Auf dem Hintergrund krasser Unterversorgung wurde im Frühjahr
1993 in den Universitären Psychiatrischen Diensten Bern (Schweiz) eine
für Doppeldiagnosepatienten (DDP) geeignete Therapiestation eingerichtet
[1]. Zielsetzung ist, in einer Art „Übergangstherapie” die DDP biopsychosozial so
weit zu stabilisieren, dass sie in der Lage sind, bestehende
Rehabilitationsangebote zu nutzen.
Die Doppeldiagnosestation ist eine geschlossene Abteilung für
zwölf Patienten. Aufgenommen werden Patienten beiderlei Geschlechts
zwischen 16 und 65 Jahren, bei denen der begründete Verdacht auf eine
Doppeldiagnose sowie eine minimale Therapiemotivation vorliegt.
Das Behandlungsprogramm umfasst vier Zielbereiche: Förderung der Behandlungsmotivation,
Aufbau und Stabilisierung von Abstinenz einschließlich
Rückfallprävention, Stabilisierung und Behandlung der psychischen
Störung sowie Erkennen und Akzeptieren der Doppelproblematik.
Diese Zielbereiche werden in einem vier bis neun Monate dauernden
Stufenprogramm mit den vier Stufen Klärungs-,
Motivierungs-, Trainings- und Realitätsphase angestrebt. Jeder
Stufenübertritt geht mit einer Zunahme an Verantwortung, Freiheit und
Orientierung zur Rehabilitation hin einher. Er ist an bestimmte Kriterien
biopsychosozialer Stabilität gebunden.
Das Stufenprogramm enthält ein Grundangebot an
Behandlungselementen wie Milieutherapie, medikamentöse Therapie,
Gruppentherapien (Informationsgruppen zu Doppeldiagnosen,
Belastungsbewältigung, Training sozialer Kompetenzen und
Rückfallbewältigung und -prävention), Psychotherapie, Einbezug
von Angehörigen und/oder anderen Bezugspersonen, Arbeitsateliers und
sozialer Rahmen (Wohnungssuche, therapeutische Wohngemeinschaft etc.).
Zwischen 1993 und 1999 wurde ein Kollektiv von insgesamt 126 DDP bei
Eintritt sowie ein und zwei Jahre nach Austritt mit standardisierten Interviews
und Fragebogen erfasst. Die Ergebnisse zeigen, dass sowohl der
Suchtmittelkonsum als auch die Symptome der psychischen Störung ein Jahr
bzw. zwei Jahre nach der Behandlung deutlich abgenommen haben. Die DDP konnten
ihre Wohnsituation verbessern und benötigten weniger stationäre
Behandlungen als vor Eintritt in die Doppeldiagnosestation [2].