In einer Depression erleben die betroffenen Patienten Veränderungen ihrer psychophysischen
Befindlichkeit, ihres Selbsterlebens und ihres Selbstwertgefühls, ihrer Beziehung
zur Umwelt und zu sich selbst, sind in ihrer Beurteilung der Wertigkeit ihrer Person,
ihrer Leistungsfähigkeit, ihrer Vergangenheit, ihrer aktuellen Befindlichkeit und
ihrer Zukunftsperspektive eingeengt und bis zur wahnhaften Überzeugung von ihrer Negativität
beeinträchtigt. Implizit ist dabei immer auch eine Zeitdimension, betrachtet man die
Definition der „depressive Episode” nach ICD-10, die für Kernsymptome das Vorhandensein
über mindestens zwei Wochen fordert. Die Zeitdimension ist auch in allen therapeutischen
Betrachtungen immer vorhanden, nicht zuletzt in der Auseinandersetzung mit Kostenträgern/Medizinischem
Dienst der Krankenkassen (MDK), wenn unserem Wissen über eine durchschnittliche Erkrankungsdauer
und Behandlungsbedürftigkeit einer schweren Depression ökonomisch-finanzielle Begrenzungen
auferlegt werden, die deutlich unter den notwendigen Zeitdauern liegen. Nach heutigem
Wissensstand ist bei einer Depression von einer Dauer des akuten Geschehens von vier
bis sechs Monaten auszugehen und von einer Behandlungsbedürftigkeit (Akut- und Erhaltungstherapie/Verschlechterungsprophylaxe)
von acht bis zwölf Monaten. Was aber, wenn die Depression „länger” anhält?
Depression - eine Langzeiterkrankung
Depression - eine Langzeiterkrankung
Klinisch wichtige Gruppen der uni- und bipolaren Depressionen in Anlehnung an ICD-10
sind in [Tabelle 1] zusammengefasst. Dabei verlaufen nach heutigem Wissensstand 75- 85 % aller Depressionen
rezidivierend und ca. 25-30 % aller Depressiven haben so genannte chronische Verläufe,
d.h. lang anhaltende Krankheitsdauern von mindestens zwei Jahren. Innerhalb von sechs
Monaten bessern sich nur 50 % aller depressiv kranken Menschen, innerhalb eines Jahres
zwei Drittel und 10-15 Jahre nach Indexepisode sind 6-7 % der Patienten immer noch
depressiv [1]. Auch von den in der Indexepisode gebesserten Patienten erleiden innerhalb von 15
Jahren 87 % mindestens ein Rezidiv. Rechnet man dazu, dass über alle depressiv kranken
Menschen 4 % und in der Gruppe der schwerst depressiv Kranken in einer Kohorte bis
15 % Lebenszeitsuizidmortalität beobachtbar sind, dann ist die Depression bis heute
eine Erkrankung, die sich eher durch Chronifizierung und Therapieresistenz (bei heutiger
Behandlungsmethode), durch Rezidivierung und eine hohe Suizidmortalität im Langzeitverlauf,
insbesondere bei den schwer depressiv Kranken, auszeichnet.
Vor diesem Hintergrund werden heute in der Depressionsdiagnostik verschiedene Gruppen
unterschieden:
-
unipolar - bipolar
-
monopolar (eine Episode) - rezidivierend
-
mit bzw. ohne somatisches Syndrom (früher „endogenomorph”)
-
mit bzw. ohne psychotische Symptomatik
-
hinsichtlich der Dauer langanhaltend bzw. nicht langanhaltend (d.h. kürzer als 2 Jahre
Symptompersistenz mit geforderter Symptombesserung).
Die Unterscheidung wird also einmal nach der Richtung der Auslenkung, dann nach dem
Symptomprofil der aktuellen Depression, nach der Anzahl der depressiven Episoden und
dann nach der Zeitdauer des Bestehens der depressiven Symptomatik, kürzer oder länger
als zwei Jahre, getroffen; einige hierzu wichtige Begriffe sind in [Tabelle 2] zwei zusammengefasst, wobei heute weniger der Response bzw. Non-Response und mehr
Bedeutung der Remission bzw. Recovery zugewiesen wird. Eine Charakterisierung [1]
[2]
[5] der klinischen Klientel ist in [Tabelle 3] zusammengestellt.
Dabei ist zu ergänzen, dass in der Medizin allgemein „chronisch” nichts anderes bedeutet,
als dass die Symptome „länger dauern” bzw. in eine Form von Behinderung übergehen
und in der akuten Episode, sofern sich diese abgrenzen lässt vom langfristigen Verlauf,
unzureichend besserbar waren [3]
[4]. In einem Workshop 2001 wurde versucht, dieser Begrifflichkeit unter dem Stichwort
„chronische Depression” intensiv nachzugehen; zur weiteren Diskussion wird auf die
dortigen Ausführungen verwiesen [4].
Hier sollen zwei, von uns vor kurzem definierte Typen chronifizierter Verläufe von
Depressionen [Tab. 4] skizziert werden [1].
Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass eine sog. „chronische Depression”, unabhängig
vom klinischen Typ, der vorliegt, definitionsgemäß länger als zwei Jahre dauert, d.h.
dass chronische Depression auch „chronische Therapie” bedeutet. Die Diagnose „chronisch”
wird häufig vom Patienten mit „nichts kann mir mehr helfen, man kann mir nicht mehr
helfen” verbunden und geht dann mit Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit einher. Vor
diesem Hintergrund wird es wichtig, mit dem Patienten nicht über „chronisch”, sondern
eher über „langanhaltende” Depression zu sprechen, die jedoch langfristig behandlungsbedürftig
bleibt. Denn eine „chronische Depression” verlängert und verstärkt das Gefühl der
sozialen Inkompetenz, die Inaktivität und das Insuffizienzgefühl und führt zum sozialen
Rückzug. Vor diesem Hintergrund gilt es, zwei Grundprinzipien der Therapie bereits
anfangs zu erwähnen, nämlich
-
„chronische Depression” erfordert auf therapeutischer Seite das Umdenken vom Behandler
zum Begleiter, und
-
alles ist hilfreich (und erlaubt), was soziale Kompetenz und soziale Integration fördert
sowie emotional neu bewertbare Erfahrungen bewirkt.
Primär chronische Depression
Primär chronische Depression
Unter einer „primären Chronifizierung” bei einer Depression versteht man das Fortdauern einer voll ausgeprägten depressiven
Episode länger als zwei Jahre, die von Anfang an mit einer deutlich reduzierten Arbeits-
und Leistungsfähigkeit, fast immer mit Erwerbsunfähigkeit einhergeht und keine Symptombesserung
im Sinne einer Therapieresponse bzw. einer Remission/Recovery auch nach Abschluss
von zwei Jahren zeigt. Schwankungen der Symptomausprägung sind, wenn vorhanden, dann
nur wenige Tage beobachtbar und das Symptomprofil ist gekennzeichnet durch eine durchgängige,
mittelgradige bis schwere depressive Herabgestimmtheit ohne Aufhellung und mit eingeschränkter
Schwingungsfähigkeit, durch einen deutlichen Vitalitätsverlust, der sich in einer
Reduktion des Antriebes, der Lust Dinge zu tun, in Verlust von Kreativität, durch
Anhedonie und das Gefühl der Insuffizienz, einhergehend mit Rückzugsverhalten, Vermeidung
und eingeschränkter Belastbarkeit, äußert.
Diese Symptomatik, insbesondere die eingeschränkte Leistungsfähigkeit, ist dabei ein
wesentliches Kennzeichen und entspringt nicht nur der subjektiven Empfindung, sondern
ist auch objektiv gegeben.
Das bedeutet, dass die Depressionsbehandlung sich heute nicht nur auf eine Symptombesserung
in einer ersten Phase der Symptombesserung (meistens 6-8 Wochen dauernd) beziehen
darf, sondern eine Phase der Belastungserprobung (weitere 4-6 Wochen) einbeziehen
muss, um die objektiv vorhandene Einschränkung der Leistungsfähigkeit (z.B. durch
gestufte Wiedereingliederung z.B. 4 Wochen 4 Std. Arbeit, weitere 4 Wochen 6 Std.
Arbeit, dann Versuch der vollen Arbeitszeit, zu erproben und wieder zu erlangen) zu
erkennen und zu bessern bzw. die Leistungsfähigkeit zu stabilisieren.
So sind Kennzeichen der chronischen Depression im symptomatischen Bereich kognitiv
Einstellungen von Hilflosigkeit, Hoffnungslosigkeit und Insuffizienz, im affektiven
Bereich die meist mittelgradige depressive Herabgestimmtheit mit einer gewissen, jedoch
nicht der ursprünglichen Persönlichkeit entsprechenden Aufhellung reaktiv auf äußere
Reize, sowie eingeschränkte Schwingungsfähigkeit. Vegetativ-psychosomatisch zeigt
sich eine geringe körperliche Belastbarkeit, verbunden mit Schlafstörungen, häufig
Libidostörungen, und im Antriebsbereich eine Reduzierung mit Lustlosigkeit. Wichtig
ist sodann die aktuelle Belastbarkeit (z.B. Hausarbeit mit/ohne Wiederauftreten von
Symptomen) sowie die Zeitdauer der depressiven Erkrankung über mehr als zwei Jahre.
Neben dieser psychopathologischen Beschreibung eine kurze psychodynamische Anmerkung;
wir haben häufig Patienten gefunden, bei denen es um chronische Kränkung eines Menschen
geht, der eine hohe Identifikation mit seiner Tätigkeit, seiner Rolle, damit seinem
Selbstbild aufweist und einen Verlust traumatisch und chronisch kränkend erlebt, dabei
sich in der Opferrolle befindet und Schuldzuweisung an andere pflegt. Dabei kann es
sich um Männer mit vorzeitigem beruflichen Scheitern, um Männer am Ende ihrer Erwerbszeit
mit hoher Identifikation mit ihrer beruflichen Tätigkeit handeln oder auch um Frauen
im mittleren Lebensalter, die verlassen werden oder traumatische Verluste erlitten
haben.
Ohne auf die Ätiopathogenese einer depressiven Störung [Abb. 1] und die Entwicklung einer primären chronischen Depression detaillierter eingehen
zu wollen (siehe auch [1]
[7]
[8]
[9]
[10]), wird auf Abbildung 2 als ein Modell der Vorläuferbedingungen zu einer chronifizierten
Depression, unter Bezugnahme auf Konzepte der Vulnerabilität und psychobiologischen
Disposition sowie auf den von Wolfersdorf und Heindl geschilderten Chronifizierungs-
und Wiedererkrankungskreis aus klinischer Sicht verwiesen [1]
[4]. Letzterer zeigt, dass die Ansatzmöglichkeiten für therapeutische Interventionen
einerseits, die Faktoren, die Chronifizierung und Wiedererkrankung verursachen können
andererseits, vielfältiger Natur sind und durch Einwirkungen im Symptombereich, im
sozialen Feld, im Beziehungsbereich, hinsichtlich somatischer und auch psychischer
Komorbidität veränderbar sind. Ziel jeglicher Therapie ist es, neue Erfahrungen mit
der Möglichkeit neuer affektiver, d.h. nicht-depressiver, und neuer kognitiver, d.h.
nicht-hoffnungsloser und -hilfloser, Bewertungen zu machen.
Langzeittherapie bzw. -begleitung
Langzeittherapie bzw. -begleitung
Die Überschrift dieses Abschnittes definiert bereits die grundsätzliche Problematik:
-
Ab wann geht eine Akutbehandlung in eine Langzeittherapie über und
-
wie ist diese Langzeittherapie inhaltlich ausgestaltet, als Begleitung oder als „immer
wieder Akuttherapie”?
Was verstehen wir nun unter „Langzeit-Akuttherapie” bei der chronischen Depression?
In der Literatur finden sich zahlreiche Empfehlungen zur Behandlung der sog. therapieresistenten
Depression, wobei die Strategien üblicherweise vier Schwerpunkte haben: Dosiserhöhung über die Standarddosierung hinaus, um auch rasche Metabolisierer zu erreichen; Augmentation d.h. die Zugabe einer anderen Substanz (Nicht-Antidepressivum), z.B. ein Neuroleptikum,
ein Anxiolytikum, Lithium, Schilddrüsenhormon, Amphetamin u.ä., um das Ansprechen
des Systems für das Antidepressivum zu verbessern; Kombination von Antidepressiva, d.h. gleichzeitiger Einsatz zweier oder mehrerer Antidepressiva
mit dem Ziel der Verstärkung und Verbreiterung des Effektes und der angesprochenen
Systeme im ZNS; Umsetzen auf ein anderes Antidepressivum innerhalb der gleichen Gruppe bzw. auf ein Antidepressivum
aus einer anderen neurobiochemischen Gruppe, wobei die Annahme verschiedener Subtypen
von Depression dahintersteht, die differenziell neurobiochemisch, z.B. serotonerg
oder noradrenerg, angesprochen werden müssen. Diese immer wieder neu begonnene Akuttherapie
impliziert natürlich auch andere Formen biologischer Behandlung wie Lichttherapie,
Schlafentzug, EKT und auch (im günstigsten Fall) die Anwendung differenzieller Psychotherapieformen
(wobei eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie definitionsgemäß ja eigentlich
schon eine Langzeittherapie ist!).
Unter „Langzeitbegleitung” bei einer chronischen Depression ist zu verstehen eine konstante Psychopharmakotherapie
mit dem am Besten wirksamen und mit den geringsten Nebenwirkungen belasteten Antidepressivum
bzw. auch einer Kombination von verschiedenen Psychopharmaka, einhergehend mit einer
Erhaltungstherapie bzw. Verschlechterungsprophylaxe, sofern sich unter äußeren Belastungen
eine solche als notwendig erweist, verbunden mit einer differenziellen, möglicherweise
niederfrequenten Psychotherapie, die über die klassische Richtlinienpsychotherapie
hinaus die Integration von Angehörigen, von soziotherapeutischen Maßnahmen nach Bedarf
erfordert und auch die Anbindung des chronisch depressiv Kranken an Selbsthilfegruppen
und Veranstaltungen im Gemeindepsychiatrischen Verbund meint.
Anhaltspunkte für die Entscheidung „Langzeit-Akutbehandlung versus Langzeitbegleitung”
sind in [Tabelle 5] formuliert, die Grundprinzipien der Langzeittherapie bei der Depression dann in
[Tabelle 6] zusammengefasst.
Abschlussbemerkung
Abschlussbemerkung
„Primär chronische Depressionen” sind in der älteren psychiatrischen Literatur immer
wieder beschrieben und gekennzeichnet durch eine langandauernde Herabgestimmtheit
mit wenig Schwingungsfähigkeit und Aufhellbarkeit sowie durch eine Reduzierung von
Antrieb und Vitalität, einhergehend mit Rigidität und verstärkten anankastischen Zügen
[2]
[7]
[8]
[9]. Laux hat derartige Bilder als „depressives Residuum” bezeichnet [10]. Wir sind heute der Auffassung [1]
[2]
[3]
[4], dass die in der ICD-10 so benannten „langanhaltenden Depressionen” einen Sammeltopf
von mindestens vier verschiedenen Depressionstypen darstellen, die sich unterschiedlich
durch den Einfluss von psychoreaktiven Faktoren, durch Stimmungsschwankung oder durchgehende
Herabgestimmtheit, durch Psychopathologie und Psychodynamik usw. unterscheiden: Wir
trennen eine primär chronische Depression als Chronifizierung nach einer ersten depressiven Episode von der Dysthymia im Sinne der klassischen neurotischen Depression und sehen darin die beiden hauptsächlichen
Gruppen. Zwei andere Gruppen sind depressive Episoden mit partieller Response bzw. partieller Remission oder, wie andernorts bezeichnet, mit episodenüberdauernder Restsymptomatik, häufig
dann mit einer erhöhten Rückfallgefährdung einhergehend, sodann häufig rezidivierende depressive Episoden, welche das Kriterium einer mindestens 2-, im besten Fall 6-monatigen Symptomfreiheit
als Intervall nicht einhalten und kumulativ [in Anlehnung [10]] das Zeitkriterium zwei Jahre in Depression erreichen. Wir unterstreichen ausdrücklich,
dass bei keinem dieser Subtypen „chronisch” mit „therapieresistent”, mit nicht behandelbar
bzw. mit nicht besserbar gleichgesetzt werden kann [5], sondern dass differenzielle Therapiekonzepte gefordert sind.
Abb. 1
Abb. 2
Tab. 1 Klinisch wichtige uni- und bipolare Depressionen
-
depressive Episode (erstmals, einmalig)
-
depressive Episode
-
kurzzeitige depressive Episode
-
längere depressive Episode, depressive Entwicklung, neurotische Depression/ Dysthymia,
chronische Depression
-
depressive Episode mit psychotischen Symptomen
-
Anpassungs- und Belastungsreaktion, Posttraumatische Belastungsstörung
-
organische Depression
-
Depression bei schizoaffektiver Psychose
-
postschizophrene Depression
-
Depression bei schizophrenem Residuum
-
Depression post partum
-
rezidivierende depressive Erkrankung
-
wiederholte depressive Episoden, psychotisch bzw. nicht-psychotisch
-
rezidivierend depressive Episoden ohne ausreichende Remission, chronisch
-
lang anhaltende depressive Störungen
-
depressive Episode (n) mit Restsymptomatik
-
mit Chronifizierung
-
Dysthymia/neurotische Depression, depressive Persönlichkeitsstörung
-
posttraumatische Belastungsstörung mit Wesensänderung
|
-
rezidivierende affektive Störung, jetzt Depression („MDP”) (bipolar I)
-
Depression mit Hypomanie (bipolar II)
-
Depression mit Verdacht auf bipolar
-
Zyklothymia
-
bipolare Erkrankung mit Rapid Cycling
|
|
nach [1]
[2]
|
Tab. 2 Definition von Therapieresistenz bzw. Chronifizierung
|
Nonresponse |
< 25 % Abnahme im HAMD-Score o.a. Scores |
|
partielle Response |
25-50 % Abnahme im HAMD-Score o.ä. Scores |
|
Response |
> 50 % Besserung |
|
Remission |
HAMD-Score < 7 oder < 10 bzw. vergleichbare Scores |
|
Recovery |
2-6 Monate anhaltende Symptomfreiheit/Remission |
|
chronisch |
2 Jahre mittlere bis volle Symptomausprägung einer depressiven Episode/Dysthymia |
Tab. 3 Depressiv Kranke in stationärer psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung (Fachkrankenhaus,
Abteilung, Universitätsklinik)
|
Charakteristika
|
|
schwer und schwerst Depressive (nach HAMD, BDI, oder CGI) |
80-100 % |
|
Suizidversuche im jetzigen Vorfeld oder/und früher |
20-35 % |
|
Suizidalität jetzt im Vorfeld, suizidal bei Aufnahme |
40-60 % |
|
depressiver Wahn |
15-50 % |
|
somatische Komorbidität |
20-40 % |
|
schwierige soziale Situation, schlechte soziale Anpassung (z.B. nach GAF) |
30-40 % |
|
psychiatrische Komorbidität |
20-35 % |
|
sog. Chronifizierung |
15-25 % |
|
Ersterkrankung |
30 % |
|
mehr als 1 depressive Episode |
70 % |
|
modifiziert nach [5]
|
Tab. 4 Chronifizierung von Depression - klinische Verläufe
-
primäre Chronifizierung nach/bei einer 1. typischen Episode
-
Chronifizierung nach mehreren depressiven oder auch bipolar depressiven Episoden
-
lang anhaltende depressive Störung: Dysthymia, depressive Entwicklung
-
hohe Rezidivrate depressive Erkrankungen, die kumulativ das „2-Jahre-Depression”-Kriterium
erfüllt
|
Tab. 5 Anhaltspunkte für die Entscheidung Langzeit-Akut-behandlung vs. Langzeitbegleitung
(nach [1])
-
Welche Therapieformen wurden bereits erprobt?
-
Gibt es nachweislich wirksame therapeutische Strategien, die noch nicht oder nicht
im richtigen Ausmaß eingesetzt wurden?
-
Sind Therapieversuche an mangelnder Compliance gescheitert?
-
Ist der Klient in der Lage, sich auf den Übergang zu einer Langzeitbegleitung einzustellen?
Wenn nicht: Besteht Aussicht, dass er in der Therapie lernt, sich mit den Implikationen
dieses Ansatzes zu konfrontieren?
-
In welcher Phase befindet sich die Therapie?
-
Äußerer Rahmen: Bestehen Möglichkeiten, eine Langzeit-Akuttherapie im erforderlichen
Ausmaß durchzuführen?
-
Ist ein Wechsel zwischen beiden Behandlungsprinzipien innerhalb der Therapie sinnvoll
und möglich?
|
Tab. 6 Langzeittherapie bei Depression (klinische Aspekte)
-
Langzeittherapie: Psychopharmaka (AD, Rezidiv- und Verschlechterungsprophylaxe)
-
Langzeitbegleitung: Psychotherapie, Psychoedukation (Angehörige, Patient)
-
Erwerbs-/Arbeitsfähigkeit: Beurteilung von Belastbarkeit, Dienstfähigkeit, Wiedereingliederung
-
Situation der Angehörigen, Familien
-
Selbsthilfe-Konzepte
|