Es sind Themen aus ganz unterschiedlichen grundlagenwissenschaftlichen Fachbereichen,
die sich in vielen klinischen Bereichen einsetzen lassen.
Ein weiterhin großes Problem stellt die unverändert limitierte Überlebenschance der
Patienten mit Kopf-Halskarzinom dar. Trotz der Erweiterung der Chirurgie um diverse
rekonstruktive Verfahren, wie auch die Erweiterung der strahlentherapeutischen Maßnahmen,
bleibt die Prognose und Überlebensrate der Patienten in den fortgeschrittenen Erkrankungsstadien
schlecht. Daher greifen die Referate die Entwicklungen im Bereich der Onkologie auf.
Es geht um die Charakterisierung der „zweiten Entität des Kopf-Hals- Karzinoms“, das
durch HPV Viren initiiert, sich molekular, biologisch, immunologisch und damit wahrscheinlich
in Zukunft auch therapeutisch vom klassischen Noxen induziertem Kopf-Halskarzinom
unterscheidet. Hierbei kommt das hochaktuelle Gebiet der Immuntherapie gerade zum
richtigen Zeitpunkt. Durch eine Vielzahl von Antikörpern, die gerade ihren Übergang
aus der Entwicklung in die klinische Routine finden, gelingt es, die Zellen der körpereigenen
Immunantwort gegen Krebszellen zu aktivieren. Die aktuelle klinische Datenlage weist
für bestimmte Patienten einen merklichen Überlebensvorteil aus. Auch die diagnostischen
Verfahren der Onkologie ändern sich, weniger invasiv, auf „Big Data“ gestützt, werden
verlässliche prognostische Indikatoren an Schnittbildern abgeleitet, die klinische
Verdachtsmomente hilfreich unterstützen können. Die Verknüpfung von Bildgebung und
Technik spielt auch bei der robotischen Chirurgie eine relevante Rolle. Die Darstellung
der aktuellen Systeme, Vorteile, aber auch Limitationen werden ausführlichen Raum
bekommen.
An der Schnittstelle von Onkologie zur Rhinologie steht das Mikrobiom. Seit wenigen
Jahren wird offensichtlich, dass der menschliche Körper von mehr Bakterien besiedelt
ist, als es körpereigene Zellen gibt. Der Einfluss dieser Bakterien auf relevante,
entzündungsbedingte Krankheitsbilder, wie Karzinome oder rhinologische Erkrankungen,
steht an der Schwelle der Erforschung. Die Therapie der chronischen Rhinosinusitiden
wechselt aus den chirurgischen Verfahren in die antikörpergestützte Therapie, wieder
eine Art Immuntherapie. Nach einem so genannten „Entzündungs-Endotyping“ werden verschiedene
individualisierte Antikörpertherapien entstehen.
Mit großen Schritten entwickelt sich auch das Verständnis des molekularen Hörvorganges.
Diese Einsichten werden zukünftig nachhaltig die Versorgung der Patienten mit Schwerhörigkeit
in der Prävention, Diagnostik und operativen Versorgung verändern.
Auch die regenerative Medizin spielt für die Zukunft der HNO- Heilkunde eine große
Rolle, durch neuartige Ansätze kommen erste Einsatzmöglichkeiten im klinischen Alltag
an.
Die Vielseitigkeit der hier gebündelten innovativen Forschungsansätze zeigt, welchen
Entwicklungsbedarf und auch -chancen die HNO-Heilkunde aufweist. Mögen die hier gesammelten
Referate den Grundstein zu der Faszination an Forschung sein, die unser Fach weiter
in die Zukunft trägt.
Viel Vergnügen mit den Referaten zu „Forschung heute – Zukunft morgen“
Prof. Dr. med. Barbara Wollenberg
Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für HNO-Heilkunde,
Kopf- und Hals-Chirurgie 2017/2018