Jiang S.
et al.
Increased Factor VIII Activity Is Predictive of the Occurrence of Portal Vein Thrombosis
in Cirrhosis.
Thromb Haemost 2023;
DOI:
10.1055/a-2052-9381
In die prospektive monozentrische Beobachtungsstudie wurden zwischen 2018 und 2019
insgesamt 453 erwachsene Patientinnen und Patienten mit Leberzirrhose und gastroösophagealen
Varizen eingeschlossen. Bei allen Studienteilnehmern wurden im Serum die Faktor VIII-Konzentrationen
bestimmt. Antikoagulatorische Therapien in der Vergangenheit stellten ein Ausschlusskriterium
dar. Das mittlere Alter lag in der Kohorte bei 57 Jahren und 60,5% waren Männer. Die
häufigste Ursache für die Leberzirrhose waren Infektionen mit dem Hepatitis-B- bzw.
C-Virus (51%), Autoimmunhepatitiden (13%) bzw. ein Alkoholabusus (7%). Es erfolgte
eine Unterteilung der Kohorte in eine Gruppe mit und eine Gruppe ohne gesicherte Pfortaderthrombose
zu Studienbeginn (n=131; 29% bzw. n=322; 71%). In der Gruppe mit Portalvenenthrombose
zu Studienbeginn wurden jeweils 64%, 34% bzw. 1,5% der Patientinnen und Patienten
den Child-Pugh-Stadien A, B bzw. C zugeordnet, während sich die Anteile in der Gruppe
ohne Portalvenenthrombose zu Studienbeginn auf 77%, 21% bzw. 2,5% beliefen. Hieraus
geht hervor, dass Patienten mit Pfortaderthrombose eine schlechtere Leberfunktion
aufwiesen.
Die Faktor-VIII-Aktivität war in der Portalvenenthrombosen-Gruppe im Vergleich zur
Patientengruppe ohne Portalvenenthrombose signifikant erhöht (177,0 % versus 153,7%).
Demgegenüber waren die vWF (von-Willebrand-Faktor) -Aktivitäten und -Antigenspiegel
in beiden Studiengruppen vergleichbar. Zwischen den Faktor-VIII-Aktivitäten zu Studienbeginn
und der Inzidenz von Portal venenthrombosen ergab sich ein nicht-linearer Zusammenhang.
Bis zu einer Faktor-VIII-Aktivität von 150% verlief die Risikokurve für die Manifestation
von Portalvenenthrombosen relativ flach, stieg danach aber steil an. In der multivariaten
Analyse kristallisierten sich die Faktoren Splenektomie, Child-Pugh-Stadium bzw. Faktor-VIII-Spiegel
als unabhängige Risikofaktoren für die Entwicklung einer Portalvenenthrombose heraus.
Darüber hinaus konnte ein Zusammenhang zwischen der Faktor-VIII-Aktivität und dem
Schweregrad der Portalvenenthrombose nachgewiesen werden. In der Gruppe der Patienten
ohne Portalvenenthrombose zu Studienbeginn ent wickelte sich innerhalb einer mittleren
Beobachtungszeit von 597 Tagen bei 18,6% eine Portalvenenthrombose. In mehreren adjustierten
Analysen erwies sich die Faktor-VIII-Aktivität als Prädiktor hierfür (HR bis zu 3,48;
95%-KI 1,14-10,68). So manifestierte sich bei 15,2% der Patienten mit gegenüber 3,2%
der Patienten ohne erhöhte Faktor-VIII-Aktivität (Cutoff 181,5%) innerhalb eines Jahres
eine Pfortaderthrombose. Die Ergebnisse waren konsistent in der Gruppe der Patienten
mit Splenektomie.
Eine erhöhte Faktor-VIII-Aktivität war in der aktuellen Studie bei Patienten mit Leberzirrhose
und gastroösophagealen Varizen mit der Manifestationswahrscheinlichkeit einer Pfortaderthrombose
assoziiert und die Höhe der Faktor-VIII-Aktivität korrelierte darüber hinaus mit deren
Schweregrad. Die Ergebnisse unterstützen die Bedeutung der Hyperkoagulabilität für
die Entwicklung von Pfortaderthrombosen, so die Autoren.
Dr. Katharina Franke, Darmstadt