Pneumologen aus Klinik und Praxis erarbeiteten im Rahmen einer Tagung zum Thema COPD
gemeinsam eine pragmatisch orientierte Stellungnahme zur Sauerstofflangzeittherapie
(LTOT). Diskutiert wurden die Aspekte Behandlungsziele, Indikationen, Diagnostik,
Gerätetypen und Langzeitbetreuung. Die Diskussion diente der Unterstützung einer Arbeitsgruppe
der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie, die derzeit Empfehlungen zu diesem Thema
aktualisiert. Gemäß den Vorgaben der Evidence Based Medicine (EBM) wurde versucht,
mit einer entsprechenden Klassifikation zum Ausdruck zu bringen, wie wissenschaftlich
gesichert die einzelnen Punkte sind. Grad 1 bezeichnet hier durch Meta-Analysen und
Grad 2 durch randomisierte, prospektive Studien konfirmiertes Wissen, während Expertenmeinung
ohne entsprechende Studien mit Grad 5 bezeichnet wird.
Nachweis der chronischen Hypoxämie
Nachweis der chronischen Hypoxämie
Letztendlich ist nicht genau bekannt, welches Ausmaß von Hypoxämie der Mensch dauerhaft
ohne Schaden erträgt. Sicher ist, dass eine Normalisierung des pO2 in einen Bereich über 80 Torr nicht nötig ist. Insofern sind für Jugend- und Erwachsenenalter
auch keine altersbezogenen Grenzen zur Definition der chronischen Hypoxämie erforderlich.
Für die folgenden Überlegungen wird vorausgesetzt, dass die Messung des pO2 am Tage und in Ruhe erfolgt und dass der Patient sich unter optimaler medikamentöser
Therapie in einem stabilen klinischen Zustand befindet.
Eine chronische Hypoxämie, bei der eine Langzeitsauerstofftherapie indiziert sein
kann, liegt dann vor, wenn der pO2 bei mindestens 3 Messungen unterhalb von 55 Torr liegt (Abb. [1 ]). Ein höherer Grenzwert von 60 Torr soll in begründeten Einzelfällen gelten, wenn
zusätzlich zur Hypoxämie mindestens eines der folgenden Kriterien erfüllt ist:
Ziele der LTOT
Ziele der LTOT
Für die Indikation COPD darf als gesichert gelten (EBM Grad 2), dass die Überlebenszeit
durch Sauerstofftherapie verlängert wird. Belege für eine größere Leistungsfähigkeit
von Patienten mit Lungengerüsterkrankungen (Grad 2) und eine verbesserte Lebensqualität
liegen ebenfalls vor. Ein weiteres Behandlungsziel der LTOT ist die Verringerung der
Zahl respiratorischer Exazerbationen dieser Patienten.
Indikationen für eine LTOT
Indikationen für eine LTOT
Grundsätzlich muss betont werden, dass nicht jede mit chronischer Hypoxie einhergehende
Erkrankung eine Sauerstofftherapie erfordert. Auch sollen hier Situationen nicht berücksichtigt
werden, in denen es vorübergehend, z. B. nach Krankenhausaufenthalten oder im Rahmen
respiratorischer Exazerbationen, zu Phasen von Hypoxie kommt. Für schlafbezogene Hypoxien
wird auf die entsprechende DGP-Empfehlung verwiesen.
Bei Patienten mit folgenden Erkrankungen soll eine LTOT in Betracht gezogen werden,
wenn eine chronische Hypoxämie nachgewiesen wurde (Abb. [2 ]):
COPD (Grad 2)
Lungengerüsterkrankungen (Grad 2)
Thorax-Wanderkrankungen ohne Hyperkapnie (Grad 5)
Post-Tbc- und post-Polio-Syndrom ohne Hyperkapnie (Grad 5)
weitere Erkrankungen (z. B. pulmonale Hypertonie, Herzinsuffizienz mit Cheyne-Stokes-Atmung,
Bronchialkarzinome, Mukoviszidose)
Diagnostik vor Beginn der LTOT
Diagnostik vor Beginn der LTOT
In Ruhe und unter den o. g. Bedingungen soll der Pneumologe den Sauerstoffpartialdruck
im Blut messen (die Sauerstoffsättigung reicht nicht aus). Wiederholte Messungen sollten
während Sauerstoffgabe mit unterschiedlichen Konzentrationen erfolgen, damit eine
Dosis-Wirkungs-Kurve erstellt werden kann. Idealerweise erfolgt die Sauerstoffapplikation
während dieser Phase über das Gerät des Patienten. Auch Messungen unter Belastung
sind sinnvoll. Ziel ist, durch Sauerstoffgabe den pO2 auf mindestens 60 Torr anzuheben.
Weitere Voraussetzungen für den Beginn einer LTOT
Weitere Voraussetzungen für den Beginn einer LTOT
Es soll keine symptomatische Hyperkapnie mit Kopfschmerz oder Somnolenz vorliegen.
Der Patient muss die Bereitschaft aufbringen, eine Sauerstofftherapie über mindestens
18 Stunden, idealerweise 24 Stunden, pro Tag durchzuführen. Optimale medikamentöse
und Physiotherapie sollten begleitend durchgeführt werden. Der Patient sollte mit
einem Raucherentwöhnungsprogramm begonnen haben und auch sonstige inhalative exogene
Noxen vermeiden. Sofern einem Raucher überhaupt eine LTOT verordnet wird, muss er
ausführlich über die Gefahren der Sauerstofftherapie bei gleichzeitigem Rauchen aufgeklärt
werden (einige Teilnehmer vertraten die Meinung, bei Rauchern überhaupt keinen Sauerstoff
zu verordnen).
Systeme für die ambulante Sauerstofftherapie
Systeme für die ambulante Sauerstofftherapie
Die auf dem Markt befindlichen Systeme unterscheiden sich vor allem im Gewicht und
im Vorrat an Sauerstoff.
Sauerstoffkonzentratoren
Sie konzentrieren fortlaufend Sauerstoff aus der Umgebungsluft, sind großvolumig und
mit ihrem Gewicht von ca. 20 kg prinzipiell stationäre Geräte. Der Aktionsradius des
Patienten ist auf das Haus beschränkt, sofern er nicht z. B. am Arbeitsplatz über
ein weiteres Gerät verfügt. Zu berücksichtigen sind auch die Stromkosten und die Geräuschentwicklung
dieser Geräte. Demand-Systeme, die Sauerstoff sparen, sind bei diesen Geräten nicht
erforderlich.
Flüssig-Sauerstoff-Systeme
Die Basis ist ein häusliches Reservoir, das vom Anbieter direkt mit flüssigem Sauerstoff
befüllt wird. Ein Liter flüssiger Sauerstoff entspricht ca. 1000 Litern gasförmigem
Sauerstoff. Aus diesem Vorrat kann sich der Patient selbst einen kleineren, portablen
Kanister mit einem Gewicht von rund 3,5 kg befüllen. Bei einem Flow von 2 l/min reicht
ein solcher Kanister für ca. 8 Stunden. Der Aktionsradius der Patienten wird also
durch diese Geräte deutlich größer. Sie sind indiziert bei mobilen Patienten mit Hypoxämie,
wobei sorgfältig geprüft werden muss, ob der pO2 unter Belastung ausreicht. Weitere Vorteile dieser Geräte sind die Möglichkeit, den
Flow auf bis zu 6 l/min zu erhöhen. Mit Hilfe von elektronischen Sparventilen bzw.
Demand-Systemen wird der O2 -Verbrauch gesenkt und die Zeit bis zum Leeren des Kanistervorrates verlängert; allerdings
verbraucht sich der Sauerstoff auch durch spontane Verdunstung. Transportsysteme in
Form eines Rucksacks oder Rollers haben sich in der Praxis bewährt.
Kleine portable Sauerstoff-Druckflaschen
Sie können ein Volumen von 1 bis 2 l gasförmigen Sauerstoffs aufnehmen und haben ein
Gewicht von ca. 6,4 kg. Meist werden sie mit einem häuslichen Konzentrator kombiniert
verwendet. Ihre Kapazität ist gering (z. B. bei 200 bar Füllungsdruck 400 Liter O2 ), so dass sie nur eine Zeit von ca. 3 Stunden überbrücken können, mit Demand-Ventilen
etwas länger. Als Reserve sind sie jedoch sinnvoll, z. B. bei Stromausfall und Versagen
des Konzentrators.
Sauerstoffsonden
Sauerstoffsonden
Das gebräuchlichste System ist die Applikation über eine Nasenbrille oder Nasensonde.
In Brillengestelle integrierte Systeme haben kosmetische Vorteile. Eine Alternative
kann ein transtrachealer Katheter sein, der neben dem Vorteil der für Außenstehende
unsichtbaren Sauerstoffgabe die Totraumventilation vermindert und in kritischen Fällen
zu besseren Sauerstoffkonzentrationen führen kann. Nachteilig ist die Notwendigkeit
eines chirurgischen Eingriffs, die Gefahr von Obstruktion oder Infektion sowie der
erhöhte Pflegebedarf mit täglichem Katheterwechsel.
Verlaufskontrollen unter LTOT
Verlaufskontrollen unter LTOT
Die Überwachung der häuslichen Sauerstofftherapie ist primär die Aufgabe des niedergelassenen
Pneumologen. Problemfälle können auch in der Fachklinik oder einer pneumologischen
Krankenhausabteilung betreut werden.
In den ersten drei Monaten sollten engmaschige Kontrollen in monatlichen Abständen
erfolgen, danach reichen vierteljährliche Abstände aus. Messungen des pO2 müssen mit und ohne Sauerstoffgabe erfolgen, wobei der Patient sein eigenes (portables)
Gerät mitbringen oder den Konzentrator der Praxis benutzen sollte. Neben Anamnese
und klinischer Befunderhebung soll eine Hämatokritbestimmung erfolgen und die Indikation
zur LTOT überprüft bzw. bestätigt werden.
Abb. 1 Definition der chronischen Hypoxämie für die Indikationsstellung zur Sauerstofflangzeittherapie.
Abb. 2 Indikationen zur Sauerstofflangzeittherapie (EBM: Evidence Based Medicine).