischen
MRTs (mpMRT) der Prostata. Dieses Konsensus-Statement auf Basis einer systematischen
Literaturrecherche ist eine wertvolle Arbeit zur Beratung von Patienten.
Das Statement unterstreicht, dass die diagnostische Kette von der Bildgebung über
die gezielte Biopsie bis zur pathologischen Beurteilung einer regelmäßigen Qualitätssicherung
bedarf. Dies zeigen beispielweise für das mpMRT eine Reihe von Arbeiten [1, 2]. Möglicherweise
muss die Qualitätssicherung dieser Kette zukünftig in die fachliche Anforderung für
OnkoZert-Prostatakarzinomzentren und Praxen aufgenommen werden, um einen Qualitätsstandard
zu gewährleisten. Wir brauchen urologische und radiologische Experten. Diese neue
Diagnostik-Kette verbraucht schließlich nicht unerhebliche Gesundheitsressourcen.
Die Arbeit geht zu wenig auf einen zentralen Punkt ein: Die Fusionsbiopsie gibt uns
Informationen über Tumore, deren klinische Einordnung schwierig ist. Für welchen Patienten
ist welches Karzinom klinisch signifikant? Die meisten Definitionen basieren auf der
systematischen Prostatabiopsie [3]. Um nicht zahlreiche Karzinome zu überschätzen,
müssen neue Definitionen entwickelt werden. Solange es die nicht gibt, muss in unklaren
Fällen mit dem Patienten eine Therapie durch ein fachurologisches Gespräch individuell
abgewogen werden.
Für die Praxis ist abzuleiten:
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Die Fusionsbiopsie kombiniert mit einer systematischen Biopsie nach negativer Erstbiopsie
und weiterem Tumorverdacht ist die diagnostische Methode der Wahl bei PIRADS 3-Läsion
oder höher.
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Patienten mit PIRADS IV oder V Läsionen ohne Tumornachweis in einer Kombination von
systematischer und Fusionsbiopsie nach negativer Erstbiopsie bedürfen einer sehr engen
fachurologischen Anbindung mit niedriger Schwelle zur erneuten Biopsie.
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Trotz negativem mpMRT werden in der systematischen Biopsie teilweise bis zu 23 % klinisch
signifikante Karzinome entdeckt.
Der Autor
Dr. Jost von Hardenberg, Klinik für Urologie der Universitätsmedizin Mannheim der Universität Heidelberg
Literatur
[1] Scheidler J, Weöres I, Brinkschmidt C, Zeitler H, Panzer S, Scharf M, Heuck A,
Siebels M. Diagnosis of prostate cancer in patients with persistently elevated PSA
and tumor-negative biopsy in ambulatory care: performance of MR imaging in a multi-reader
environment. Rofo 2012; 184: 130 – 135.
[2] Garcia-Reyes K, Passoni NM, Palmeri ML, Kauffman CR, Choudhury KR, Polascik TJ,
Gupta RT. Detection of prostate cancer with multiparametric MRI (mpMRI): effect of
dedicated reader education on accuracy and confidence of index and anterior cancer
diagnosis. Abdom Imaging 2015, 40: 134 – 142.
[3] Ploussard G, Epstein JI, Montironi R, Carroll PR, Wirth M, Grimm M-O, Bjartell
AS, Montorsi F, Freedland SJ, Erbersdobler A, van der Kwast TH. The contemporary concept
of significant versus insignificant prostate cancer. Eur Urol 2011; 60: 291 – 303.