Die Therapie der überaktiven Blase (OAB = overactive bladder) kann mit der neuen Therapieoption
Darifenacin[1], einem selektiven Muskarin-3-Rezeptorantagonisten, verbessert werden. Bisher erhielten
die meisten Patienten keine adäquate Therapie; oft deshalb, weil das Krankheitsbild
in der Öffentlichkeit tabuisiert wurde und wenig bekannt war; aber auch durch eine
mangelnde Compliance der Patienten: durch störende Nebenwirkungen der bislang verfügbaren
Medikamente brachen die Patienten die Behandlung oftmals verfrüht ab. Die typischen
Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Obstipation oder Kopfschmerz können durch den
neuen M3-Rezeptorantagonist nun reduziert werden, wie PD Theodor Klotz, Weiden, im Rahmen
eines Fachpressegesprächs sagte.
Weniger Nebenwirkungen
Weniger Nebenwirkungen
Insbesondere bei den älteren Patienten - häufig von einer überaktiven Blase betroffen
- zeige sich die gute Verträglichkeit von Darifenacin. Die Nebenwirkungen seien mild
bis moderat. Eine gewisse Mundtrockenheit könne zwar wie eine verzögerte Kolonpassage
nicht gänzlich vermieden werden, aber: "Entscheidend ist, dass diese unter Darifenacin
nicht zu einem Abbruch der Therapie führen", sagte Klotz. Die typische Mundtrockenheit
sei deutlich geringer ausgeprägt als unter der Medikation mit anticholinerg wirksamen
Präparaten.
Mehr Sicherheit
Mehr Sicherheit
Durch die selektive Wirkung auf den M3-Rezeptor würden auch nicht mehr kardiale Effekte auf den Herzmuskel und die Herzfrequenz
beobachtet als unter Plazebo: der im Herzmuskel vorkommende M2-Rezeptor werde durch Darifenacin kaum beeinflusst, meinte Klotz. Gleiches gelte für
die im Gehirn vorkommenden M1-Rezeptoren.
Verbesserte Lebensqualität für den Patienten
Verbesserte Lebensqualität für den Patienten
Der neue Wirkstoff wurde in 98 klinischen Studien mit mehr als 10000 Patienten geprüft.
Die Studien zeigten: Darifenacin ist klinisch gut wirksam und dabei gut verträglich.
Es reduziert die Miktionsfrequenz um bis 25% und die wöchentlichen Inkontinenzepisoden
- sowohl bei jüngeren und älteren Patienten gleichermaßen - um 77% (Abb. [1]). Bei rund zwei Drittel der Patienten wurden die Inkontinenzepisoden um 50%, bei
rund einem Viertel um fast 90% reduziert. Durch die Einmalgabe von Darifenacin verbessere
sich auch die Nykturie deutlich; die Patienten seien tagsüber leistungsfähiger und
ausgeruhter, begründete Klotz die unter Therapie gesteigerte Lebensqualität für diese
Patienten.
Die Studienlage sei klar, so Klotz: Die Wirkung des neuen M3-Rezeptorantagonisten trete rasch ein und ist bereits nach zwei Wochen gegenüber Plazebo
statistisch signifikant. Wesentlicher Vorteil von Darifenacin seien die reduzierten
Nebenwirkungen und die gute Akzeptanz bei den Patienten: Die gesteigerte Compliance
ermögliche so eine wirksame und erfolgreiche Langzeittherapie bei überaktiver Blase,
sagte Klotz.
Definition der überaktiven Blase
Definition der überaktiven Blase
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Die Internationale Kontinenzgesellschaft (ICS) definierte 2002 die Überaktive Blase
(OAB) als Syndrom des imperativen Harndrangs mit oder ohne Inkontinenz, meist einhergehend
mit erhöhter Miktionsfrequenz und Nykturie. Dabei wurden die Symptome folgendermaßen
definiert:
Imperativer Harndrang
Plötzliches zwingendes und kaum aufzuschiebendes Bedürfnis zum Wasserlassen.
Dranginkontinenz (UUI, Urinary Urge Incontinence)
Unfreiwilliger Harnabgang begleitet von, oder unmittelbar nach Harndrang.
Erhöhte Miktionsfrequenz
Individuelle Beschwerde des Patienten über zu häufiges Wasserlassen (> 8 in 24 Stunden).
Nykturie
Nächtliches Erwachen aufgrund von Harndrang.
Patienten können eine Kombination mehrerer Symptome aufweisen oder auch nur eines.
Studien zeigen, dass eine erhöhte Miktionsfrequenz das häufigste Symptom darstellt
(85% aller Personen über 40 Jahre), gefolgt von Harndrang (54%) und Dranginkontinenz
(36%).
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François Werner, Stuttgart
Quelle: Ausbietungskonferenz "Neue Perspektiven in der Behandlung des Syndroms der
überaktiven Blase", Januar 2005 in Berlin, Veranstalter: Bayer Vital GmbH, Leverkusen.