Am 10. Oktober 2005 ist Prof. Dr. Benno Hammer in München, wo er in den letzten Jahren
mit seiner Gattin lebte, an den Folgen eines apoplektischen Insultes verstorben. Mit
ihm verlieren wir den Initiator der Österreichischen Gesellschaft für Neuroradiologie
und einen großen österreichischen Vertreter dieses Faches.
Benno Hammer wurde am 10. April 1925 in Wien geboren, hier besuchte er auch die Volksschule
und das Unterstufen-Gymnasium. Die letzten Schuljahre absolvierte er am akademischen
Gymnasium in Linz und legte im Februar 1943 dort seine Reifeprüfung ab.
Von Mai bis September 1943 wurde Benno Hammer zum ehemaligen Reichsarbeitsdienst eingezogen
und anschließend von September 1943 bis Juni 1945 zur ehemaligen Deutschen Wehrmacht.
Sofort nach Kriegsende begann er mit dem Medizinstudium in Innsbruck und setzte ab
dem 6. Semester sein Studium an der Universität Wien fort, wo er am 11. Juli 1951
promovierte.
Anschließend absolvierte er als unbezahlter Gastarzt - bezahlte Turnusarztstellen
waren im Nachkriegs-Österreich rar - eine einjährige interne Weiterbildung in Wien
am Kaiser-Franz-Josef-Spital sowie eine zweijährige Ausbildung an der neurologisch-psychiatrischen
Universitätsklinik Wien und eine einjährige Weiterbildung am pathologisch-anatomischen
Institut der Wiener Universitätsklinik. Seit dieser Zeit galt sein spezielles Interesse
den Neurowissenschaften.
1954 wurde ihm eine bezahlte Turnusarztstelle am Linzer AKH angeboten. Ende 1957 erhielt
er die Anerkennung als praktischer Arzt, gleichzeitig aber auch die Ausbildungsstelle
am Zentralen Röntgen-Institut und der Strahlenabteilung des AKH Linz unter der Leitung
von Dozent Dr. Gollmann. 1961 erfolgte die radiologische Facharztanerkennung.
Aufgrund seines fundierten neurologischen Wissens war er an den neuroradiologischen
Untersuchungsmethoden der damaligen Zeit sehr interessiert und er machte sich früh
mit der Pneumenzephalographie, Myelographie und zerebralen Angiographie vertraut.
Als er 1964 radiologischer Konsilarfacharzt am neurologisch-psychiatrischen Landeskrankenhaus
Niedernhart in Linz wurde, hat er diese Untersuchungen unter sehr schwierigen Bedingungen
dort ein- und durchgeführt. Er war dann mit der Planung und Einrichtung des radiologischen
Institutes an der neuen Landesnervenklinik von Oberösterreich, dem Wagner-Jauregg-Krankenhaus
in Linz, beauftragt. In diesem Haus wurde neben der Psychiatrie und Neurologie nun
auch die einzige neurochirurgische Abteilung Oberösterreichs untergebracht. 1969 wurde
Dr. Benno Hammer zum Leiter des radiologischen Institutes am Wagner-Jauregg-Krankenhaus
bestellt und hatte dieses Primariat bis zu seiner Pensionierung 1990 inne.
In dieser Zeit gab es epochale Entwicklungen auf dem Gebiet der bildgebenden Verfahren,
die gerade im neuroradiologischem Bereich diagnostisch sensationelle Möglichkeiten
eröffneten. Benno Hammer versuchte, alle Neuerungen an sein Institut zu holen und
dieses apparativ für alle diagnostischen Anforderungen auszustatten. Er baute ein
radiologisches bzw. neuroradiologisches Team aus Fach- und Ausbildungsärzten sowie
aus einem ausgesuchten radiologisch-technischen Personal auf. In diesen Jahren bildete
er zahlreiche junge Ärzte radiologisch-neuroradiologisch aus. Er leistete in Österreich
Pionierarbeit auf dem Gebiet der neuroradiologischen Schnittbilddiagnostik, er war
involviert in klinische Kontrastmittelstudien für myelographische Untersuchungen und
in seinem Institut wurden schon in den frühen 70er Jahren transfemorale Angiographien
zerebraler Gefäße durchgeführt. Unter seiner Ära wurde im Wagner-Jauregg-Krankenhaus
1983 mit der interventionellen Neuroradiologie begonnen.
Er war in engem wissenschaftlichem und persönlichem Kontakt mit in- und ausländischen
Neuroradiologen. Mit seinen wissenschaftlichen Arbeiten habilitierte er sich an der
Universität Wien, die ihm im Jänner 1975 die Lehrbefugnis als Universitätsdozent für
Röntgendiagnostik unter besonderer Berücksichtigung der Neuroradiologie verlieh. Am
8. August 1983 folgte die Ernennung zum außerordentlichen Universitätsprofessor.
Prof. Dr. Benno Hammer war bis 1990 Nationaldelegierter in der Europäischen Gesellschaft
der Neuroradiologie und vertrat als solcher die Österreichischen Neuroradiologen international.
Seine aktive Laufbahn beendete Prof. Dr. Benno Hammer mit einem Festsymposium am 5.
Mai 1990 in Linz und berief an diesem Tag auch die Gründungsversammlung der Österreichischen
Gesellschaft für Neuroradiologie ein. An der Entstehung dieser Gesellschaft war er
maßgebend beteiligt. Nach seiner Emeritierung wurde ihm die Ehrenmitgliedschaft der
Gesellschaft verliehen.
1956 heiratete Dr. Benno Hammer Frau Dr. phil. Christa Karwin-Karwinsky, mit der er
zwei Kinder hatte, Sohn Stefan und Tochter Marielies. Im Jänner 1974 verstarb seine
erste Frau. Ende 1976 heiratete er zum zweiten Mal. Seiner Witwe, Frau Hildegard Hammer,
sowie seinen beiden Kindern und deren Familien gilt unsere Anteilnahme.
Dr. Hildegard Böhm-Jurkovic, Linz