Das Auftreten eines Aszites markiert bei einem Zirrhosepatienten ein fortgeschrittenes
Krankheitsstadium mit deutlich erhöhter Mortalität (50 % in fünf Jahren) und der Notwendigkeit
einer spezifischen Therapie. Lediglich bei einigen wenigen Patienten mit alkoholischer
Fettleber kann die Abstinenz ausreichen, um die portale Hypertonie zurückzubilden
und über eine Verbesserung der Leberfunktion eine dauerhafte Aszitesfreiheit zu erreichen.
Meist ist der weitere Krankheitsverlauf progredient. Hierbei können drei Krankheitsstadien
unterschieden werden.
Dazu zählt zum einen das weitgehend asymptomatische Stadium der hyperdynamen Kreislaufdysregulation.
Diese ist durch eine splanchnische und periphere Vasodilatation bedingt, die einen
relativen intravasalen Volumenmangel auslöst. Dies aktiviert das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System
(RAAS) und das sympathische System.
Im Stadium der Aszitesmanifestation ist die Wasserbilanz im Splanchnikusgebiet derart
gestört, dass eine Retention in die Bauchhöhle resultiert. Das Lymphdrainagesystem
ist hauptsächlich wegen der um den Faktor 10-20 gesteigerten Wasserfiltration überfordert.
Hauptursache hierbei ist der enorm erhöhte hydrostatische Druck in den Kapillaren
des mesenterialen Strömungsgebietes und den Sinusoiden der Leber. Der reduzierte onkotische
Druck (Folge einer verminderten Albuminsynthese) und die Natriumretention (Folge des
aktivierten RAAS) treiben diesen Prozess zusätzlich voran. Eine kochsalzarme Diät
und die Gabe von Diuretika können diesen Zustand bei der Mehrzahl der Patienten auffangen
und stabilisieren.
Bei etwa 10-20 % der Patienten mit Leberzirrhose entwickelt sich das Krankheitsbild
zum diuretikarefraktären Aszites weiter. Laut Statistik überleben nur 50 % dieser
Patienten ein Jahr (1, 5, 22). Der diuretikarefraktäre Aszites ist durch sein Nichtansprechen
auf eine kochsalzarme Diät (etwa 2 g Natriumchlorid pro Tag) und eine Diuretikatherapie
in der für den individuellen Patienten tolerierbaren Maximaldosierung definiert. Sprechen
die Patienten auf die Therapie unter Krankenhausbedingungen an, neigen sie jedoch
zu Hause rasch zum Rezidiv, liegt ein rezidivierender Aszites vor. Die Unterscheidung
dieser beiden Formen ist hinsichtlich der klinischen Problematik und der Einschränkung
der Lebensqualität von untergeordneter Bedeutung. Allerdings ist die Prognose der
Patienten mit rezidivierendem Aszites besser, da sie häufig über eine relativ gute
Natriumausscheidung verfügen und ein deutlich geringeres Risiko einer Nierenkomplikation
im Sinne des hepatorenalen Syndroms aufweisen.
Am Ende des Krankheitsverlaufes steht der so genannte Spannungsaszites, der durch
die kontinuierliche Zunahme des Bauchwassers zum Handeln zwingt. Dieser Zustand beeinträchtigt
zum einen die Atemfunktion, es tritt aber auch häufig eine große Umbilikalhernie mit
Mazaration und eine Kachexie auf - eine Folge einer reduzierten Nahrungsaufnahme.
Das hepatorenale Syndrom und der Hydrothorax sind weitere direkte Komplikationen des
refraktären Aszites, die mit einer sehr kurzen Überlebenszeit verbunden sind.
Die frühen Krankheitsstadien, die auf eine diätetische und medikamentöse Therapie
ansprechen, sind kein wesentliches therapeutisches Problem. Die vorliegende Arbeit
widmet sich der Therapie des fortgeschrittenen Stadiums des Aszites und seiner Komplikationen.
Therapie des diuretikarefraktären Aszites
Therapie des diuretikarefraktären Aszites
Die therapeutischen Optionen des diuretikarefraktären oder rezidivierenden Aszites
bestehen in der diätetischen und medikamentösen Standardtherapie, der wiederholten
großvolumigen Parazentese, der Anlage eines transjugulären intrahepatischen portosystemischen
Shunts (TIPS), des peritoneo-venösen Shunts und schließlich der Lebertransplantation.
Der peritoneo-venöse Shunt (Denver Shunt, Le Veen Shunt) wird heute wegen seiner hohen
Verschluss- und Komplikationsraten nur noch selten angewandt. Grundsätzlich ist bei
allen Aszitespatienten die Möglichkeit einer Lebertransplantation zu prüfen, sofern
keine klare Kontraindikation vorliegt. Leider ist dies jedoch aus verschiedenen Gründen
(z.B. Alkohol, hohes Alter, schlechter Allgemeinzustand, hepatozelluläres Karzinom)
meist der Fall.
Diätetische und medikamentöse Standardtherapie
Auch wenn die diätetische und medikamentöse Therapie offensichtlich versagt hat und
weitere Therapieschritte (z.B. Parazentese) notwendig sind, werden diese Maßnahmen
im Allgemeinen fortgeführt. Die diätetische Therapie beruht in einer Kochsalzrestriktion
auf etwa 2 g/Tag. Unter dieser Maßgabe können bei kompletter Natriumretention etwa
acht Liter Aszites pro zwei bis drei Wochen reteniert werden (22). Bei Patienten mit
schlechterer diätetischer Compliance kann die Reakkumulation des Aszites rascher verlaufen
und die Parazenteseintervalle können noch kürzer werden. Besteht noch eine Restausscheidung
von Natrium, wird der Aszites dagegen entsprechend langsamer gebildet, und die Frequenz
der Parazentese kann sich erheblich reduzieren.
Die Wasserbilanz selbst, also die aufgenommene bzw. ausgeschiedene Flüssigkeitsmenge,
spielt keine maßgebliche Rolle, da sie weitgehend durch die Natriumbilanz bestimmt
wird. Eine Ausnahme bilden diejenigen Patienten, bei denen eine Hyponatriämie von
unter 130 mval/l vorliegt. Bei ihnen besteht eine erhebliche zusätzliche Wasserretention,
die einer entsprechenden Korrektur durch Trinkmengenbeschränkung auf etwa einen Liter
pro Tag bedarf.
Die Standardmedikation aller Patienten mit Aszites beinhaltet Furosemid (40-120 mg/Tag)
oder Torasemid und Spironolacton (bis 400 mg/Tag). Diese Therapie findet ihre Grenzen
in der Ausbildung einer hepatischen Enzephalopathie, eines hepatorenalen Syndroms
oder einer Elektrolytstörung. Bei einer Serum-Natrium-Konzentration von weniger als
130 mval/l muss die diuretische Therapie um etwa die Hälfte der Dosis reduziert werden,
bei einem Wert von unter 128 mval/l ist sie abzusetzen. Patienten, die primär eine
starke Tendenz zur Hyponatriämie aufweisen, können keine diuretische Therapie erhalten.
Die Diuretika sind den aktuellen Bedingungen ständig anzupassen - daher sind kurzfristige
Kontrollen der Nierenwerte und Elektrolyte notwendig.
Die Dosierung der Diuretika sollte von der Urin-Natriumausscheidung abhängig gemacht
werden. Falls ein Patient trotz Diuretika keine oder lediglich eine minimale Natriumausscheidung
im 24-Stunden-Urin aufweist (weniger als 10 mval), macht es keinen Sinn, die Diuretikatherapie
fortzusetzen. In diesem Fall sind Diuretika wirkungslos und deshalb abzusetzen. Ein
späterer Versuch kann unternommen werden, wobei die Effektivität der Maßnahme durch
die Natriumausscheidung im Urin erneut zu kontrollieren ist.
Parazentese
Die großvolumige Parazentese besteht in der Drainage von vier oder mehr Litern von
Aszites. Dieser kleine Eingriff kann selbst bei eingeschränkter Gerinnung und reduzierten
Thrombozyten ambulant vorgenommen werden. Die Parazentese verbessert die aszitesbedingten
klinischen Symptome (Zwerchfellhochstand, Atemnot) sofort. Da sie jedoch keine kausale
Therapie ist, kommt es in der Regel zum Nachlaufen des Aszites, sodass die Parazentesen
in Intervallen von Wochen bis Monaten wiederholt werden müssen.
Bei der ersten Parazentese und bei einer unerwarteten Zunahme der Aszitesbildung oder
einer Verschlechterung des Allgemeinzustandes ist eine Analyse der Aszitesflüssigkeit
zwingend notwendig, um eine spontan bakterielle oder - in seltenen Fällen - auch sekundär
bakterielle Peritonitis auszuschließen oder nachzuweisen. Die spontan bakterielle
Peritonitis entsteht durch eine bakterielle Translokation vom Darmlumen in die Bauchhöhle.
Daher sind vorwiegend E. coli als Krankheitserreger zu sehen. Die Diagnose beruht
im Wesentlichen auf dem Nachweis von mehr als 400 Leukozyten/ml Aszites oder mehr
als 250 Granulozyten/ml Aszites und/oder dem kulturellen Nachweis des entsprechenden
Erregers. Eine Mischflora lässt entweder auf eine Kontamination oder auf eine sekundär
bakterielle Peritonitis schließen. Die Therapie mit einem Cephalosporin der zweiten
oder dritten Generation ist dann angezeigt.
Das Hauptproblem der Parazentesetherapie liegt in ihrem negativen Effekt auf den systemischen
Kreislauf und die Nierenfunktion. Diese als „postparacentesis circulatory dysfunction”
bezeichnete Komplikation ist Folge einer weiteren Aktivierung vasoaktiver Hormone
(insbesondere Renin und Angiotensin). Sie ist die Antwort auf die durch das Nachlaufen
des Aszites bedingte, zusätzliche Verschlechterung der vaskulären Füllung. Die „postparacentesis
circulatory dysfunction” limitiert den Einsatz der Parazentese insbesondere bei Patienten
mit instabiler Nierenfunktion.
Die Verabreichung von Humanalbumin (etwa 40 g) während oder kurz nach der Parazentese
reduziert das Entstehen der „postparacentesis circulatory dysfunction” von 30 auf
15 %, hat jedoch keinen Einfluss auf die Mortalität (7, 8), was die Notwendigkeit
der Gabe von Albumin infrage stellt (23). Da die Entnahme kleinerer Aszitesvolumina
(weniger als vier Liter) besser toleriert werden kann, kann hier auf die Verabreichung
von Humanalbumin verzichtet werden (7, 8). Läuft der Aszites rasch in die Bauchhöhle
nach, ist die „kleine” Parazentese jedoch kaum praktizierbar, da sie noch häufigere
Arztkontakte erfordert.
Transjugulärer intrahepatischer portosystemischer Shunt
Da der Aszites im Wesentlichen die Folge der portalen Hypertension ist, ist die Dekompression
durch portosystemische Shunts eine nahe liegende Therapieoption. Wie früher bereits
für chirurgische Shunts nachgewiesen, ist auch der transjuguläre intrahepatische portosystemische
Shunt (TIPS) eine effektive Therapieform des Aszites. Hierbei handelt es sich um die
interventionelle Anlage einer Kurzschlussverbindung zwischen einem großen intrahepatischen
Pfortaderast und einer zentralen Lebervene [Abb. 1]. Ein aufdehnbares Metallgitterröhrchen stellt diese Verbindung her. So wird eine
deutliche Reduktion des Pfortaderdruckes von im Durchschnitt 24 auf 10 mmHg erreicht.
Zahlreiche Studien haben in den letzten zehn Jahren gezeigt, dass der TIPS bei etwa
70-80 % der Patienten zu einem Verschwinden bzw. zur Kontrolle des Aszites führt (2,
4, 6, 10, 12, 14, 17, 19, 26). Inzwischen liegen auch die Ergebnisse von fünf randomisierten
Studien vor, die den TIPS mit der Parazentese vergleichen (9, 13, 20, 24, 28). Sie
zeigen ebenfalls ein signifikant besseres Ansprechen der Patienten auf die TIPS-Behandlung.
Auch eine hepatische Enzephalopathie trat nicht signifikant häufiger auf. Es kann
angenommen werden, dass das gute Ansprechen auf die Therapie auch eine Verbesserung
der Lebensqualität bedingt. Entsprechende Hinweise diesbezüglich liegen auch aus früheren
Untersuchungen vor (10).
Hinsichtlich des Überlebens konnte jedoch nur eine Studie einen signifikanten Vorteil
für die TIPS-Patienten im Vergleich zu der Kontrollgruppe mit Parazentese nachweisen
(20). Die Zwei-Jahres-Überlebenswahrscheinlichkeit betrug hier 58 % in der TIPS-Gruppe
und 32 % in der Parazentese-Gruppe. Patienten mit fortgeschrittener Leberinsuffizienz
(Bilirubin unter 5 mg/dl) wurden aus der Studie ausgeschlossen.
Therapie von Komplikationen
Therapie von Komplikationen
Umbilikalhernien
Das Auftreten einer Umbilikalhernie ist bei Patienten mit Spannungsaszites ein häufiges
Ereignis, welches die Überlebenszeit beeinflusst (22). Bei raschem Nachlaufen des
Aszites und längeren Phasen des Spannungsaszites können sich riesige Hernien entwickeln,
die nicht nur ein großes kosmetisches Problem darstellen: Am Scheitel der Hernie kann
die Haut durch die Überdehnung sehr ausdünnen, was zur Infektion, zum Empyem, zum
Gangrän und zur Ruptur führen kann. Dann ist die operative Sanierung unumgänglich.
Dies kann zur Folge haben, dass die postoperativ eingelegte peritoneale Drainage nicht
mehr entfernt werden kann, da sonst ein erneut auftretender Spannungsbauch das Operationsergebnis
gefährden würde. Die einzigen therapeutischen Optionen sind dann der peritoneo-venöse
Shunt oder der TIPS. Letzterer ist derzeit die Methode der Wahl, wenn die Leberfunktion
stabil (Bilirubin unter 3 mg/dl) und eine hepatische Enzephalopathie ausgeschlossen
ist.
Hepatorenales Syndrom
Eine der gefürchtetsten Komplikationen des refraktären Aszites ist das hepatorenale
Syndrom (HRS). Bereits innerhalb eines Jahres entwickeln etwa 20 % der Patienten mit
Aszites eine solche Komplikation - innerhalb von fünf Jahren sind dies sogar 40 %
der Patienten. Ihre durchschnittliche Lebenserwartung ist auf Wochen bis wenige Monate
limitiert (1, 5, 22).
Hierbei ist zwischen einem rasch progredienten (Typ 1) und einem langsam progredienten
hepatorenalen Syndrom (Typ 2) zu unterscheiden. Der Typ 1 ist durch eine Verdoppelung
der Serumkreatininkonzentration oder eine Abnahme der Kreatinin-Clearance um über
50 % auf unter 20 ml/min innerhalb von zwei Wochen definiert. Im individuellen Fall
kommt daher die Frage der Dialysetherapie auf. Beim Typ 2 liegt im Allgemeinen ein
diuretikarefraktärer Aszites vor, dessen therapeutische Möglichkeiten (einschließlich
Parazentese) nun durch die begleitende Niereninsuffizienz limitiert werden.
Die Therapie des hepatorenalen Syndroms stützt sich hauptsächlich auf die Bekämpfung
begleitender oder auslösender Infektionen mit Antibiotika, die Verbesserung der vaskulären
Füllung durch eine Albuminsubstitution und die Verabreichung vasoaktiver Substanzen
wie Terlipressin (27), Midodrine (ein alpha-adrenerger Agonist) plus Octreotid (18)
und Dopamin zur Verbesserung der Nierendurchblutung. Ein neuer Therapieansatz besteht
in der Gabe von N-Monomethyl-L-Arginin, einem Hemmstoff der Stickoxyd-Synthase (11).
Er führt zur Korrektur der Vasodilatation und zu einer verbesserten Nierendurchblutung.
Insbesondere beim hepatorenalen Syndrom vom Typ 2, also dem langsam progredienten
oder stationären Typ des Nierenversagens, der hauptsächlich in Zusammenhang mit dem
therapierefraktären Aszites gesehen wird, scheint der TIPS einen positiven Effekt
zu haben. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass sich im Anschluss an die TIPS-Implantation
die Plasmareninaktivität (-70 %), die Aldosteronkonzentration (-60 %), die Kreatinin-Clearance
und die Natriumausscheidung im Urin deutlich verbessern (2, 4, 6, 10, 12-14, 17, 19,
26).
Aber auch beim Typ 1 des hepatorenalen Syndroms wurde der TIPS erfolgreich eingesetzt.
So wies eine Studie aus Bonn, an der 41 Patienten teilnahmen, ein relativ günstiges
Ergebnis mit einer Ein-Jahres-Überlebenswahrscheinlichkeit nach TIPS von 20 % nach
(3).
Bei Patienten, bei denen eine Lebertransplantation unmittelbar bevorsteht, kann auch
im Falle des nicht beherrschbaren hepatorenalen Syndroms die neue MARS-Methode („molecular
adsorbent recirculating system”) zum Einsatz kommen. Hierbei handelt es sich um eine
noch in der Erprobung befindliche, modifizierte Dialyse, die eine selektive Elimination
von an Albumin gebundenen Molekülen bewirkt (15).
Hepatischer Hydrothorax
Etwa 10 % der Patienten mit therapierefraktärem Aszites entwickeln einen hepatischen
Hydrothorax. Die aszitesbedingte Überdehnung des Zwerchfells verursacht kleine Lecks,
wodurch Aszites in die Pleurahöhle gelangen kann. Hierbei ist in überwiegendem Maße
die rechte Seite betroffen. Ein szintigrafischer Nachweis der Migration von markiertem
Albumin von der Bauch- in die Pleurahöhle kann die Diagnose verifizieren. Aufgrund
der hohen Aszitesproduktion von bis zu einem Liter pro Tag und dem relativ kleinen
Fassungsvermögen des Pleuraraumes sind die Patienten meist auf eine Dauerdrainage
angewiesen. Hieraus kann eine Dauerhospitalisation resultieren, die Prognose ist infaust
(21).
Sind die medikamentösen Möglichkeiten der Aszitestherapie ausgeschöpft und ist die
Dauerdrainage des Pleuraraumes notwendig geworden, kommen verschiedene Therapiemodalitäten
in Betracht (21). Hierzu gehören der chirurgische Verschluss des Zwerchfelllecks,
der peritoneo-venöse Shunt, der TIPS und die Lebertransplantation. Letztere ist sicherlich
die Ausnahme, da sich die Patienten meist in einem Zustand befinden, der eine Transplantation
ausschließt. Die Erfahrungen mit dem TIPS sind überwiegend positiv. Die Ansprechraten
waren ähnlich wie jene der Aszitespatienten und betrugen im Durchschnitt 70 %. Hinsichtlich
des Überlebens war ebenfalls eine sehr zufrieden stellende Ein-Jahres-Überlebensrate
von 50 % erreicht worden (25).
Stufentherapie
Stufentherapie
[Tabelle 1] fasst das diagnostische und therapeutische Vorgehen in den verschiedenen Stadien
der Aszitesentwicklung und seiner Komplikationen zusammen. Beim erstmaligen Nichtansprechen
eines Aszites auf die maximal mögliche diätetische und medikamentöse Therapie ist
zunächst die großlumige Parazentese indiziert. Zugleich muss eine spontan bakterielle
Peritonitis ausgeschlossen werden, da sie der Grund sein kann, warum ein Patient nicht
auf die Therapie anspricht. Gegebenenfalls erfolgt eine Antibiotikabehandlung. Die
diätetische und diuretische Therapie wird fortgesetzt, sofern noch eine nennenswerte
Natriumausscheidung im Urin nachzuweisen ist. Falls die Natriumausscheidung im Urin
unter 10 mval/24 Stunden beträgt, macht es keinen Sinn, die Diuretikabehandlung fortzusetzen.
Spätestens zu diesem Zeitpunkt ist auch zu diskutieren, ob eine Lebertransplantation
indiziert ist.
Bei erneuter Entwicklung eines Spannungsaszites muss zuerst die Therapietreue der
Patienten überprüft werden. Hierzu dient auch die nochmalige Kontrolle der Natriumausscheidung
im Urin. Ist diese hoch (z.B. über 60 mval/24 Stunden), spricht dies für eine schlechte
Compliance und hohe Natriumzufuhr. Ist die Natriumausscheidung dagegen sehr niedrig
(weniger als 10 mval/24 Stunden) kann man annehmen, dass ein ernsthaftes Langzeitproblem
vorliegt. Solange der Patient die Behandlung toleriert, werden weitere großlumige
Parazentesen durchgeführt. Hierbei ist insbesondere die Nierenfunktion zu kontrollieren.
Alternativ zur Parazentesetherapie kann jetzt die Implantation eines TIPS diskutiert
werden - insbesondere bei guter Leberfunktion (mit Bilirubin unter 3 mg/dl).
Besteht eine große Umbilikalhernie, ein hepatorenales Syndrom oder ein Hydrothorax,
ist die frühzeitige TIPS-Implantation indiziert - falls keine gravierenden Kontraindikationen
vorliegen (Bilirubin über 5 mg/dl, manifeste hepatische Enzephalopathie).
In [Abbildung 2] sind nochmals die Entscheidungswege zwischen Transplantation, Parazentese und TIPS
hervorgehoben. Bei unproblematischem Verlauf des diuretikarefraktären Aszites wird
die Parazentese fortgesetzt. Beeinträchtigt eine hohe Frequenz der Parazentesen (z.B.
alle vier Wochen oder häufiger) die Lebensqualität stark oder kommen andere Komplikationen
hinzu (Hernien, Niereninsuffizienz, Hydrothorax), ist der Zeitpunkt für eine TIPS-Implantation
gekommen. Bei optimaler Selektion der Patienten, die insbesondere auch die Leberfunktion
zu berücksichtigen hat (Bilirubin weniger als 3 mg/dl, keine Enzephalopathie), können
eine Verbesserung der Lebensqualität und eventuell eine Lebensverlängerung erzielt
werden. Die Transplantation jedoch hat stets Vorrang, falls der Patient hierfür noch
in Frage kommt.
Abb. 1 Der Shunt - einmal in der Angiografie (a) und einmal in der Duplexsonografie (b)
dargestellt - ist eine Kurzschlussverbindung zwischen einem Pfortaderast und einer
Lebervene. Formal handelt es sich um einen portocavalen Seit-zu-Seit-Shunt
Abb. 2 Nach einer initialen Beobachtungsphase über etwa sechs Monate - während der die diätetische
und medikamentöse Einstellung optimiert werden -, wird der weitere Verlauf bestimmt.
Im Falle eines „unkomplizierten” Verlaufes und selten notwendigen Parazentesen können
diese fortgeführt werden. Bei hoch frequentem Parazentesebedarf und/oder Vorliegen
eines komplizierten Verlaufs des therapierefraktären Aszites (Umbilikalhernie, hepatorenales
Syndrom, Hydrothorax) ist die TIPS-Implantation einer weiteren Parazentesebehandlung
wahrscheinlich vorzuziehen, falls keine gravierenden Ausschlusskriterien vorliegen
Tab. 1 Diagnose und Therapie der verschiedenen Aszitesstadien
|
klinische Situation
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diagnostische Maßnahmen
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therapeutische Maßnahmen
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Aszites-Erstmanifestation |
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Natriumrestriktion, Spironolakton und Furosemid (alternativ Torasemid) nach Bedarf
-
regelmäßige Gewichtskontrolle
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Spannungsaszites (Erstmanifestation) |
-
diagnostische Parazentese zum Ausschluss einer spontan bakteriellen Peritonitis
-
Überprüfung der Compliance (Natriumaufnahme, Diuretikaeinnahme?)
-
Natrium- und Kaliumausscheidung im 24-Stunden-Urin
|
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rezidivierender Spannungsaszites ± Umbilikalhernie |
-
Überprüfung der Compliance
-
Natrium- und Kaliumausscheidung im 24-Stunden-Urin
-
Kontrolle der Nierenwerte
-
Evaluation einer eventuellen hepatischen Enzephalopathie
|
-
Parazentesen fortsetzen, eventuell unter Substitution von Albumin (40 g)
-
TIPS-Indikation prüfen
-
Diuretikatherapie mittels Natrium-Urinausscheidung validieren
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hepatorenales Syndrom Typ 2 |
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hepatorenales Syndrom Typ 1 |
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medikamentöse Therapie
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eventuell MARS/Dialyse, falls Reversibilität des Leberversagens möglich ist
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in Ausnahmefällen (stabile Leberfunktion): TIPS-Implantation
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hepatischer Hydrothorax |
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