Nathalie Embriaco und Mitarbeiter stellten in ihrer Studie fest, dass Intensivmediziner
häufiger an einem Burnout-Syndrom leiden und untersuchten die Faktoren, die zu dieser
hohen Rate führen. Eine Hypothese war, dass Intensivmediziner ständig dem Kampf um
Leben und Tod ihrer Patienten ausgesetzt sind. Am J Respir Crit Care Med 2007; 175: 686-692
Ein beruflich bedingtes Burnout-Syndrom ist eine Antwort auf chronische Überlastung
und Stress. Symptome sind Energieverlust, Erschöpfung und Desinteresse, Reizbarkeit,
physische Erkrankungen, negative Arbeitseinstellung sowie eine höhrere Anzahl an Fehlstunden.
Dies führt schließlich zu einer schlechteren Patientenversorgung.
Insgesamt nahmen 189 Intensivstationen mit 978 Ärzten an der Studie teil. Gemessen
wurde mit dem Maslach Burnout Syndrom Inventory Score (MBI), der sich aus 3 Teilen
zusammensetzt. Im 1. Teil werden die Studienteilnehmer zu ihrer emotionalen Überforderung
befragt, der 2. Teil beinhaltet den Umgang mit Patienten, im 3. Teil wird die Einschätzung
der persönlichen Leistung erfragt. Je höher der MBI Score, desto höher ist das Burnout-Syndrom-Level.
Die Studie zeigte folgende Ergebnisse: Die Hälfte der Ärzte litt an einem schweren
Burnout-Syndrom. Frauen hatten insgesamt einen höheren MBI Score, genauso jüngere
Ärzte, die weniger praktische Erfahrung hatten. Ärzte mit einem hohen MBI Score waren
seltener verheiratet und hatten weniger Kinder. Ein Drittel der Befragten wollten
den Beruf wechseln. Risikofaktoren für ein Burnout-Syndrom waren Arbeitsüberlastung
mit vielen Nachtschichten, viele Arbeitsstunden und wenig Freizeit, aber vor allem
schlechtes Arbeitsklima und Konflikte mit Krankenschwestern oder anderen Kollegen.
Demgegenüber schützt ein gutes Arbeitsklima vor einem Burnout-Syndrom. Interessant
ist, dass schwere Erkrankungen und der Kampf um Leben und Tod von Patienten nicht
mit einer höheren Burnout-Syndrom Rate in Zusammenhang stehen.
Bewertung
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Organisatorische Faktoren, wie Arbeitsklima und Anzahl der Nachtschichten, nicht aber
patientenabhängige Faktoren, führen zu einer höheren Burnout-Syndrom-Rate. Eine Konsequenz
dieser Studie sollte eine Veränderung der Arbeitsbedingungen für Intensivmediziner
sein, vor allem ein respektvoller Umgang unter Kollegen.
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Referiert und bewertet von Dr. Dominik Hartl, München