Die endoprothetische Versorgung der Bevölkerung hat ein nie da gewesenenes Niveau
erreicht. Allerdings wächst mit der steigenden Zahl der Versorgungen auch die Zahl
der Revisionen. Oberärzte und jüngere Chefärzte führender deutscher Kliniken haben
sich deshalb unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Bernd Fink, Markgröningen
beim 2. AE-ComGen Kongress[1] mit den genauen Ursachen für die wachsende Zahl der Revisionen auseinander gesetzt
und über Behandlungsstrategien diskutiert.
Ein ausgewiesenes Ziel des Kongresses war es, den Operateuren moderne Konzepte für
die vielfach durch Infektionen und Frakturen verursachten Problemfälle an die Hand
zu geben. Defektklassifikationen, Defektaufbau, septische Revisionen und Strategien
für die Fixierung periprothetischer Frakturen bildeten deshalb die Schwerpunkte des
Kongresses.
Versorgung muss individuell sein
Dr. Wolfgang Klauser, Kiel, sprach über Defektklassifikationen am Knie. Die wichtigste
Klassifikation ist die Einteilung in zentrale (contained) und periphere (non contained)
Defekte. Klauser machte allerdings deutlich, dass solche Defektklassifikationen zwar
wertvolle Hilfsmittel sind, dass es aber immer um individuelle Lösungen gehen muss.
Die endoprothetische Versorgung ist keine Kochbuchmedizin. Sie muss sich an der persönlichen
Anatomie des Patienten und der Weichteilsituation orientieren.
Infektionen sind häufige Komplikation
Zu den wichtigsten Ursachen für eine Revision zählt nach wie vor die periprothetische
Infektion. Leitsymptom ist nach Worten von Dr. Thorsten Gehrke, Hamburg, jede Form
von anhaltendem Ruheschmerz. Eine periprothetische Infektion muss radikal saniert
werden. Dazu müssen sämtliche Fremdkörper entfernt und das Gewebe sorgfältig ausgeschnitten
werden. Die Implantation einer neuen Prothese ist nur bei genauer Kenntnis der Erreger
unmittelbar nach diesen Maßnahmen möglich. Ansonsten erst nach einer Frist von 6-12
Wochen. Wie Dr. Martin Pietsch, Stolzalpe, Östereich, erklärte, verwendet man dort
die explantierte, gereinigte und sterilisierte Prothese als Platzhalter bis zur endgültigen
Implantation der neuen Prothese. Der Vorteil einer solchen Vorgehensweise besteht
darin, dass der Patient während dieser Zeit mobilisiert werden kann.
Prof. Fink verwies auf die periprothetische Fraktur als Ursache für Revisionen. Frakturen
entstehen nicht selten durch mangelnde Berücksichtigung der Knochenqualität, femorales
Notching bei der Knie-TEP oder durch die Implantation einer zu großen Hüft-Prothese.
Bruchempfindlich ist der Oberschenkelknochen auch dann, wenn sich eine gestielte Knieprothese
und eine gestielte Hüftprothese im Intramedularraum bedrohlich nahe kommen: Eine Situation,
die nach Ansicht Prof. Finks unbedingt vermieden werden sollte. Bei den Platten zur
Stabilisierung einer Fraktur bevorzugt Prof. Fink die LISS-Platte. Sie kann minimalinvasiv
platziert werden und verursacht nur ein geringes Weichteiltrauma.
Nach einer Pressemitteilung (Zimmer)