Definition
Unter obstruktiver Schlafapnoe/-hypopnoe wird ein periodisches Sistieren (Apnoe) oder eine periodische Reduktion (Hypopnoe)
der Atmung bedingt durch eine komplette oder inkomplette Okklusion der oberen
Atemwege im Schlaf mit daraus resultierender Weckreaktion (Arousal) bei fortbestehender
Aktivität der Atmungsmuskulatur verstanden (Abb . [1 ]). Ein obstruktives Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) liegt dann vor, wenn aufgrund der schlafbezogenen Atmungsstörung Folgesymptome
entstehen. Als Leitsymptome des OSAS finden sich exzessive Tagesschläfrigkeit,
lautes und unregelmäßiges Schnarchen und Atemstillstände während des Schlafens
[1 ]
[12 ]
[13 ].
Klassifikation schlafbezogener Atmungsstörungen
Schlafstörungen werden nach der „International classification of sleep disorders”
(ICSD) eingeteilt in
Dyssomnien mit Ein- und Durchschlafstörungen (Insomnie) oder Schläfrigkeit am Tage
(Hypersomnie),
Parasomnien , d.h. Störungen, die den Schlafprozess unterbrechen,
Schlafstörungen bei körperlichen und psychiatrischen Erkrankungen und
„vorgeschlagene“ (nicht näher klassifizierte) Schlafstörungen [17 ].
Die schlafbezogenen Atmungsstörungen sind den „intrinsischen Dyssomnien” zuzuordnen.
Hierzu zählen das obstruktive und das zentrale Schlafapnoe-Syndrom. Es finden
sich Übergänge und Mischbilder zum primären Schnarchen, das formal zu den
Parasomnien zählt, zur chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (Overlap-Syndrom)
und zum Asthma bronchiale. Schlafbezogene Atmungsstörungen werden in Störungen
mit und Störungen ohne Obstruktion der oberen Atemwege unterschiedlichen Schweregrades eingeteilt [2 ]. In die Gruppe mit pharyngealer Obstruktion fällt das „Upper-Airway-Resistance-Syndrom“,
das zu einer crescendoartigen Erhöhung des Strömungswiderstandes in den oberen
Atemwegen mit terminierendem Arousal führt. Weiterhin zählen hierzu habituelles
und obstruktives Schnarchen sowie das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom. Die Gruppe
ohne Obstruktion beinhaltet Krankheitsbilder mit Hypoventilation und mit zentraler
Apnoe. Eine Sonderform der zentralen Apnoe ist die Cheyne-Stokes-Atmung bei schwerer
Linksherzinsuffizienz.
Abb. 1 Dargestellt sind Atemfluss, gemessen am Thermistor, und Thoraxexkursionen als
Ausdruck der Atemanstrengung bei verschiedenen Hypopnoe- und Apnoetypen.
kurzgefasst: Beim obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom kommt es durch eine komplette oder inkomplette
Okklusion der oberen Atemwege im Schlaf zu Weckreaktionen (Arousal) und Sauerstoffentsättigungen
des Blutes. Leitsymptome sind exzessive Tagesschläfrigkeit, lautes und unregelmäßiges
Schnarchen und Atemstillstände im Schlaf.
Epidemiologie
Atemstillstände (Apnoen) oder verringertes Atemzugvolumen (Hypopnoen) finden sich
häufig bei Erwachsenen während des Schlafes. Deshalb wird die obstruktive Schlafapnoe
quantitativ , d. h. über den so genannten Apnoe-/Hypopnoe-Index (AHI = die Anzahl der
Episoden mit respiratorischen Ereignissen (Apnoe, Hypopnoe) pro Stunde Schlaf
> 5) in Verbindung mit starker Tagesmüdigkeit, definiert. Legt man beide Kriterien
zu Grunde, so besteht bei 4 % der Männer und 2 % der Frauen im Alter zwischen
30 und 60 Jahren ein klinisch relevantes OSAS. Ein viel größerer Anteil der Bevölkerung
leidet nur unter einem dieser Symptome. 16 % der Männer und 22 % der Frauen
geben Tagesmüdigkeit an, 24 % der Männer und 9 % der Frauen weisen einen AHI >
5/h auf [37 ]. Neuere Untersuchungen belegen, dass fast 10mal so viele Menschen der angesprochenen
Altersklasse unter Schnarchen in Verbindung mit Tagesmüdigkeit leiden [40 ]. Die Häufigkeit der obstruktiven Schlafapnoe steigt mit zunehmendem Alter und
zunehmendem Körpergewicht (BMI) an. Viele epidemiologische Daten deuten darauf
hin, dass ein OSAS möglicherweise einen eigenständigen kardio- und zerebrovaskulären
Risikofaktor darstellt [11 ].
kurzgefasst: Ein OSAS liegt bei einem Apnoe-/Hypopnoe-Index > 5 pro Stunde Schlaf in Verbindung
mit starker Tagesmüdigkeit vor. 4 % der Männer und 2 % der Frauen im mittleren
Lebensalter sind betroffen.
Pathophysiologie
Beim OSAS kommt es insbesondere durch den inspiratorisch im Pharynx entstehenden
Unterdruck zu einem Verschluss der oberen Atemwege, wenn ein kritischer negativer
Druck unterschritten wird. Die Höhe dieses Druckes ist abhängig von anatomischen
Besonderheiten, dem Körpergewicht, dem Muskeltonus, der Körperlage und dem Schlafstadium.
Als unmittelbare Folge der Obstruktion treten Blutgasveränderungen (Hypoxämie,
seltener auch Hyperkapnie) und intrathorakale Druckschwankungen auf. Diese rufen
eine Weckreaktion (Arousal) hervor, die Schlafstruktur und Schlafqualität
stört. Die beschriebenen Vorgänge ziehen kardio-pulmonale, kardio-vaskuläre, autonom-nervale,
hormonelle und zentralnervöse Veränderungen nach sich. Die Patienten leiden unter
Tagesmüdigkeit sowie einer Einschränkung der Konzentrationsfähigkeit und sind
in ihrer Lebensqualität eingeschränkt [7 ].
Folgen des obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms
Gesteigertes Mortalitätsrisiko
Mehrere größere Studien haben die Mortalität bei schlafbezogenen Atmungsstörungen
untersucht [36 ]. Multivariate Analysen konnten zeigen, dass Alter, Bluthochdruck und BMI einen
signifikanten Einfluss auf die Mortalität hatten [14 ]. Inwieweit der Apnoe-/Hypopnoe-Index ein unabhängiger Prädiktor für eine erhöhte
Mortalität ist, ließ sich nicht sicher klären. Patienten mit schwerem OSAS haben
jedoch durch die begleitenden Risikofaktoren ein deutlich gesteigertes Mortalitätsrisiko.
Es konnte gezeigt werden, dass eine CPAP (continuous positive airway pressure)-Therapie
dieses Risiko zu senken vermag [23 ].
Bluthochdruck
Patienten mit schlafbezogenen Atmungsstörungen weisen gegenüber einer altersgleichen
Population erhöhte Blutdruckwerte auf. Inwieweit dies Folge eines erhöhten Sympathikotonus
durch die häufigen Weckreaktionen ist oder Ausdruck von Verhaltensweisen und Begleitumständen
wie Rauchen, Alkoholgenuss, Übergewicht oder Compliance bei der Einnahme antihypertensiver
Medikamente, wurde in zahlreichen größeren Studien unterschiedlich beurteilt [21 ]
[22 ] [27 ]
[31 ] [39 ]. Von den „National Institutes of Health” (USA) wird das OSAS seit Mai 2003 als
unabhängiger identifizierbarer Risikofaktor für die Entstehung einer arteriellen
Hypertonie gewertet [26 ].
Koronare Herzkrankheit und linksventrikuläre Hypertrophie
Einige Studien konnten einen Zusammenhang zwischen Apnoe-Index und koronarer Herzkrankheit
zeigen [16 ] [25 ]. Auch hier ist unsicher, inwieweit diese primäre Folge des OSAS oder der zahlreichen
begleitenden Risikofaktoren ist. Die Mehrzahl der vorhandenen Studien fanden keinen
Zusammenhang zwischen Apnoe-/Hypopnoe-Index und linksventrikulärer Hypertrophie.
Pathophysiologisch erscheint der Zusammenhang jedoch glaubhaft. Auch weisen zahlreiche
experimentelle Studien darauf hin, dass ein OSAS einen Risikofaktor für die Entstehung
der Arteriosklerose sein könnte und eine CPAP-Therapie dieses Risiko zu reduzieren
vermag [6 ]
[9 ]
[10 ]
[30 ]
[33 ].
Pulmonale Hypertonie
Patienten mit schlafbezogenen Atmungsstörungen haben in zahlreichen Studien einen
erhöhten pulmonal-arteriellen Druck. Die dort gefundenen Zusammenhänge können
jedoch alle durch Übergewicht, Rauchen und chronisch obstruktive Bronchitis erklärt
werden [19 ]. Trotzdem ist ein pathophysiologischer Zusammenhang wahrscheinlich. Ganz sicher
haben Patienten mit einer Kombination aus OSAS und chronisch obstruktiver Lungenerkrankung
(COPD) ein deutlich erhöhtes pulmonales Hypertonierisiko [5 ]
[7 ].
Schlaganfall
Bei Patienten mit Schlaganfall findet sich häufiger als in der Allgemeinbevölkerung
ein OSAS. Schlaganfallpatienten mit OSAS haben unbehandelt ein deutlich reduziertes
Rehabilitationspotential. Inwieweit ein Schlaganfall Ursache oder Folge der Schlafapnoe
ist, kann durch die Studienlage noch nicht sicher geklärt werden. Jedoch weist
vieles darauf hin, das ein OSAS ein Risikofaktor für die Entwicklung eines Schlaganfalls
sein könnte [3 ]
[35 ].
Unfälle
Viele Studien weisen auf einen Zusammenhang zwischen obstruktiver Schlafapnoe
und Verkehrsunfällen hin [4 ] [15 ]
[24 ] [34 ]
[38 ]. Es wurde gezeigt, dass Patienten mit schlafbezogenen Atmungsstörungen am Fahrsimulator
mehr Fehler machen als die Kontrollgruppe. Die Unfallhäufigkeit wird durch CPAP-Therapie
signifikant gesenkt. Durch Fahrsimulatoren kann das Unfallrisiko abgeschätzt werden
[28 ]
[29 ].
Stimmung, Hirnleistungsfähigkeit und Lebensqualität
Es konnte gezeigt werden, dass ein OSAS die kognitive Leistungsfähigkeit einschränkt.
Die Patienten leiden gehäuft unter depressiver Verstimmung und sind in ihrer Lebensqualität
eingeschränkt. Durch eine CPAP-Therapie sind deutliche Verbesserungen zu erzielen
[8 ].
kurzgefasst: Das OSAS ist mit Übergewicht, Diabetes mellitus Typ 2, arterieller Hypertonie,
koronarer Herzkrankheit, linksventrikulärer Hypertrophie, Schlaganfällen,
Depression, pulmonalem Hochdruck, verminderter Lebensqualität und Verkehrsunfällen
assoziiert. Teilweise konnten Kausalzusammenhänge aufgedeckt werden.
Diagnostik
Beginn jeder Stufendiagnostik schlafbezogener Atmungsstörungen ist die standardisierte
Anamnese (Tab. [1 ]). Es sollte ausdrücklich nach Tagesmüdigkeit, Atemstillständen und Schnarchen
gefragt werden. Nach Risikofaktoren wie Übergewicht, fortgeschrittenem Lebensalter,
Bluthochdruck, Schnarchen sowie Schläfrigkeit sollte gesucht werden. Insbesondere
im anglo-amerikanischen Raum werden Score-Systeme unter Berücksichtigung des Halsumfanges
(> 48 cm) verwendet. Ein Verfahren mit hoher Sensitivität (ca. 98 %), aber niedriger
Spezifität (ca. 50 %) ist die nächtliche Pulsoxymetrie. Ergebnisse einer Pulsoxymetrie
bedürfen deshalb in jedem Fall einer weitergehenden Untersuchung. Hier haben sich
nicht-schlaflaborgebundene Screening-Geräte zur kardio-respiratorischen Analyse
(Polygraphie) etabliert. Diese Geräte erlauben einen Überblick über die nächtliche
kardiorespiratorische Situation ohne eine Schlafstadienanalyse. Im Wesentlichen
können sie Atemfluss, Sauerstoffsättigung, Herzfrequenz, Körperlage und z. T.
auch Atemanstrengung und Auftreten von Schnarchgeräuschen erfassen. In Abhängigkeit
vom erhobenen Befund wird die Indikation zur Polysomnographie gestellt.
Tab. 1 Leitlinie zur Diagnostik und Therapie schlafbezogener Atmungsstörungen beim Erwachsenen
entsprechend dem Stufenschema nach NUB [13 ].
<TD VALIGN="TOP">
Stufe 1
</TD><TD VALIGN="TOP">
Anamnese des Schlaf-/Wachverhaltens, Differenzialanamnese der Dyssomnien ( =
Erkrankungen die zu Schlafstörungen führen). Standardisierte Fragebogen sind
hilfreich. Körperliche Untersuchung.
</TD>
<TD VALIGN="TOP">
Stufe 2
</TD><TD VALIGN="TOP">
Klinische Untersuchung, insbesondere im Hinblick auf Stoffwechselerkrankungen,
Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Ventilationsstörungen, neurologische und psychiatrische
Erkrankungen. Bei Verdacht auf die o. g. Erkrankungen sind zur Risikoabschätzung
ergänzende apparative und laborchemische Untersuchungen sinnvoll (je nach Indikation
Blutgase, Lungenfunktion, Atemmuskelfunktion, EKG, Langzeit-EKG, Langzeitblutdruck,
Ergometrie u. ä., Routinelabor, basaler TSH-Wert, HNO-ärztliche Untersuchung,
Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgische Untersuchung bei Verdacht auf kraniofaziale
Dysmorphie, Bestimmungen von Parametern und funktionelle Analyse im hormonellen
System).
</TD>
<TD VALIGN="TOP">
Stufe 3
</TD><TD VALIGN="TOP">
Ist die Dyssomnie nicht zweifelsfrei durch o. g. Untersuchungen der Stufe 1
und 2 zu klären, sollte ein ambulantes, nächtliches Monitoring zuhause erfolgen.
Bei Tagesschläfrigkeit und eindeutiger Anamnese für schlafbezogene Atmungsstörungen
können polysomnographische Messungen zum Nachweis oder Ausschluss einer SBAS
auch ohne vorherige Stufe 3 erfolgen.
</TD>
<TD VALIGN="TOP">
Stufe 4
</TD><TD VALIGN="TOP">
Zur Differenzialdiagnose von Dyssomnien, insbesondere zur Abgrenzung von primärem
Schnarchen und behandlungsbedürftigen periodischen nächtlichen Beinbewegungen
sind polysomnographische Messungen indiziert, ebenso zur Differenzierung von
anderen Formen von Schlaf-Wach-Störungen (z. B. PLMS, RLS, Narkolepsie)
</TD>
<TD VALIGN="TOP" COLSPAN="2">
SBAS = Schlafbezogene Atemstörungen, PLMS = Periodische Beinbewegungen, RLS
= Restless Legs Syndrom
</TD>
Polysomnographie
Die Polysomnographie ist der Goldstandard für Diagnose und Differenzialdiagnose
schlafbezogener Atmungsstörungen [1 ]. Neben Atemexkursionen, Atemfluss, Sauerstoffsättigung und Herzaktionen (EKG)
werden auch Muskeltonus (EMG), Augenbewegungen (EOG) und ein Elektroenzephalogramm
(EEG) abgeleitet (Abb. [2 ]).
Atemfluss
Der Atemfluss wird über Thermistoren (Wärmefühler) an Mund und Nase gemessen.
Thermistoren erlauben lediglich eine qualitative Bestimmung des Atemflusses.
In letzter Zeit werden vermehrt Drucksensoren verwendet, die eine quantitative
Bestimmung des Atemflusses erlauben. Apnoe ist als ein schlafbezogenes Sistieren des Atemflusses von mehr als 10 s Dauer
definiert. Unter Hypopnoe versteht man eine Reduktion des Atemflusses um mindestens 50 % vom Ausgangswert
mit nachfolgender Sauerstoffentsättigung (Abfall um mindestens 3 %) oder
Weckreaktion (Arousal).
Abb. 2 Dargestellt ist eine Polysomnographieaufzeichnung eines Patienten mit schwerer
obstruktiver Schlafapnoe. In der obersten Zeile findet sich die Schlafstadienverteilung
der gesamten Nacht. In den folgenden Zeilen sind das Elektrooculogramm (LEOG,
REOG), das EEG (C3, C4), das EMG an Bein und Kinn (EMG, LEMG), EKG und
Blutdruck, Atemfluss (FLW), Exkursionen von Bauch- und Brustwand (ABD, THO)
sowie Schnarchgeräusche und Körperlage (Mikro, Lage). In der Zeile SaO2 sind die Entsättigungen, welche der Atemwegsobstruktion folgen, eindrucksvoll
zu erkennen.
Atemanstrengung
Als Maß für die Atemanstrengung werden die Thorax- und Abdominalexkursionen
über ein elastisches Band mit einem Messaufnehmer (z. B. Induktionsplethysmographie)
registriert. Die Messung der Atemanstrengung dient insbesondere der Unterscheidung
von zentralen und obstruktiven Apnoen. Bei letzteren werden frustrane Atembewegungen
registriert. Eine empfindlichere Beurteilung der intrathorakalen Druckschwankungen
ist über einen Ösophagusdruckkatheter möglich. Dieser setzt jedoch eine
hohe Akzeptanz bei den Patienten voraus.
Pulsoxymetrie
Im Schlaflabor haben sich transkutane Messsysteme zur kontinuierlichen Messung
der Sauerstoffsättigung etabliert. Neben der Beurteilung des Ausmaßes der Sauerstoffentsättigungen
kann zwischen kurz dauernden, zyklischen Sauerstoffentsättigungen und länger
dauernden, phasischen Sauerstoffentsättigungen unterschieden werden. Die
zyklischen Sauerstoffentsättigungen sind oftmals Ausdruck kurzer Apnoe- bzw.
Hypopnoe-Phasen. Phasische Entsättigungen weisen auf ein zusätzliches Vorliegen
längerer Hypoventilationsphasen hin oder sind Ausdruck von Ventilations-Perfusions-Verteilungsstörungen,
wie man sie häufig bei chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen (COPD) findet
[32 ]. Eine prognostische Bedeutung hat die Gesamtzeit der nächtlichen Entsättigungen
(t90 in Minuten).
Elektrokardiogramm (EKG), Puls- und Blutdruckmessung
Die Messung von Kreislaufparametern dient der Überwachung des Patienten, der
Erfassung einer Sympathikusaktivierung sowie der Erkennung begleitender kardiovaskulärer
Erkrankungen.
Schlafposition, Bewegung und Geräusche
Die Körperlage des Patienten wird kontinuierlich erfasst. Hierdurch kann die
Lageabhängigkeit insbesondere obstruktiver Apnoen detektiert werden. Schnarchgeräusche
werden über ein Larynxmikrofon aufgezeichnet. Mit Hilfe der Schnarchgeräusche
kann eine weitere Differenzierung der schlafbezogenen Atmungsstörung erfolgen.
Eine Videokamera (meist im Infrarotbereich messend) ermöglicht die Aufzeichnung
von Bewegungen, dient der Verifizierung der Messergebnisse (z. B. bei
periodischen Beinbewegungen), ist hilfreich bei der Schlafstadienanalyse und
dient der neurologischen Differenzialdiagnose (z. B. Erkennung eines Anfallsleidens).
Elektroenzephalogramm (EEG)
Für die Schlafstadienanalyse ist eine EEG-Ableitung erforderlich. Die Platzierung
der Elektroden erfolgt nach dem internationalen 10/20-System auf einer Verbindungslinie
zwischen präaurikulären Punkten. Die EEG-Ableitung erlaubt eine Differenzierung
der Schlafstadien Non-REM 1 - 4 vom REM (rapid eye movement)-Schlaf (so
genannter Traumschlaf).
Elektrooculogramm (EOG)
Die Ableitungen der Augenbewegungen über ein EOG ist erforderlich zur Bestimmung
der Schlafstadien, insbesondere des REM-Schlafes.
Elektromyogramm (EMG)
Die EMG-Registrierung erfolgt einerseits in der Kinnregion (M. mentalis) zur
Bestimmung des basalen Muskeltonus. Hier dient sie der Schlafstadienanalyse.
Eine weitere Ableitung erfolgt von der Vorderkante des Schienenbeins (M. tibialis
anterior) zur differenzialdiagnostischen Erfassung von Beinbewegungen, da auch
diese zu Weckreaktionen führen können und somit Tagesmüdigkeit hervorrufen.
Schweregrad des OSAS
Zur Einschätzung des Schweregrades eines OSAS werden primär Indizes der gestörten
Atmung herangezogen. Mit dem Apnoe-Index (AI) wird die Zahl der Apnoen, mit dem
Apnoe-/Hypopnoe-Index die Zahl der Apo- und Hypopnoe-Episoden in 1 Stunde Schlaf
beschrieben. Der Respiratory Disturbance Index (RDI) bezieht sich auf die Messwerte
der nicht-schlaflabor-gebundenen Screeninggeräte, die keine Schlafstadienanalyse
erlauben. Er beschreibt die Zahl der Atmungsstörungen pro Stunde Registrierzeit.
Neben den Maßen für die Störung der Schlafstruktur existieren Maße für das Ausmaß
der Hypoxie. Zu nennen ist der Grad der Sauerstoffentsättigung bzw. die Anzahl
von Sauerstoffentsättigungen von mehr als 3 % pro Stunde Schlaf bzw. Registrierzeit
und die Gesamtzeit der Entsättigung unter 90 %. Betont werden muss, dass alle
Atmungsindizes alleine genommen unzuverlässig zur Schweregradeinschätzung des
OSAS sind. Grundsätzlich gilt aber die Faustregel, dass bei einem AHI > 40 /h
von einem schwergradigen Befund auszugehen ist, der in der Regel dringend therapiebedürftig
ist. Zur Beurteilung der individuellen Gefährdung und Therapiebedürftigkeit müssen
in der Regel jedoch zusätzlich die subjektiv empfundene Symptomatik (Tagesmüdigkeit),
die Schlafqualität (Schlafeffizienz) sowie kardio- und zerebrovaskuläre Begleiterkrankungen
und sozialmedizinische und berufsanamnestische Aspekte berücksichtigt werden.
Zur Beurteilung der Auswirkungen des OSAS auf den Alltag des Patienten haben sich
psychometrische Tests bewährt (z. B. Schläfrigkeitsskala, Schlafqualitätsfragebogen,
Fahrsimulator, Messung der Einschlaflatenz etc.).
Differenzialdiagnosen
Die Differenzialdiagnose des OSAS umfasst neben Schnarchen und zentraler Schlafapnoe
sämtliche Erkrankungen, die zu verstärkter Tagesmüdigkeit führen. Hierzu zählen
sowohl Dys- wie auch Parasomnien, die Narkolepsie, periodische Beinbewegungen
und das Restless Legs Syndrom [18 ]. Weiterhin sind organische Erkrankungen wie Schilddrüsenfunktionsstörungen,
gastro-ösophageale Refluxerkrankung, Überlappungssyndrome zwischen COPD und
schlafbezogenen Atmungsstörungen, Diabetes mellitus, insbesondere mit Polyneuropathie,
und psychiatrische Erkrankungen abzugrenzen.
kurzgefasst: Goldstandard zur Diagnose des OSAS ist die Polysomnographie. Erst die Zusammenschau
klinischer, respiratorischer, kardiologischer und neurologischer Befunde lässt
eine exakte Diagnose und adäquate Therapie zu.