Seit 2003 steht auch in Deutschland das rekombinante humane Parathormonfragment Teriparatid[1] zur Therapie der fortgeschrittenen postmenopausalen Osteoporose zur Verfügung.
Neue Studienergebnisse zu diesem Medikament wurden auf einem Symposium im März 2006
in Köln[2] vorgestellt.
Die Osteoporose gilt als eine der häufigsten Erkrankungen in Deutschland. Sie habe
nach wie vor weitreichende Auswirkungen für die Betroffenen und die Gesellschaft,
so PD W.J. Faßbender, Kempen, in seinem Vortrag. Jährlich würden in Deutschland ca.
3 Mrd. Euro für die Osteoporosetherapie ausgegeben, davon lediglich 150-160 Mill.
für die medikamentöse Therapie und Prophylaxe.
Zur medikamentösen Therapie der Krankheit bei postmenopausalen Frauen standen lange
Zeit "nur" die oralen Bisphosphonate, der Östrogenrezeptormodulator Raloxifen[3] und Strontiumranelat zur Verfügung. Die Wirkung der antiresorptiven Substanzen (Raloxifen,
Bisphosphonate) beruht auf der Hemmung der Osteoklasten, wobei der gesamte Knochenumsatz
gedrosselt wird. So bleibt vermehrt Zeit, die durch den Abbau entstandenen Lakunen
mit neuer Knochensubstanz aufzufüllen. Zudem kommt es zu einer verlängerten und verstärkten
sekundären Mineralisierung. Bei einer zu starken sekundären Mineralisierung könne
es jedoch zu einer unzureichenden Reparatur von Mikrofrakturen kommen, so Faßbender.
Im Rahmen der MORE (Multiple outcome of Raloxifen Evaluation)-Studie zeigte sich ein
Anstieg des mittleren Mineralisierungsgrades unter Raloxifen um 7%, unter Kalzium
und Vitamin D um 5%. Eine Querschnittsuntersuchung von Biopsien nach einer 2- bis
3-jährigen Therapie mit Alendronat bzw. Plazebo zeigte einen deutlich höheren Mineralisierungsgrad
unter Alendronat. Die Therapie mit antiresorptiv wirkenden Substanzen sollte den neuen
Leitlinien zufolge mindestens 2-3 Jahre dauern.
Teriparatid stimuliert Osteoblasten
Eine Therapieoption für postmenopausale Patientinnen mit fortgeschrittener Osteoporose
und Frauen, die nicht auf die oben beschriebenen Medikamente ansprechen bzw. sie nicht
vertragen, stellte Dr. Pfeiffer, Bad Pyrmont, vor. Das Ende 2003 auch in Deutschland
zugelassene rekombinante humane Parathormonfragment Teriparatid stimuliert bei intermittierender
Gabe die Osteoblasten und führt so zur Bildung neuer, stabiler Trabekel. Ein Effekt
zeige sich bereits innerhalb der ersten 6 Monate, der laut einer 2005 veröffentlichen
Studie auch 3 Jahre nach Therapieende noch anhielt. Gerade schwerwiegende Wirbelkörperfrakturen
ließen sich unabhängig von Lebensalter und präexistenten Frakturen vermeiden[4]. Bei bereits vorhandenen Wirbelkörperbrüchen bessere sich die Schmerzsymptomatik
schnell, so Pfeiffer. Außerdem lägen erste Ergebnisse vor, die bestätigten, dass Teriparatid
auch nach einer langfristigen Therapie mit Antiresorptiva noch osteoanabol wirken
könne[5],[6], wobei sich eine Vorbehandlung mit Raloxifen als vorteilhafter erwiesen hätte als
eine vorhergehende Therapie mit Bisphosphonaten[5].