Aktinische Keratosen
Einleitung
Die aktinische Keratose (AK) ist die häufigste Präkanzerose der Haut mit einer Prävalenz
von 11 - 25 % auf der nördlichen Hemisphäre bzw. 40 - 50 % in Australien. AK treten
meist multipel auf chronisch UV-geschädigter Haut (Gesicht, Ohrmuschel, Handrücken)
in Abhängigkeit von der Lichtempfindlichkeit (Hauttyp nach Fitzpatrick), kumulativer
UV-Belastung, DNS Reparaturkapazität und Immunitätslage auf. Klinisch kann man AK
nach Olsen in 3 Grade einteilen. Grad I sind diskrete, besser tastbare als sichtbare
Hyperkeratosen der Haut, Grad II sind etwas dickere, sowohl tastbare als auch sichtbare
Läsionen, Grad III sind infiltrierte, stark hyperkeratotische Läsionen [1].
AK kann man als ein in situ Plattenepithelkarzinom mit guter Prognose definieren.
Histologisch sind AK durch Orthohyperkeratose, fokale Parakeratose, Fehlen eines regulären
Stratum granulosum, sowie durch dyskeratotische Zellen und Kernatypien in der Basalzellschicht
oder der gesamten Epidermis charakterisiert. AK können spontan abheilen, aber auch
durch Invasion von atypischen Zellen in die Dermis in ein Plattenepithelkarzinom übergehen.
Ca. 60 % aller Plattenepithelkarzinome entstehen aus AK. Die Konversionsrate von AK
zu Plattenepithelkarzinom wird auf 0.25 - 1 % pro Jahr geschätzt, bei immunsupprimierten
Patienten ist sie um ein Vielfaches höher [2].
Die therapeutischen Möglichkeiten bei solitären AK umfassen Kryotherapie, Kürettage
und Elektrokaustik, bei multiplen AK kommen 5-Fluorouracil (5-FU), Chemopeeling, Dermabrasio,
Laser resurfacing, Retinoide, Imiquimod und die photodynamische Therapie (PDT) [3]
[4] zur Anwendung.
ALA PDT mit inkohärentem Rotlicht
Die erfolgreiche Anwendung der photodynamischen Therapie bei Präkanzerosen und Tumoren
der Haut wurde erstmals 1990 von Kennedy et al. beschrieben [5]. Dabei wurden die zu behandelnden Hautläsionen über 3 - 6 Stunden okklusiv mit 20
% Aminolävulinsäure (ALA) (eine Vorstufe des roten Blutfarbstoffes, welcher die Bildung
von endogenen Porphyrinen induziert) behandelt und anschließend mit gefiltertem Licht
eines Diaprojektors bestrahlt (Quarzhalogenlampe, 54 - 540 J/cm2, 150 - 300 mW/cm2). Dieses neue Therapieprinzip wurde u. a. auch bei 10 AK angewandt, von denen 9 nach
einer Behandlung eine komplette Abheilung zeigten. In der Folge wurde die photodynamische
Therapie mit topisch applizierter ALA (ALA PDT) von zahlreichen weiteren Arbeitsgruppen
in unterschiedlichen Modifikationen bei AK eingesetzt und in seiner Wirksamkeit bestätigt.
An unserer Klinik wurde ALA PDT bereits 1991 eingeführt. Seit einigen Jahren wird
von uns diese Therapie auch routinemäßig bei Patienten mit Präkanzerosen und oberflächlichen
Hauttumoren angewandt.
Ein generelles Problem bei der Beurteilung und dem Vergleich bisheriger ALA PDT Studien
ist der Umstand, dass es kein einheitliches Schema zu deren Durchführung gibt. Die
wesentlichen Variablen sind die ALA Zubereitung, Applikationsdauer, Lichtquelle, Lichtdosis,
Lichtintensität und Anzahl der Bestrahlungen. Meistens wird eine Konzentration von
20 % ALA verwendet, zum Teil mit Substanzen gemischt, die entweder die Penetration
von ALA in die Haut fördern (Dimethylsulfoxid, DMSO; Äthylendiamintetraessigsäure,
EDTA) oder die Protoporphyrin IX (PP IX) Synthese in den Zellen erhöhen sollen (Desferrioxamin)
[6]
[7]. Die Okklusionszeiten schwanken zwischen 3 - 20 Stunden. Zur Aktivierung des endogen
gebildeten PP IX werden sowohl kohärente (Laser) als auch inkohärente (gefilterte
oder ungefilterte) Lichtquellen eingesetzt. Die in den vorliegenden Studien verwendeten
Lichtintensitäten und Lichtdosen bewegen sich in einem weiten Bereich.
Abgesehen von den zahlreichen Unterschieden im Behandlungsprotokoll ist auch zu berücksichtigen,
dass (prä)kanzeröse Hautveränderungen in Abhängigkeit von ihrer klinischen Ausprägung
und teilweise auch Lokalisation uneinheitlich auf ALA PDT ansprechen. So ist es nicht
weiter verwunderlich, dass die in der Literatur publizierten Ansprechraten für AK
zwischen 45 - 100 % schwanken (Tab. [1]).
Tab. 1 Synopsis der PDT Studien bei aktinischen Keratosen
Autoren (Referenz) |
Zahl der Läsionen |
Photo-sensibilisator (%) |
Applikationsdauer (Stunden) |
Lichtquelle |
Lichtdosis (J/cm2) |
Lichtintensität (mW/cm2) |
Heilungsrate (%) |
Nachbeobachtung (Monate) |
Kennedy et al. 1990 [5]
|
10 |
20 ALA |
3 - 6 |
Quarzhalogenlampe |
54 - 540 |
150 - 300 |
90 |
18 |
Calzavara-Pinton 1995 [13]
|
50 |
20 ALA |
6 - 8 |
Argondampf-gepumpter Laser |
60 - 80 |
100 |
84 |
24 - 36 |
Fijan et al. 1995 [7]
|
43 |
20 ALA + 3 DF |
20 |
Halogenlampe |
< 300 |
50 - 300 |
81 |
3 - 20 |
Szeimies el al. 1996 [9]
|
17 a
19 b
|
10 ALA |
6 |
Metallhalogenlampe |
150 |
160 |
71 a
0 b
|
12 |
Jeffes et al. 1997 [14]
|
68 a
128 c
|
10, 20, 30 ALA |
3 |
Argondampf-gepumpter Laser |
10 - 150 |
50 - 150 |
91 a
45 c
|
2 - 4 |
Fink-Puches et al. 1997 [10]
|
212 |
20 ALA |
4 |
Halogenlampen |
19 - 70 |
50 - 100 |
70 |
1 - 52 |
Kurwa et al. 1999 [19]
|
14 d
|
20 ALA |
4 |
Metallhalogenlampe |
150 |
80 |
73 e
|
6 |
Karrer et al. 1999 [15]
|
100 100 |
20 ALA |
6 |
Metallhalogenlampe Langgepulster Farbstoff- laser |
60 - 160 18 |
160 |
84 79 |
n. a. |
Varma et al. 2001 [8]
|
127 |
20 ALA |
4 |
Metallhalogenlampe |
105 |
105 - 168 |
72 |
12 |
Szeimies et al. 2002 [16]
|
367 332 f
|
16 ALA Methylester |
3 |
Halogenlampe |
75 |
70 - 200 |
69 75 |
3 |
Freeman et al. 2003 [17]
|
295 407 f
61 g
|
16 ALA Methylester |
3 |
Halogenlampe |
75 |
50 - 250 |
91 68 30 |
3 |
Pariser et al. 2003 [18]
|
236 241 g
|
16 ALA Methylester |
3 |
Halogenlampe |
75 |
50 - 200 |
89 38 |
3 |
n. a. - nicht angegeben, DF - Desferrioxamin, a Kopf, b Extremitäten, c Stamm und Extremitäten, d Zahl der Patienten mit multiplen AK an den Handrücken,
e Reduktion der läsionalen Fläche, f Kryotherapie, g Plazebo PDT. |
In unserer ersten Studie an 43 AK applizierten wir 20 % ALA in Kombination mit 3 %
Desferrioxamin (ein Inhibitor der Ferrochelatase) okklusiv über 20 Stunden und bestrahlten
anschließend mit einer gefilterten Halogenlampe (≤ 300J/cm2, 50 - 300mW/cm2). Innerhalb einer Nachbeobachtungszeit von bis zu 20 Monaten betrug die Heilungsrate
nach einmaliger Bestrahlung 81 % (35/43) [7]. Eine Erhöhung der Wirksamkeit durch wiederholte Behandlung wurde in einer kürzlich
publizierten Studie nachgewiesen. 127 AK (95 im Kopf- oder Nackenbereich, 32 an Stamm/Extremitäten)
wurden für 4 - 6 Stunden mit 20 % ALA okkludiert und danach mit inkohärentem Rotlicht
bestrahlt (Waldmann PDT 1200, 600 - 730nm, 105J/cm2, 105 - 168mW/cm2). Während nach einer Bestrahlung die Abheilungsrate bei 77 % lag, konnte durch mehrmalige
Behandlung die Zahl der abgeheilten AK auf 99 % erhöht werden [8].
Von wesentlicher Bedeutung für den Therapieerfolg sind Lokalisation und Intensitätsgrad
der AK. In einer Studie an 36 AK (17 am Kopf, 19 an Händen oder Armen), die mit ALA
PDT (10 % ALA okklusiv über 6 Stunden, PDT 1200, 150J/cm2, 160mW/cm2) behandelt wurden, betrug die Abheilungsrate der Läsionen im Kopfbereich 71 % (12/17).
Im Gegensatz dazu kam es bei keiner der nicht im Kopfbereich lokalisierten Läsionen
zu einer kompletten Abheilung [9]. Ursache für das ungünstigere Ansprechen von AK an Händen und Armen ist vermutlich
der generell höhere Intensitätsgrad und die dadurch bedingte schlechtere Penetration
von ALA und Licht.
Eine signifikante Korrelation zwischen Lokalisation der AK und dem therapeutischen
Ansprechen auf ALA PDT wurde auch in einer Untersuchung von Fink-Puches et al. an
28 Patienten mit 251 AK festgestellt. 204 Läsionen im Gesichts-, Kopf- oder Nackenbereich
und 47 Läsionen an den Unterarmen oder Handrücken wurden nach 4-stündiger Okklusion
mit 20 % ALA mit unterschiedlichen Dosen (19 - 70 J/cm2) und Banden sichtbaren Lichtes (gefilterte Halogenlampe) bestrahlt. Eine komplette
Abheilung nach einer Behandlung wurde bei 94 % (191/204) der im Kopf- und Nackenbereich
gelegenen AK, jedoch nur bei 49 % (23/47) der an den Unterarmen oder Handrücken lokalisierten
AK verzeichnet. 212 AK wurden über einen Zeitraum von 1 - 52 Monaten nachbeobachtet,
von diesen blieben 70 % (149/212) in kompletter Remission [10].
ALA PDT mit Grün- oder Blaulicht
Da es sich bei AK um oberflächliche, auf die Epidermis beschränkte Läsionen handelt,
kann auch eine Bestrahlung mit kürzerwelligem (weniger tief in die Haut eindringendem)
Licht in Betracht gezogen werden. Dieser Ansatz wurde in einer Pilotstudie an 6 Patienten
mit multiplen, symmetrisch verteilten AK an Stirn und Kapillitium überprüft [11]. Nach 6-stündiger Okklusion mit 10 % ALA wurde ein jeweils < 8 × 8 cm großes Areal
mit Grünlicht (Saalmann PDT Green Lamp, 543 - 548 nm, 30 J/cm2, 15m W/cm2) oder einer herkömmlichen Rotlichtlampe (Waldmann PDT 700, 570 - 750 nm,
30 J/cm2, 15 mW/cm2) bestrahlt. Beide Lichtquellen induzierten nach 1- bis 2maliger Behandlung eine 100
% Abheilung, die über einen Nachbeobachtungszeitraum von 15 Monaten anhielt. Die Grünlichtbehandlung
erwies sich in dieser Studie jedoch als deutlich weniger schmerzhaft.
In einer Vehikel-kontrollierten, Untersucher-geblindeten Multizenterstudie an 36 Patienten
mit ≥ 4 AK im Gesicht oder am Kapillitium (Grad I bis II) wurde die Wirksamkeit einer
Kombinationstherapie von 20 % ALA Hydrochlorid Lösung (Levulan Kerastick®) und Blaulicht
(417nm, DUSA BLU-417) evaluiert [12]. Nach Applikation der ALA Lösung und einer Einwirkzeit von 14 - 18 Stunden ohne
Okklusion wurde mit 2 - 10 J/cm2 Blaulicht bestrahlt. 8 Wochen nach einer Behandlung mit ALA Lösung und 10J/cm2 Blaulicht ergab sich eine Heilungsrate von 88 % (14/16) vs. 6 % (1/16) bei Vehikel
und Blaulicht. Die Kombination von Levulan Kerastick® und Blaulicht wurde 1999 von
der FDA in den USA zur Behandlung von AK im Kopfbereich zugelassen.
ALA PDT mit Laser
Obwohl gerade bei ALA PDT von AK inkohärente Lichtquellen zu bevorzugen sind, da sie
auch für die Bestrahlung größerer Areale geeignet sind, können alternativ Laser verwendet
werden. Calzavara-Pinton benutzte einen Argondampf-gepumpten Farbstofflaser (630 nm,
100 mW/cm2) und bestrahlte 50 AK nach 6 - 8 stündiger Okklusion mit 20 % ALA mit 60 - 80 J/cm2. Die Heilungsrate betrug 30 Tage nach der Behandlung 100 %, reduzierte sich jedoch
innerhalb einer Nachbeobachtungszeit von bis zu 32 Monaten auf 84 % (42/50) [13]. Jeffes et al. untersuchten neben dem Einfluß von Lokalisation und Intensitätsgrad
der AK auch den Effekt von ALA Konzentration und Lichtdosis auf die Abheilungsrate.
Insgesamt wurden 218 Läsionenbehandelt. 196 AK (68 am Kopf, 128 an Stamm/Extremitäten)
entsprachen dem Grad I oder II, 22 AK (1 am Kopf, 21 an Stamm/Extremitäten) dem Grad
III. Die Therapie erfolgte mit verschiedenen ALA Konzentrationen (0 %, 10 %, 20 %
und 30 %) und Lichtdosen zwischen 10 - 150 J/cm2. Zur Bestrahlung wurde ein Argondampf-gepumpter Farbstofflaser (630 nm, 50 - 150
mW/cm2) eingesetzt. 8 Wochen nach der Behandlung mit 30 % ALA waren 91 % der Läsionen am
Kopf, jedoch nur 45 % der Läsionen an Stamm/Extremitäten abgeheilt. Keine signifikante
Auswirkung auf die Abheilungsrate hatten die unterschiedlichen ALA Konzentrationen
und Lichtdosen [14].
Karrer et al. verglichen einen langgepulsten, blitzlampengepumpten Farbstofflaser
(585 nm, Pulsdauer 1,5 ms, Strahlendurchmesser 5 mm, 18 J/cm2) mit inkohärentem Rotlicht (PDT 1200, 580 - 740 nm, 60 - 160 J/cm2, 160 mW/cm2) in Kombination mit 20 % ALA (6-stündige Okklusion) bei 200 AK am Kapillitium. Es
zeigte sich eine etwas höhere Heilungsrate nach der Behandlung mit dem inkohärenten
Licht (84 % vs 79 %), andererseits waren die Schmerzen bei der Behandlung mit dem
langgepulsten Farbstofflaser deutlich geringer [15].
Zu sehr ähnlichen Ergebnissen kamen wir in einer eigenen, randomisierten, untersucherverblindeten
Studie, in der die Wirksamkeit und Tolerabilität von ALA PDT mit einem gepulsten Diodenlaser
(PDTC, PHOTO DYNAMIC THERAPY GmbH, 650 nm, Pulsdauer 200 ms) gegen herkömmliche ALA
PDT mit inkohärentem Rotlicht (PDT 1200, 580 - 740 nm) verglichen wurde (Blecha et
al., Manuskript in Vorbereitung). Bei 50 Patienten wurden zwei vergleichbare aktinische
Keratosen nach 4 - 6 stündiger Okklusion mit 20 % ALA entweder mit dem Laser oder
inkohärentem Rotlicht bestrahlt. Die Intensität beider Lichtquellen betrug 70 mW/cm2, die applizierte Dosis 70 J/cm2. 4 Monate nach einer einmaligen Behandlung waren 88 % der mit inkohärentem Rotlicht
im Vergleich zu 67 % der mit gepulstem Laserlicht bestrahlten Keratosen abgeheilt.
Allerdings zeigte sich auch in dieser Studie ein inverses Verhältnis zwischen Wirksamkeit
und Verträglichkeit. Die Bestrahlung mit dem Diodenlaser wurde von den Patienten als
deutlich weniger schmerzaft empfunden als jene mit dem inkohärenten Rotlicht.
ALA PDT im Vergleich zu anderen Therapiemöglichkeiten
Es gibt nur wenige direkte Vergleichsstudien zwischen ALA PDT und anderen Therapiemodalitäten
für AK. In einer großen Europäischen Multizenterstudie wurde 20 % ALA Methylester
(Metvix®) in Kombination mit Rotlicht gegen Kryotherapie verglichen. Insgesamt 699
Läsionenwurden entweder mit 20 % ALA Methylester (3-stündige Okklusion) und Rotlicht
(CureLight Broadband, 570 - 670 nm, 75 J/cm2, 70 - 200 mW/cm2) oder mit Stickstoff behandelt (2 Zyklen von jeweils 40 Sekunden Einfrierzeit). Während
beide Therapien in Bezug auf die Heilungsrate keinen signifikanten Unterschied aufwiesen
(69 % bei ALA Methylester PDT vs. 75 % bei Kryotherapie), waren die kosmetische Ergebnisse
in der PDT Gruppe wesentlich besser [16].
Vor kurzen wurden die Ergebnisse einer weiteren randomisierten Doppelblindstudie publiziert.
Bei 204 Patienten wurden PDT mit Metvix (570 - 670 nm, 75 J/cm2), PDT mit Placebo und Kryotherapie (1 Einfrierzyklus) gegeneinander verglichen. Die
PDT wurde nach einer Woche wiederholt. Bei der Kontrolle 3 Monate später zeigten 91
% der mit Metvix PDT behandelten aktinischen Keratosen eine komplette Abheilung. Im
Gegensatz dazu betrug die Abheilungsrate nach Kryotherapie bzw. Placebo PDT lediglich
68 % und 30 % [17]. Sehr ähnliche Ergebnisse lieferte eine amerikanische Multicenterstudie, die nach
demselben Behandlungsprotokoll Metvix PDT gegen Plazebo PDT verglich. 3 Monate nach
Metvix PDT waren 89 % (209/236) der aktinischen Keratosen abgeheilt, nach Placebo
PDT nur 38 % (92/241) [18].
Seit Anfang 2002 ist Metvix® in Deutschland als Arzneimittelspezialität zugelassen.
Ein direkter Vergleich der Wirksamkeit von ALA Hydrochlorid und ALA Methylester in
der PDT von AK steht derzeit noch aus.
Außer den oben angeführten Studien über ALA Methylester in Kombination mit Rotlicht
vs. Kryotherapie findet sich lediglich eine weitere Publikation, in der ALA PDT gegen
5-FU bei AK an Handrücken verglichen wurde. In dieser Studie mit 14 ausgewerteten
Patienten wurde jeweils ein Handrücken mit 20 % ALA über 4 Stunden okkludiert und
anschließend mit Rotlicht (PDT 1200, 150 J/cm2, 80 mW/cm2) bestrahlt oder über 3 Wochen 2 × tgl. mit 5-FU behandelt. Beide Therapieverfahren
erwiesen sich als gleich verträglich und wirksam, wobei ALA PDT zu einer Reduktion
der läsionalen Fläche um 73 % und 5-FU um 70 % führte [19].
Zusammenfassung
Es liegen mittlerweile eine Fülle von Daten vor, welche die ausgezeichnete Wirksamkeit
von ALA PDT bei der Behandlung von multiplen, gering bis mittelstark ausgeprägten
AK im Kopfbereich (Gesicht, Kapillitium) belegen (Abb. [1 a]
[b]
[c]). Die durch PDT erzielbaren Ergebnisse sind vergleichbar mit jenen der Kryo- und
5-FU Therapie [20]. Nach einmaliger Behandlung sind Abheilungsraten von 70 - 85 % zu erwarten, die
durch wiederholte PDT weiter erhöht werden können. Deutlich geringer ist die Wirksamkeit
bei stark hyperkeratotischen bzw. an den Extremitäten lokalisierten AK. ALA PDT ist
eine relativ nebenwirkungsarme Therapie, die ambulant durchgeführt werden kann und
bei den meisten Patienten auf eine sehr hohe Akzeptanz stößt. Dies liegt nicht zuletzt
auch in den äußerst vorteilhaften kosmetischen Resultaten begründet.
Offenen Fragen betreffen das optimale Behandlungsprotokoll und die relative (Langzeit-)
Wirksamkeit im Vergleich zu etablierten oder neuen (z. B. Imiquimod) Therapieverfahren.
Erst nach Beantwortung dieser Fragen durch gut kontrollierte Studien kann eine endgültige
Standortbestimmung von ALA PDT bei AK vorgenommen werden.
Abb. 1 a Multiple aktinische Keratosen an der Stirn einer 74-jährigen Frau vor ALA PDT. b Phototoxische Reaktion im Bestrahlungsareal mit deutlicher Akzentuierung der aktinischen
Keratosen 3 Tage nach ALA PDT. c Komplette Abheilung aller Keratosen mit ausgezeichnetem kosmetischem Ergebnis 4 Wochen
nach ALA PDT.
Morbus Bowen
Einleitung
Morbus Bowen ist eine relativ häufige, obligate Präkanzerose, die sich klinisch als
unregelmäßig begrenzter, hellroter, schuppender Herd manifestiert. Er kann solitär
oder multipel (10 - 20 %) in lichtexponierten oder lichtgeschützten Hautarealen auftreten
[21]. Prädilektionsstellen sind Rumpf und untere Extremitäten (ca. 75 % aller Läsionen)
[22]. Sonderformen des Morbus Bowen sind die hyperkeratotische und pigmentierte Variante.
Als ätiologische Faktoren werden neben ultraviolettem Licht auch chemische Karzinogene
wie Arsen, immunsupprimierende Medikamente und humane Papillomviren diskutiert.
Histologisch entspricht der Morbus Bowen einem in situ Karzinom mit Tendenz zur Invasivität
(ca. 3 % aller Läsionen) [22]
[23]. Man findet eine verbreiterte Epidermis mit abnormer Stratifizierung, ausgeprägter
Zellpolymorphie, Dyskeratosen und Mitosen. Entlang der Adnexstrukturen können sich
dysplastische Zellen bis zu 3 mm in die Dermis ausbreiten [24].
Die therapeutischen Möglichkeiten bei Morbus Bowen umfassen Kryotherapie, 5-FU, Kürettage
und Elektrokaustik, Exzision, Radiotherapie und die photodynamische Therapie [23].
Systemische PDT
Die ersten PDT Studien bei Morbus Bowen wurden mit systemisch verabreichten Photosensibilisatoren
durchgeführt (Tab. [2]). Robinson et al. behandelten 2 Patienten mit mehr als 500 Läsionenmit Dihämatoporphyrinäther
(DHE) in einer Dosis von 1,5 - 2,0 mg/kg und erzielten eine Heilungsrate von 90 %
nach einer bzw. 100 % nach zwei Behandlungen [25]. Als Lichtquelle diente ein Golddampflaser (628 nm), die applizierte Lichtdosis
betrug 25 - 50 J/cm2. Während einer Nachbeobachtungszeit von 6 Monaten wurden keine Rezidive beobachtet.
Jones et al. verabreichten 6 Patienten mit insgesamt 8 Morbus Bowen DHE in einer Dosis
von 1,0 mg/kg und bestrahlten die Läsionen48 Stunden später mit einem Argondampf-gepumpten
Farbstofflaser (630 nm) [26]. Die Dosis betrug 185 - 250 J/cm2. Alle Läsionenheilten komplett ab und blieben über einen Zeitraum von 12 Monaten
rezidivfrei. Ähnlich gute Ergebnisse mit systemisch verabreichten Photosensibilisatoren
wurden auch von anderen Autoren berichtet [27]
[28]
[29], allerdings hat diese Art der photodynamischen Therapie den gravierenden Nachteil
der über Wochen anhaltenden Photosensibilisierung von Haut und Augen.
Tab. 2 Synopsis der PDT Studien bei Morbus Bowen
Autoren (Referenz) |
Zahl der Läsionen |
Photo-sensibilisator (mg/kg bzw.%) |
Zeit bis zur Bestrahlung (Stunden) |
Lichtquelle |
Lichtdosis (J/cm2) |
Lichtintensität (mW/cm2) |
Heilungsrate (%) |
Nachbeobachtung (Monate) |
|
systemische PDT
|
Robinson et al. 1988 [25]
|
> 500 |
DHE 1,5 - 2,0 |
72 |
Golddampflaser |
25 - 50 |
|
100 |
6 |
Buchanan et al. 1989 [28]
|
> 50 |
DHE 1,5 - 2,0 HpD 3,0 - 4,0 |
72 |
Golddampflaser Argondampf-gepumpter Laser |
25 - 50 |
|
100 |
n. a. |
Jones et al. 1992 [26]
|
8 |
DHE 1,0 |
48 |
Argondampf-gepumpter Laser |
185 - 250 |
|
100 |
12 |
|
systemische PDT
|
Kennedy et al. 1990 [5]
|
6 |
20 ALA |
3 - 6 |
Quarzhalogenlampe |
54 - 540 |
150 - 300 |
100 |
3 |
Cairnduff et al. 1994 [36]
|
36 |
20 ALA |
3 - 6 |
Kupferdampf-gepumpter Laser |
125 - 150 |
150 |
89 |
7 - 22 |
Svanberg et al. 1994 [31]
|
10 |
20 ALA |
4 - 6 |
Neodym-YAG Laser |
60 |
< 100 |
90 |
6 - 14 |
Calzavara-Pinton 1995 [13]
|
6 |
20 ALA |
6 - 8 |
Argondampf-gepumpter Laser |
60 - 80 |
100 |
100 |
24 - 36 |
Fijan et al. 1995 [7]
|
10 |
20 ALA + 3 DF |
20 |
Halogenlampe |
< 300 |
50 - 300 |
50 |
3 - 20 |
Morton et al. 1995 [32]
|
20 |
20 ALA |
4 |
Xenonlampe |
94 - 156 |
55 - 158 |
92 |
12 |
Morton et al. 1996 [38]
|
20 |
20 ALA |
4 |
Xenonlampe |
125 |
70 |
100 |
12 |
Varma et al. 2001 [8]
|
50 |
20 ALA |
4 |
Metallhalogenlampe |
105 |
105 - 168 |
69 |
12 |
| n. a. nicht angegeben, DF Desferrioxamin |
ALA PDT mit inkohärentem Rotlicht
Nach den vielversprechenden ersten klinischen Ergebnissen von Kennedy et al. bei epithelialen
Hauttumoren und AK [5] wurde die topische PDT mit ALA relativ rasch von anderen Zentren der Welt aufgegriffen
und auch bei Morbus Bowen angewandt. Im Gegensatz zu den Resultaten bei AK sind die
für ALA PDT berichteten Heilungsraten bei Morbus Bowen relativ homogen, obwohl auch
diesen Daten sehr unterschiedliche Behandlungsprotokolle zugrunde liegen (Tab. [2]).
Von vielen Therapeuten werden inkohärente Lichtquellen für ALA PDT bevorzugt, da sie
wesentlich preisgünstiger sind und eine homogene Bestrahlung großflächiger Hautareale
ermöglichen. Dazu eignen sich gefilterte oder ungefilterte Quarzhalogenlampen herkömmlicher
Diaprojektoren, Xenonstrahler und gefilterte Metallhalogen Lampen [30].
Unsere ersten Therapieversuche bei 10 Morbus Bowen (Durchmesser 1,0 - 4,5 cm) ergaben
eine Heilungsrate von nur 30 % nach einer bzw. 50 % nach wiederholter ALA PDT. Dabei
verwendeten wir 20 % ALA in Kombination mit 3 % Desferrioxamin okklusiv über einen
Zeitraum von 20 Stunden. Als Lichtquelle fungierte eine gefilterte Halogenlampe (540
- 720 nm). Das Licht wurde mittels Lichtleiter auf die Läsionengerichtet, die Intensität
betrug 50 - 300 mW/cm2, die Dosis bis zu 300 J/cm2
[7]. Ein Grund für die vergleichsweise geringe Effektivität von ALA PDT in unserer Studie
könnte in der langen Okklusionszeit gelegen sein, die zu einer Abdiffusion des akkumulierten
PP IX in benachbartes Gewebe geführt haben könnte. So wurde gezeigt, dass bereits
nach einer Inkubationszeit von 4 - 6 Stunden ausreichend PP IX im Tumor vorhanden
ist, um eine effektive PDT durchzuführen [31]. Die Beobachtung, dass die Wirksamkeit von PDT durch repetitive Bestrahlung erhöht
werden kann, wurde in der Folge auch von anderen Autoren bestätigt [8]
[10]
[14].
Morton et al. behandelten 20 Morbus Bowen (20 % ALA, 4-stündige Okklusion, gefilterte
Xenonlampe, 600 - 660 nm, 94 - 156 J/cm2, 55 bzw. 158 mW/cm2) und erzielten eine Heilungsrate von 92 %. 2 Läsionenrezidivierten während einer
Nachbeobachtungszeit von 12 Monaten [32]. Mit einem ähnlichen Behandlungsschema (20 % ALA, 4-stündige Okklusion, PDT 1200,
600 - 730 nm, 105 J/cm2, 105 - 168 mW/cm2) fanden Varma et al. bei 50 Läsioneneine Heilungsrate von 60 % (30/50) nach einer
Bestrahlung. Durch weitere Bestrahlungen konnte diese Rate sukzessive auf 88 %, 92
% und 96 % erhöht werden. Innerhalb von 12 Monaten kam es zu 15 Rezidiven, wodurch
sich die langfristige Abheilrate wiederum auf 69 % reduzierte [8].
ALA PDT eignet sich hervorragend für große oder multiple Morbus Bowen. In einem Bericht
von Stables et al. wurden 3 ausgedehnte Läsionen (bis zu 8 × 6 cm) zweimal mit ALA
PDT (20 % ALA okklusiv über 3 Stunden, Quarzhalogenlampe, 400 - 700 nm, 125 J/cm2, < 150 mW/cm2) behandelt. 12 - 26 Monate nach der Therapie waren sämtliche Herde immer noch komplett
abgeheilt. Als einzige Nebenwirkung entwickelte sich nach der Bestrahlung eines am
Kapillitium lokalisiertem Morbus Bowen eine irreversible Alopezie [33]. In einer anderen Studie wurde mit ALA PDT (20 % ALA okklusiv über 4 Stunden; Xenon
Lampe, 630 ± 15 nm, 125 J/cm2, 48 mW/cm2) bei 40 großen (> 2 cm) Morbus Bowen mit 1 - 3 Bestrahlungen eine Heilungsrate von
88 % (35/40) und bei 10 Patienten mit multiplen (≥ 3) Morbus Bowen eine Heilungsrate
von 98 % (44/45) erzielt. In beiden Gruppen wurden innerhalb von 12 Monaten jeweils
4 Rezidive festgestellt [34].
ALA PDT mit Grünlicht
In Analogie zu dem Bericht von Fritsch et al. [11] wurde Grünlicht auch bei Morbus Bowen eingesetzt. Im Gegensatz zu den Ergebnissen
bei AK erwies sich jedoch in der von Morton et al. durchgeführten, randomisierten
Vergleichsstudie bei Morbus Bowen Grünlicht als deutlich weniger wirksam als Rotlicht.
Die Abheilungsrate der mit Grünlicht (gefilterte Xenonlampe, 540 ± 15 nm, 62,5 J/cm2, 86 mW/cm2) behandelten Läsionen war 72 % (21/29) im Vergleich zu 94 % (30/32) bei Rotlicht
(gefilterte Xenonlampe, 630 ± 15 nm, 125 J/cm2, 86 mW/cm2). 7 bzw. 2 Läsionenrezidivierten innerhalb von 12 Monaten, womit sich die langfristige
Heilungsrate für Grünlicht auf 48 % und für Rotlicht auf 88 % reduzierte. Abgesehen
vom schlechteren Therapieergebnis mit Grünlicht fand sich in dieser Studie auch kein
Unterschied zwischen beiden Lichtquellen in Bezug auf die Schmerzhaftigkeit der Behandlung
[35].
Bei aktinischen Keratosen wurden gute Erfolge mit 20 % ALA in Kombination mit Blaulicht
gesehen [12]. Eine Anwendung von Blaulicht bei Morbus Bowen erscheint wegen der geringen Eindringtiefe
des Lichtes (< 1 mm) jedoch nicht angezeigt [30].
ALA PDT mit Laser
Cairnduff et al. behandelten 36 Morbus Bowen mit 20 % ALA (okklusiv über 3 - 6 Stunden)
und einem Kupferdampf-gepumpten Farbstofflaser (630 nm, 125 - 150 J/cm2, 150 mW/cm2) [36]. 32/36 (89 %) der Läsionenblieben über einen Nachbeobachtungszeitraum von 18 Monaten
abgeheilt. Zu ähnlichen Ergebnisse kamen auch andere Autoren, die Laser als Lichtquelle
benutzten. Svanberg et al. bestrahlten 10 Morbus Bowen nach 4 - 6 stündiger Applikation
von 20 % ALA mit Neodym-YAG Laser (630 nm, 60 J/cm2, < 110 mW/cm2) und erzielten eine Heilungsrate von 90 %. Die Rezidivrate nach 6 - 14 Monaten betrug
10 % [31]. Calzavara-Pinton verwendete einen Argondampf-gepumpten Laser (630 nm) und eine
Dosis von 60 - 80 J/cm2 zur Behandlung von 6 Morbus Bowen. Alle Läsionen heilten ab und blieben innerhalb
einer Nachbeobachtungsperiode von 24 - 36 Monaten rezidivfrei [13].
Tetranatrium-meso-tetraphenylporphinsulfonat (TPPS) mit Laser
Neben ALA wurde in der topischen PDT des Morbus Bowen auch Tetranatrium-meso-tetraphenylporphinsulfonat
(TPPS) als Photosensibilisator verwendet. In einer Studie von Sacchini et al. wurden
33 epitheliale Tumoren, davon 8 Morbus Bowen, mit 2 % TPPS behandelt. TPPS wurde in
Kombination mit 1-Dodecylazacycloheptanon zur Penetrationsförderung 24, 6 und 3 Stunden
vor der Bestrahlung mit einem Argondampf-gepumpten Farbstoffaser (630 ± 1 nm, 12 -
144 J/cm2, 100 bzw. 200 mW/cm2) appliziert. Eine komplette Abheilung wurde bei 7 der 8 Läsionenbeobachtet [37].
ALA PDT im Vergleich zu anderen Therapiemöglichkeiten
Eine wesentliche Frage betrifft die relative Wirksamkeit und Verträglichkeit von ALA
PDT im Vergleich zu anderen Therapiemodalitäten. Direkte Vergleichsstudien bei Morbus
Bowen wurden bisher gegen Kryotherapie und 5-FU durchgeführt.
In einer Untersuchung stellte sich heraus, dass ALA PDT gleich wirksam, aber wesentlich
nebenwirkungsärmer als Kryotherapie ist [38]. 40 Morbus Bowen (≤ 2,1 cm, davon 50 % an den unteren Extremitäten) wurden entweder
mit ALA PDT (20 % ALA okklusiv über 4 Stunden, Xenon Lampe, 630 ± 15 nm, 125 J/cm2, 70 mW/cm2) oder Kryotherapie (einmaliges Einfrieren für 20 Sekunden) behandelt. Die Abheilungsrate
war nach einmaliger PDT deutlich höher (15/20) als nach einmaliger Kryotherapie (10/20).
Wiederholte Behandlung resultierte in der Abheilung aller Läsionen in der PDT Gruppe
und der Abheilung von 15/20 Läsionenin der Kryotherapie Gruppe. Der Unterschied in
der Wirksamkeit war statistisch jedoch nicht signifikant. In einer Nachbeobachtungszeit
von 12 Monaten wurden keine Rezidive nach PDT und 2 Rezidive nach Kryotherapie beobachtet.
Nebenwirkungen (5 Ulzerationen, 2 Infektionen) traten lediglich bei Kryotherapie auf.
Die schlechteren Ergebnisse der Kryotherapie in dieser Studie sind vermutlich auch
durch die kurze Einfrierzeit bedingt. Diese wurde von den Autoren so gewählt, um Nebenwirkungen,
insbesonders bei den Läsionenan den unteren Extremitäten, gering zu halten.
Auch im direkten Vergleich mit 5-FU erwies sich ALA PDT als therapeutisch gleichwertig,
jedoch besser verträglich. Salim und Morton führten 40 Patienten mit 66 histologisch
gesicherten Morbus Bowen entweder einer Therapie mit ALA PDT (20 % ALA okklusiv über
4 Stunden, Xenon Lampe, 630 ± 15 nm, 100 J/cm2, 48 mW/cm2) oder 5-FU (1 × tgl. über 1 Woche, danach 2×/tgl über 3 Wochen) zu. Die Heilungsrate
nach insgesamt 2 Therapiezyklen betrug in der PDT Gruppe 88 % (29/33), in der 5-FU
Gruppe 67 % (22/33). In beiden Gruppen kam es im Zeitraum von 8 Monaten zu jeweils
2 Rezidiven. Nebenwirkungen (3 Ulzerationen, 6 Ekzemreaktionen) traten ausschließlich
in der 5-FU Gruppe auf [39].
Zwischen ALA PDT und Exzision, Kürettage mit nachfolgender Kaustik, oder Radiotherapie
gibt es keine direkten Vergleichsstudien. Erwähnenswert sind die relativ hohen Rezidivraten
von 4.6 - 19 % nach Exzision (21,24). Der Grund dafür könnte die klinisch schwer abschätzbare
Tumorgrenze sein, weshalb von manchen Therapeuten eine fraktionierte Kürettage unter
histologischer Kontrolle (Mohs-Technik) bevorzugt wird.
Zusammenfassung
Basierend auf den vorliegenden Daten wird ALA PDT zum gegenwärtigen Zeitpunkt als
wirksame therapeutische Alternative bei Morbus Bowen angesehen [4]
[20]
[23]. Wesentliche Vorteile der PDT sind die ausgezeichneten kosmetischen und funktionellen
Ergebnisse sowie die fehlende Invasivität (Abb. [2 a]
[b]). Bei großen oder multiplen Läsionensowie bei Lokalisation in anatomischen Regionen,
in denen eine primäre chirurgische Sanierung schwer oder nicht durchführbar ist (z.
B. digital, genital, perianal), sollte ALA PDT unseres Erachtens als Therapie der
ersten Wahl in Betracht gezogen werden.
Abb. 2 a 4,2 × 3,4 cm großer Morbus Bowen am lateralen Fußrand. b Komplette Abheilung mit ausgezeichnetem kosmetischem Ergebnis nach einer ALA PDT.
Kein Rezidiv innerhalb von 7 Jahren.
Therapieprotokoll für ALA PDT bei aktinischen Keratosen und Morbus Bowen
Aufgrund unserer eigenen Erfahrungen und bisher vorliegender Ergebnisse empfehlen
wir folgendes Behandlungsschema bei aktinischen Keratosen und Morbus Bowen: 20 % ALA
Hydrochlorid (Medac GmbH, Wedel, Deutschland; Sigma-Aldrich Chemie, Taufkirchen, Deutschland)
in einer Wasser/Öl oder Öl/Wasser Emulsion (z. B., Neribas®, Schering, Berlin, Deutschland;
Doritin®, Asta Medica, Wien, Österreich) oder 20 % ALA Methylester (Metvix®, Galderma,
Düsseldorf, Deutschland) okklusiv für 3 - 6 Stunden, danach Bestrahlung mit 70 - 150
J/cm2 inkohärentem Rotlicht (z. B., PDT 1200, Waldmann Medizintechnik, Villingen-Schwennigen,
Deutschland) bei einer Lichtintensität von 70 - 150 mW/cm2. Unmittelbar vor der Bestrahlung sollte eine Wood Licht Betrachtung der mit ALA anbehandelten
Hautläsionen erfolgen. Dabei kann man anhand der charakteristischen rosaroten Fluoreszenz
auch subklinisch veränderte Hautareale erkennen und anschließend gezielt mit Rotlicht
bestrahlen. Die Intensität der Fluoreszenz korreliert mit der Menge des von den Tumorzellen
synthetisierten PP IX und gilt als prognostischer Marker für das Ansprechen auf die
Therapie.
Die Nebenwirkungen der topischen photodynamischen Therapie mit ALA sind gering und
in der Regel völlig reversibel. Zumeist empfinden die Patienten ein leichtes bis mittelstarkes
Brennen während und unmittelbar nach der Bestrahlung. Im behandelten Areal entwickelt
sich innerhalb eines Tages nach der PDT eine Rötung, eventuell auch eine Schwellung
und, in seltenen Fällen, eine Blasenbildung. Zusätzlich können vorübergehend Pigmentverschiebungen
entstehen. Die komplette Abheilung der Läsionendauert 2 - 8 Wochen und ist vom Typ
und Ausdehnung der Präkanzerose abhängig.