Einleitung
Einleitung
Liebow beschrieb 1969 eine weltweit bekannt gewordene Klassifikation der idiopathischen
interstitiellen Pneumonien, die lange Gültigkeit hatte [1]. Er unterschied 5 unterschiedliche histologische Erscheinungsformen (Tab. [1]), die von Klinikern in der Regel alle unter der Bezeichnung idiopathische Lungenfibrose
zusammengefasst wurden. In jüngster Zeit hat diese pathologische Klassifikation einen
Wandel erfahren. Katzenstein und Myers [2] schlugen erstmals vor, nur noch das histopathologische Substrat der UIP für die
idiopathische Lungenfibrose zu akzeptieren, die DIP wurde weitgehend mit der respiratorischen
Bronchiolitis mit interstitieller Lungenerkrankung (RB-ILD) gleichgesetzt, einer Erkrankung,
die überwiegend bzw. ausschließlich bei Rauchern auftritt. Sie fügten die AIP und
die NSIP als neue Entitäten hinzu und führten die LIP und GIP nicht mehr auf, da diese
beiden Formen in vielen Fällen nicht idiopathisch sind. Die LIP ist meist mit lymphoproliferativen
Erkrankungen assoziiert, die GIP das heute allgemein anerkannte pathologische Substrat
der Hartmetallfibrose. Die BIP entspricht der heutigen BOOP oder COP.
Warum sollten wir uns jedoch überhaupt der Mühe unterziehen, diese verschiedenen Subgruppen
der idiopathischen interstitiellen Pneumonie auseinander zu halten und sie nicht mehr
alle als idiopathische Lungenfibrose in einen Topf zu werfen? Der Hauptgrund ist die
unterschiedliche Prognose und sich daraus ergebende unterschiedliche therapeutische
Ansätze. In einer kürzlich publizierten retrospektiven Analyse der Mayo Clinic von
102 Patienten, die alle ursprünglich als idiopathische Lungenfibrose diagnostiziert
wurden, zeigte sich, dass bei 62 % das histologische Bild einer UIP vorlag, bei 14
% das Bild einer NSIP [3]. Die UIP-Patienten hatten eine mittlere Überlebenszeit von nur 2,8 Jahren, verglichen
mit 13 Jahren bei NSIP-Patienten. Diese Unterschiede in der Überlebenszeit wurden
von Daniil et al. bestätigt [4]. Ähnliche Unterschiede fanden sich auch bei Nagai et al. [5].
Die neue Klassifikation versteht sich bewusst als ein integrierter Ansatz, bei dem
klinische, radiologische und pathologische Kriterien zusammenkommen (Tab. [2]). Der Pathologe kann nicht aufgrund des histopathologischen Musters der UIP die
Diagnose idiopathische Lungenfibrose stellen. Dies kann nur gemeinsam mit dem Kliniker
erfolgen, der bekannte Ursachen, z. B. eine Asbestexposition, eine chronische späte
Form der exogen allergischen Alveolitis, eine Kollagenose, die alle histopathologisch
das Muster der UIP aufweisen können, ausgeschlossen hat. Der integrierte Ansatz bedeutet
auch, dass bei Patienten mit idiopathischer interstitieller Pneumonie, die nicht das
typische klinische und HR-CT-Bild der idiopathischen Lungenfibrose oder der BOOP bieten,
eine chirurgische Lungenbiopsie empfohlen wird, da sich DIP, NSIP und AIP in vielen
Aspekten überlappen. Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede im HR-CT sind in Tab. [3] aufgeführt. Im Folgenden werden die neuen Entitäten unter Berücksichtigung ihrer
klinischen, radiologischen und histopathologischen Besonderheiten besprochen.
Tab. 1Klassifikationswandel der idiopathischen interstitiellen Pneumonien
| Liebow 1969 |
Katzenstein 1998 |
| usual InterstitialPneumonia (UIP) |
UIP |
| Desquamative InterstitialPneumonia (DIP) |
DIP/Respiratory Bronchiolitis Interstitial Lung Disease |
| Bronchiolitis ObliteransInterstitial Pneumonia (BIP) |
heute: Bronchiolitis Obliterans with Organizing Pneumonia (BOOP) |
| Lymphoid InterstitialPneumonia (LIP) |
heute: meist lymphoproliferative Erkrankung (niedrig malignes lymphozytisches Lymphom)
oder assoziiert mit AIDS |
| Giant Cell InterstitialPneumonia (GIP) |
heute: Hartmetallfibrose |
|
Acute Interstitial Pneumonia (AIP) |
|
Non-specific Interstitial Pneumonia (NSIP) |
Tab. 2Histologische und klinische Klassifikation der idiopathischen interstitiellen Pneumonien
(nach [11])
| histologisches Muster |
klinische Diagnose |
| UIP |
idiopathische Lungenfibrose |
| DIP |
DIP |
| respiratorische Bronchiolitis |
respiratorische Bronchiolitis mit interstitieller Lungenerkrankung (RB-ILD) |
| organisierende Pneumonie (= BOOP) |
kryptogen-organisierende Pneumonie (COP) (= idiopathische BOOP) |
| diffuser Alveolarschaden (DAD) |
AIP |
| NSIP |
idiopathische NSIP |
Tab. 3HR-CT-Charakteristika der idiopathischen interstitiellen Pneumonien
| Diagnose |
typische Verteilung |
typisches Verschattungsmuster |
| IPF (UIP) |
peripher, subpleural, basal |
retikulär, Honeycombing,Traktionsbronchiektasen,fokal Milchglas |
| DIP |
peripher, subpleural, basal |
Milchglas dominant, retikulär gering |
| RB-ILD |
diffus |
verdickte Bronchialwände,zentrilobuläre Knötchen,fleckförmig Milchglas |
| AIP (DAD) |
diffus |
Milchglas mit fokaler Aussparung von Lobuli (geografisches Muster), alveoläre Konsolidierung |
| BOOP |
subpleural,peribronchial |
fleckige alveoläre Konsolidierung mit/ohne Knötchen |
| NSIP |
peripher, subpleural, basal |
Milchglas dominant, retikulär,alveoläre Konsolidierung |
Idiopathische Lungenfibrose (IPF)
Idiopathische Lungenfibrose (IPF)
Die idiopathische Lungenfibrose ist heute nicht mehr als Ausschlussdiagnose (Sammeltopf)
von Lungenfibrosen definiert, welche ätiologisch nicht besser klassifiziert werden
können. Die Erkrankung wird heute sehr wohl als eigenständige klinisch-pathologische
Entität aufgefasst und im aktuellen ATS/ERS-Konsensus Statement wie folgt definiert
[6]: Die IPF ist eine besondere Form der chronisch-fibrosierenden interstitiellen Pneumonie
unbekannter Ätiologie, auf die Lunge beschränkt, und in der chirurgischen Lungenbiopsie
mit dem histologischen Muster der UIP assoziiert. Bei Vorliegen einer chirurgischen
Biopsie mit UIP-Muster verlangt die Diagnose folgendes:
-
Ausschluss anderer bekannter Ursachen einer interstitiellen Lungenerkrankung, beispielsweise
toxische Arzneimittelreaktionen, bekannte Expositionen gegenüber inhalativen Umweltnoxen
und Kollagenosen
-
Pathologische Lungenfunktionsbefunde mit Hinweis auf Restriktion und/oder Gasaustauschstörung
-
Charakteristische Veränderungen im Röntgen-Thoraxbild oder im HR-CT
Die ATS/ERS-Kriterien zur Diagnose der IPF ohne Vorliegen einer chirurgischen Lungenbiopsie
sind in Tab. [4] dargestellt.
Charakteristischerweise tritt die Erkrankung im mittleren bis höheren Lebensalter
auf (Durchschnittsalter bei Diagnosestellung 66 Jahre, 2/3 sind über 60 Jahre), der Verlauf ist durch langsam progrediente Atemnot bei Belastung
charakterisiert (in der Regel von über 3 Monaten Dauer), klinisch findet sich in über
80 % beidseits basales Knisterrasseln, Uhrglasnägel und Trommelschlägelfinger in bis
zu 70 % [6]. Fieber kommt praktisch nicht vor, im Gegensatz zu älteren Serien (hier waren dies
wahrscheinlich Fälle von NSIP oder BOOP). Fieber in der Anamnese sollte immer an andere
Diagnosen denken lassen, beispielsweise BOOP, exogen allergische Alveolitis oder auch
Sarkoidose.
Im Röntgen-Thorax-Bild zeigen sich typischerweise periphere und basal betonte retikuläre
Verschattungen, oft mit Honigwabenbildung. Zwerchfellschatten und Herzkontur sind
meist nicht mehr scharf begrenzt. Im HR-CT kommt die periphere und basale Verteilung
noch deutlicher zur Darstellung (Abb. [1]). Die Veränderungen sind herdförmig betont, milchglasartige Verdichtungen können
innerhalb der fibrotischen Areale vorkommen, treten jedoch in den Hintergrund. Bei
fortgeschrittenem Befall finden sich oft Traktionsbronchiektasen, erweiterte Bronchiolen
und subpleurale Honigwabenbildung. Findet sich dieses charakteristische Muster und
die typische Verteilung im HR-CT, kann ein geübter Befunder in 90 % der Fälle die
Diagnose korrekt stellen [7]
[8]
[9]. Andererseits finden sich nur bei 2/3 der IPF-Patienten derart charakteristische Veränderungen [10]. Ausgedehnte Milchglasverschattungen im CT sollten an andere Erkrankungen denken
lassen, vor allem an die DIP, aber auch an RB-ILD, exogen allergische Alveolitis oder
NSIP. In der BAL findet sich charakteristischerweise eine mäßige bis mittelstarke
Neutrophilen- und leichte Eosinophilenvermehrung, eine stärkere Lymphozytose ist nicht
typisch [6].
Eine chirurgische Lungenbiopsie wird bei Patienten empfohlen, die nicht die diagnostischen
Kriterien des ATS/ERS-Statements erfüllen (Tab. [3]). Im Allgemeinen sind dies jüngere Patienten (unter 50 Jahre alt), Patienten mit
atypischem HR-CT-Bild oder mit atypischer BAL, z. B. mit deutlicher Lymphozytose.
Histopathologisch zeichnet sich die UIP durch folgende diagnostische Hauptkriterien
aus [2]:
-
Zeitlich heterogenes Erscheinungsbild mit Bezirken normaler Lunge, interstitieller
zellulärer Infiltration, Fibrose und Honigwabenbildung (Umbau der Lungenarchitektur)
-
Fibroblastenherde („fibroblast foci”) im Randbereich fibrotischer Narben
-
Periphere Verteilung im Lobulus (peripher azinär) und in der Gesamtlunge (peripher
subpleural)
-
Herdförmiger Lungenbefall
Desquamative interstitielle Pneumonie (DIP)
Desquamative interstitielle Pneumonie (DIP)
Die DIP tritt überwiegend bei Rauchern auf, jedoch nicht ausschließlich, und wird
auch selten bei Kindern und Jugendlichen beobachtet. In jüngster Zeit wurde der Vorschlag
gemacht, den Begriff DIP durch AMP (Alveolarmakrophagen-Pneumonie) zu ersetzen. Es
ist nämlich klar geworden, dass es sich nicht um desquamierte Epithelzellen, sondern
um Alveolarmakrophagen handelt, die sich bei dieser Erkrankung diffus in den Alveolen
anreichern [11]. Die Alveolarwände sind nur mäßig verdickt, es ist wenig Fibrose zu sehen, und im
Gegensatz zur UIP fehlen die „fibroblast foci” und der Umbau der Lungenarchitektur
[12].
Die Patienten sind jünger als IPF-Patienten, der Altersgipfel liegt bei 40 Jahren
(Tab. [5]). Krankheitsbeginn und Symptome mit allmählich zunehmender Atemnot gleichen der
IPF, auch Trommelschlägelfinger und Uhrglasnägel kommen relativ häufig vor (in 40
% der Fälle). Die Lungenfunktionseinschränkungen sind in der Regel nicht so ausgeprägt
wie bei IPF. In der BAL finden sich kräftig entwickelte Rauchermakrophagen (falls
es sich nicht um den seltenen Fall eines Nichtrauchers mit dieser Erkrankung handelt
sollte), daneben können Neutrophile, Eosinophile und geringgradig auch Lymphozyten
vermehrt sein.
Im Röntgen-Thorax-Bild zeigen sich überwiegend fleckige milchglasartige Verdichtungen
mit einer Bevorzugung der Unterfelder und der Lungenperipherie. Im HR-CT findet sich
ebenfalls eine Verteilung, die der idiopathischen Lungenfibrose (UIP) ähnlich ist
mit Bevorzugung der Unterfelder in 73 % und einer peripheren Verteilung in 59 % der
Fälle (Abb. [2]). Der Hauptunterschied zur idiopathischen Lungenfibrose (UIP) besteht darin, dass
das milchglasartige Verschattungsmuster überwiegt [13].
Die Prognose ist deutlich besser als bei IPF, mit einer 10-Jahres-Überlebensrate von
70 % [14]. Im Unterschied zur RB-ILD bessern sich nur wenige Patienten nach Aufhören des Zigarettenrauchens,
bei den meisten ist eine längere, anfangs höherdosierte Behandlung mit Kortikosteroiden
erforderlich. Darunter bildet sich das Milchglasmuster im HR-CT partiell oder vollständig
zurück, nur selten kommt es zur Progression des Milchglasmusters in eine retikuläre
Fibrose [15].
Tab. 4Klinische Diagnosekriterien für IPF ohne Vorliegen einer chirurgischen Lungenbiopsie.
Alle 4 Hauptkriterien und 3 der 4 Nebenkriterien müssen erfüllt sein. ATS/ERS Statement
[6]
|
Hauptkriterien
|
| - Ausschluss bekannter Ursachen einer interstitiellenLungenerkrankung |
| - pathologische Lungenfunktion mit Restriktion undGasaustauschstörung |
| - beidseits basale retikuläre Verdichtung mit minimalemMilchglasmuster im HR-CT |
| - transbronchiale Lungenbiopsie oder BAL ohne Hinweis auf andereDiagnose |
|
Nebenkriterien
|
| - Alter über 50 Jahre |
| - allmählich eintretende Atemnot bei Belastung, für die sich keineandere Erklärung
findet |
| - Erkrankungsdauer über 3 Monate |
| - beidseits basal inspiratorisches Knistern |
Tab. 5Klinische Unterschiede der idiopathischen interstitiellen Pneumonien. Modifiziert
nach Katzenstein und Myers [2]
|
IPF |
DIP |
RB-ILD |
AIP |
BOOP |
NSIP |
| Alter (Jahre) |
65 |
40 |
35 |
50 |
55 |
50 |
| Vorkommen bei Kindern |
nein |
selten |
nein |
selten |
nein |
ja |
| Verlauf |
chronisch |
chronisch |
chronisch |
akut |
akut/subakut |
subakut/chronisch |
| Trommelschlägelfinger |
häufig |
häufig |
nein |
nein |
nein |
selten |
| Fieber |
selten |
nein |
nein |
50 % |
70 % |
30 % |
| Mortalität |
70 % |
27 % |
0 % |
80 % |
13 % |
11 % |
| mittlere Überlebenszeit |
2,8 J |
12 J |
nicht reduziert |
1,5 Mon |
> 10 J |
13,5 J |
| Ansprechen auf Steroide |
schlecht |
gut |
gut |
schlecht |
gut |
gut |
Respiratorische Bronchiolitis mit interstitieller Lungenerkrankung (RB-ILD)
Respiratorische Bronchiolitis mit interstitieller Lungenerkrankung (RB-ILD)
Die respiratorische Bronchiolitis (ohne interstitielle Lungenerkrankung) ist eine
häufige Rauchererkrankung, die meist asymptomatisch bleibt. In seltenen Fällen kommt
es zur Manifestation einer interstitiellen Lungenerkrankung mit dazu passenden Symptomen,
Lungenfunktionsstörung und Röntgen-Thorax-/CT-Veränderungen, diese wird als RB-ILD
bezeichnet [16].
Im Gegensatz zur DIP füllen die pigmentierten Rauchermakrophagen bei der RB-ILD nicht
diffus die Alveolarräume, sondern die Anordnung ist herdförmig und bronchiolozentrisch.
Zusätzlich findet sich eine herdförmige submuköse und peribronchioläre Infiltration
aus Lymphozyten und Histiozyten mit mäßiger peribronchialer Fibrosierung der benachbarten
Alveolarsepten [17].
Betroffen sind ausschließlich jüngere Zigarettenraucher (Durchschnittsalter 36 Jahre),
Männer erkranken doppelt so häufig wie Frauen. Basales Knisterrasseln findet sich
nur bei einem Drittel, Uhrglasnägel und Trommelschlägelfinger fehlen fast immer. In
der Lungenfunktion findet sich eine leichte Erniedrigung der Vitalkapazität und eine
mäßige reversible Obstruktion, die Totalkapazität ist meist normal [17]
[18]. Die RB-ILD gehört also zu den interstitiellen Lungenerkrankungen mit obstruktiver
Ventilationsstörung oder mit nur leichter Restriktion. In der BAL sind im Gegensatz
zur idiopathischen Lungenfibrose und zur DIP die Granulozyten kaum vermehrt.
Das Röntgen-Thorax-Bild zeigt in 3/4 der Fälle diskrete retikulonoduläre Veränderungen, ggf. auch diskrete milchglasartige
Verschattungen, es kann jedoch auch normal sein [19]. Im HR-CT finden sich herdförmige milchglasartige Verdichtungen, die im Gegensatz
zur DIP diffus verteilt sind, nicht die Bevorzugung der Unterlappen und der Lungenperipherie
aufweisen (Abb. [3]). Zusätzlich finden sich Veränderungen, die bei DIP in der Regel fehlen, wie verdickte
Bronchialwände, zentrilobuläre Knötchen und fleckförmige Verdichtungen mit verminderter
Dichte (so genannte Mosaikperfusion als Hinweis auf „air trapping”) (Abb. [4]) [20]. Differenzialdiagnostisch muss bei diesen CT-Veränderungen vor allem die exogen
allergische Alveolitis und die NSIP ins Kalkül gezogen werden.
Die Prognose ist in jedem Fall günstig, Todesfälle wurden bislang nicht berichtet.
Nach Aufhören des Zigarettenrauchens, bei Fortsetzung des Zigarettenrauchens auch
unterstützt durch Kortikosteroidtherapie, kommt es in der Regel zur Besserung.
Akute interstitielle Pneumonie (AIP)
Akute interstitielle Pneumonie (AIP)
Die AIP weist als histopathologisches Substrat die verschiedenen Phasen (exsudativ,
proliferativ oder fibrotisch) des diffusen Alveolarschadens (DAD) auf, nicht unterscheidbar
von den histologischen Veränderungen bei ARDS, ausgelöst beispielsweise durch Sepsis
oder Schock. Diese akute fulminante Form der idiopathischen interstitiellen Pneumonien
(früheres Hamman-Rich-Syndrom) verläuft innerhalb weniger Monate letal [21]. Histologisch sind folgende Merkmale charakteristisch: diffuse Verteilung und zeitlich
uniformes Erscheinungsbild der Veränderungen, eine diffuse Verdickung der Alveolarsepten
durch Fibroblasten und wenig lockeres Bindegewebe, intraalveolär kann neben den charakteristischen
hyalinen Membranen Organisationsgewebe auftreten [2]
[21].
Klinisch müssen alle Ursachen, die zum ARDS führen können, ausgeschlossen werden.
Das histologische Muster der DAD kann auch bei Kollagenosen oder als Medikamentenschädigung
auftreten. Definitionsgemäß sollte dann nicht mehr die Bezeichnung AIP benutzt werden,
da dieser Begriff der idiopathischen Form vorbehalten ist. Die Patienten sind im Mittel
50 Jahre alt, Männer und Frauen gleich häufig betroffen. Alle haben rasch zunehmende
Atemnot und Husten, die Hälfte auch Fieber. Trommelschlägelfinger und Uhrglasnägel
fehlen [2]
[22].
Radiologisch finden sich diffuse bilaterale alveoläre Infiltrate mit Luftbronchogrammen
bei allen Patienten. Die Verteilung ist oft fleckig mit Aussparung der kostophrenischen
Winkel. Im CT-Thorax finden sich am häufigsten milchglasartige Verdichtungen, erweiterte
Bronchien und weniger stark ausgeprägt auch alveoläre Konsolidierungen. Die Anordnung
ist fleckig und symmetrisch. Die Konsolidierungsbezirke sind, wie bei ARDS, lageabhängig
bevorzugt in den unteren Lungenanteilen lokalisiert [23]
[24].
Diagnostisch handelt es sich also um ein klinisches Syndrom (sog. idiopathisches ARDS)
mit histologischem Nachweis eines diffusen Alveolarschadens (DAD) unter Ausschluss
einer akuten eosinophilen Pneumonie oder infektiöser Ursachen, beispielsweise durch
die BAL.
Idiopathische Bronchiolitis obliterans mit organisierender Pneumonie (idiopathische
BOOP)
Idiopathische Bronchiolitis obliterans mit organisierender Pneumonie (idiopathische
BOOP)
Während sich im deutschen Sprachgebrauch der Begriff BOOP durchgesetzt hat, wird neuerdings
international der Terminus kryptogen-organisierende Pneumonie (COP) für diese idiopathische
klinisch-pathologische Entität bevorzugt [11], da dadurch eine Verwechslung mit der Bronchiolitis obliterans (ohne organisierende
Pneumonie) vermieden wird, und da das vorherrschende histopathologische Substrat die
Organisationsgewebspfröpfe in den Alveolen sind, die regelmäßig beobachtet werden
(im deutschen Schrifttum auch als karnifizierende Pneumonie bezeichnet), während die
von den Bronchiolen ausgehenden Bindegewebsproliferate (im Sinne der Bronchiolitis
obliterans) nicht regelmäßig in der Histologie angetroffen werden. Bevor die Diagnose
der idiopathischen BOOP gestellt werden kann, müssen zahlreiche mit BOOP assoziierte
Erkrankungen ausgeschlossen werden (Kollagenosen, medikamentös induzierte Reaktionen,
Inhalationsschäden, organisierende Infektionen etc.) [25].
Die Erkrankung ist klinisch durch einen grippeartigen, akuten Beginn charakterisiert,
häufig sind antibiotische Therapieversuche erfolglos verlaufen, die charakteristischen
fleckigen alveolären Konsolidierungen, bilateral und peripher angeordnet, darunter
nicht verschwunden [26]. Auskultatorisch ist beidseits basales Knisterrasseln charakteristisch, in der Lungenfunktion
findet sich eine Restriktion und Diffusionsstörung [25]
[27]. In der BAL herrschen meist Lymphozytenvermehrungen auf 40 % und höher vor, verbunden
mit einem erniedrigten CD4/CD8-Quotienten, daneben sind häufig auch Neutrophile, Eosinophile
und Mastzellen vermehrt [28]. Die Prognose ist in den meisten Fällen günstig mit Ansprechen auf orale Kortikosteroidtherapie
[27]
[29]. Nach einjähriger Behandlungsdauer kommt es dennoch in 10 - 15 % zu Rezidiven, auch
multiple Rezidive sind im Verlauf möglich [29].
Idiopathische nicht spezifische interstitielle Pneumonie
Idiopathische nicht spezifische interstitielle Pneumonie
Der Terminus NSIP wurde 1994 von Katzenstein eingeführt [30]. In der ursprünglichen Arbeit waren 40 % der Fälle nicht idiopathisch, sondern hatten
Kollagenosen, medikamentös induzierte Reaktionen oder eine Exposition im Sinne einer
exogen allergischen Alveolitis als zugrunde liegende Ursache. Die idiopathische Variante
der NSIP sollte als klinisch-pathologische Entität von der idiopathischen Lungenfibrose
abgegrenzt werden, da die Prognose deutlich günstiger ist [3]
[4] (Abb. [5]). Die klinischen und radiologischen Besonderheiten sind bislang allerding noch nicht
ausreichend definiert. Hier werden wohl in den nächsten Jahren Fortschritte zu erwarten
sein, die möglicherweise auch die NSIP in typischen Fällen ohne chirurgische Biopsie
ausreichend sicher zu diagnostizieren erlauben.
Nach bisher vorliegenden Erkenntnissen ist das mittlere Lebensalter zum Zeitpunkt
der Diagnose mit 50 Jahren deutlich niedriger als bei idiopathischer Lungenfibrose
[2]
[11]. Die Krankheit kann sich subakut (Krankheitsbeginn innerhalb von Wochen) oder chronisch
(ähnlich der IPF) entwickeln. Fieber kann vorkommen (in etwa 30 %), Trommelschlägelfinger
sind selten (weniger als 10 %), Knisterrasseln findet sich wie bei der idiopathischen
Lungenfibrose. Im Gegensatz zur idiopathischen Lungenfibrose (UIP) kommen in der BAL
häufiger Lymphozytosen [5]
[31] vor.
Im Röntgen-Thorax-Bild finden sich fleckige alveoläre Infiltrate, neben interstitiellen
retikulären Verschattungen. Die Verteilung ist in der Regel diffus ohne Bevorzugung
der Unterfelder. Im CT sind die Befunde heterogener als bei allen anderen idiopathischen
interstitiellen Pneumonien. Am häufigsten noch treten Milchglasverschattungen auf,
bei der Hälfte der Fälle auch retikuläre Veränderungen, in wechselndem Ausmaß auch
alveoläre Konsolidierungen, die meist bilateral, subpleural und basal angeordnet sind
und innerhalb von Milchglasarealen lokalisiert sind [5]
[31]
[32]
[33]. Honigwabenbildung ist deutlich seltener als bei UIP. Wie das histologische Bild
ist auch das CT-Bild der NSIP „non-specific”. Eine kürzlich publizierte Arbeit untersuchte
den diagnostischen Wert des HR-CT bei 129 Patienten mit histologisch gesicherter idiopathischer
interstitieller Pneumonie [34]. Zwei unabhängige Beobachter gelangten zu einer korrekten „first choice”-Diagnose
in über 70 % der Fälle von UIP und idiopathischer BOOP, in über 60 % von DIP und AIP,
jedoch nur in 9 % der Fälle mit NSIP. Am häufigsten wurde NSIP mit DIP, weniger häufig
mit BOOP und UIP verwechselt.
Das wichtigste histologische Kriterium für NSIP ist das homogene Bild von entweder
Entzündung oder Fibrose in den Alveolarsepten, im Gegensatz zur Heterogenität vor
allem bei der UIP [35]. Das Erscheinungsbild ist zeitlich gesehen uniform, der Prozess kann jedoch durchaus
fleckförmig sein mit Anteilen normalen Lungengewebes. Selten findet sich mikroskopisch
Honeycombing. Die „fibroblast foci” fehlen oder sind nur sehr spärlich vorhanden.
Ein BOOP-Muster kann gelegentlich zusätzlich auftreten, tritt jedoch in den Hintergrund
vor den übrigen Veränderungen.
Zusammenfassung und Schlussfolgerungen
Zusammenfassung und Schlussfolgerungen
-
Nach der neuen Klassifikation wird die IPF unter Verwendung positiver Diagnosekriterien
enger definiert. Jede IPF hat als histopathologisches Substrat ausschließlich die
UIP. Andererseits ist nicht jede UIP eine IPF (beispielsweise UIP bei Kollagenosen,
medikamentös induzierten Reaktionen, Asbestose). Die frühesten histopathologischen
Veränderungen der UIP sind kleine Fibroblastenherde („fibroblast foci”), welche wohl
den Stellen entsprechen, an denen eine aktive Kollagensynthese stattfindet. Die entzündlichen
Veränderungen sind vermutlich sekundärer Natur. Dies stellt die ältere Hypothese des
pathogenetischen Ablaufs auf den Kopf: Bislang herrschte die Vorstellung vor, dass
sich aus einer initialen Alveolitis (= Infiltration aus Entzündungszellen) die Fibrose
entwickelt.
-
Aus dem neuen pathogenetischen Konzept ergibt sich das therapeutische Dilemma: Mit
immunsuppressiver Therapie sind nur die sekundären entzündlichen Läsionen zu beeinflussen,
für die Hemmung der Fibroblastenaktivität, des Primärereignisses, stehen noch keine
wirksamen Medikamente zur Verfügung. Bei allen anderen Formen der idiopathischen interstitiellen
Pneumonie finden sich diese „fibroblast foci” nicht oder nur selten. Dies korreliert
mit der günstigeren Prognose der meisten anderen Entitäten (Ausnahme AIP).
-
Frühere Dogmen über die IPF müssen als überholt angesehen werden: Eine zellreiche
Biopsie bedeutet nicht eine bessere Prognose (diese Formen sind heute wahrscheinlich
DIP- oder NSIP-Fälle). Ein jüngeres Lebensalter ist ebenfalls nicht mehr mit einer
besseren Prognose assoziiert (heute ebenfalls vermutlich DIP- oder NSIP-Fälle). Die
DIP stellt nicht, wie früher angenommen, die Frühform der IPF dar. Sie ist eine eigenständige
Krankheitsentität. Für die IPF sollte der Begriff Hamman-Rich-Syndrom nicht mehr synonym
gebraucht werden, wie teilweise noch in Lehrbüchern zu lesen ist. Das Hamman-Rich-Syndrom
wird heute mit dem Begriff AIP belegt und ebenfalls als eigenständige Krankheitsentität
aufgefasst.
-
Das HR-CT der Lungen ist zum integralen Bestandteil der Differenzialdiagnostik bei
Patienten mit idiopathischer interstitieller Pneumonie geworden. Auf eine gute, hochauflösende
Technik ist unbedingt zu achten, ansonsten sind die Aussagemöglichkeiten des CT leider
begrenzt. Auch ein Spiral-CT ohne HR-Dünnschichten ist bei dieser Fragestellung nicht
optimal. Hier wird noch zu häufig gesündigt. Bei den typischen Befunden einer UIP
im HR-CT kann im Zusammenhang mit charakteristischer Klinik nach Ausschluss anderer
Ursachen einer UIP die Diagnose der IPF auch ohne offene Lungenbiopsie ausreichend
sicher gestellt werden. Ein weiterer Vorteil des HR-CT ist die Möglichkeit, auch andere
pathologische Veränderungen des Lungenparenchyms nicht selten spezifisch zu erfassen,
beispielsweise Sarkoidose, Histiozytosis X, Lymphangioleiomyomatose oder Alveolarproteinose,
so dass nach HR-CT-Befund dann bei einer Bestätigung durch die BAL ebenfalls auf eine
chirurgische Lungenbiopsie verzichtet werden kann.
-
Angesichts der unterschiedlichen Prognose und unterschiedlicher Dauer und Intensität
der immunsuppressiven Therapie ist es heute nicht mehr gerechtfertigt, bei diffusen
Lungenparenchymerkrankungen vor einer genauen diagnostischen Zuordnung mit einer probatorischen
Kortikosteroidtherapie zu beginnen, und erst später im Verlauf, nach Fehlschlagen
dieser Therapie, eine erweiterte Diagnostik zu veranlassen. Vor jeder Therapie einer
diffusen Lungenparenchymerkrankung unklarer Genese sollte eine Einordnung in eine
der heute unterscheidbaren Subgruppen der idiopathischen interstiellen Pneumonien
erfolgen.
Danksagung
Danksagung
Für die stets hervorragende Zusammenarbeit in der CT-Diagnostik interstitieller Lungenerkrankungen
danke ich den Radiologen Dr. M. Beume/Dr. R. Knollmann in Velbert sehr.
Abb. 1HR-CT bei idiopathischer Lungenfibrose mit histologischem Nachweis einer UIP: charakteristische
periphere subpleurale und basale Verteilung und retikuläres Verschattungsmuster, teils
mit Honigwabenbildung, sowie Traktionsbronchiektasen vor allem im linken posterioren
Unterlappen, neben gering ausgeprägten milchglasartigen Verdichtungen.
Abb. 2CT-Thorax bei desquamativer interstitieller Pneumonie (DIP) mit peripherem überwiegend
milchglasartigem, gering auch retikulärem Verschattungsmuster, in ähnlicher Verteilung
wie bei IPF, jedoch ohne Traktionsbronchiektasen und ohne Honigwabenbildung.
Abb. 3HR-CT bei RB-ILD. Herdförmig Milchglasverdichtungen und zentrilobuläre Knötchen.
Abb. 4HR-CT bei RB-ILD. Die Aufnahme in Inspiration (a) zeigt nur diskrete zentrilobuläre Knötchen im 6er-Segment rechts. Die Aufnahme in
Exspiration (b) zeigt eine generelle Dichtezunahme bei Abnahme des Luftgehaltes, der rechts zentral
herdförmig ausbleibt. Diese Aufhellungen entsprechen der sogenannten Mosaikperfusion,
weisen auf „airtrapping” und Bronchiolitis hin.
Abb. 5Röntgen-Thorax-Verlauf einer Patientin mit idiopathischer NSIP, der exemplarisch die
günstige Prognose verdeutlichen soll. Zum Zeitpunkt der Diagnosestellung (a) beidseitige fleckig-alveoläre, teils auch retikuläre Infiltrate mit hochstehenden
Zwerchfellen als Hinweis auf Schrumpfung beider Lungen. Nach 2-jähriger Prednisontherapie
(b) vollständige Rückbildung der Infiltrate und der Schrumpfung.