Z Orthop Unfall 2007; 145(6): 699-700
DOI: 10.1055/s-2007-1019443
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© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Sicherheitskontrolle am Flughafen - Machen Implantate Ärger?

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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
21. Dezember 2007 (online)

 
Inhaltsübersicht

Detection of orthopaedic implants in vivo by enhanced-sensitivity, walk-through metal detectors. J Bone Joint Surg Am 2007; 89(4):742-746.

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Einleitung

In Anbetracht der Ereignisse des 11. September 2001 haben sich auf der ganzen Welt, aber insbesondere in den Vereinigten Staaten die Sicherheitsmaßnahmen vor allem auf den Flughäfen drastisch verschärft. Im Zuge der Verschärfung der Kontrollen an den Flughäfen wurden neue hochsensitive Metalldetektoren entwickelt, die von den Passagieren durchschritten werden müssen.

Fluggäste mit metallischen Implantaten oder Prothesen jedoch sind häufig beunruhigt ob die bei Ihnen verwendeten Implantate von diesen Detektoren erkannt werden und wenden sich mit dieser Frage an den behandelnden Arzt. Bisher konnte dieser jedoch nur auf wenig handfeste Daten zurückgreifen, um die Fragen der Patienten zu beantworten.

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Material und Methode

Über einen Zeitraum von einem Monat wurden im Beth Israel Deaconess Medical Center in Boston Massachusetts alle Patienten mit orthopädischen oder unfallchirurgischen Implantaten gebeten durch einen Metalldetektor zu gehen. Bei dem Detektor handelte es sich um einen M-Scope Dreizonen Metalldetektor (Fisher Labs, Los Banos, California), wie er sich derzeit üblicherweise auf den Flughäfen in den Vereinigten Staaten im Einsatz befindet. Die Patienten wurden gebeten den Detektor nach Ablegen aller metallenen Gegenstände zweimal bei hoher und zweimal bei niedrigerer Sicherheitseinstellung zu durchschreiten. Ein Alarm bei einem der beiden Durchgänge wurde als positiv erkannt gewertet.

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Ergebnisse

Untersucht wurden 129 Patienten mit 149 Implantaten. Bei 84 Implantaten handelte es sich um Osteosynthesematerial (Marknägel, Platten, K-Drähte), bei den verbleibenden 65 Implantaten um Endoprothesen. 38 % der Implantate wurde bei niedriger und 52 % der Implantate bei hoher Sicherheitseinstellung des Detektors entdeckt. Endoprothetische Implantate konnten signifikant häufiger entdeckt werden als Osteosynthesematerial. Insbesondere wurden alle untersuchten Hüft-Totalendoprothesen und 90 % der Knieprothesen detektiert, während Hemiarthroplastiken im Schultergelenk unbemerkt blieben. Des Weiteren fand sich ein signifikanter Unterschied in der Sensitivität bezüglich des Implantatmaterials (Stahl < Titan < Cobaltchrom) und der Implantatlokalisation (Obere Extremität < Untere Extremität).

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Kommentar

Viele in Orthopädie und Unfallchirurgie aber auch hausärztlich tätige Kollegen wurden schon mit der Frage von Patienten konfrontiert, ob ein Implantat bei der Sicherheitskontrolle, z.B. am Flughafen, erkannt werden könne. Studien zu diesem Thema, welche eine Hilfestellung bieten könnten sind rar. Die Medline-Recherche zu diesem Thema findet inklusive der oben zitierten Arbeit fünf Treffer, wobei nur zwei dieser Arbeiten vor 2001 publiziert wurden [3], [4]. Interessanterweise zeigen die in jüngster Zeit publizierten Studien [1], [2] eine deutliche Zunahme der Sensitivität bei der Identifizierung von orthopädischen/unfallchirurgischen Implantaten. Vor allem größere Implantate und Endoprothesen sind mit einer hohen Sensitivität vergesellschaftet [1]. Die hier vorgestellte Arbeit könnte helfen, betroffene Patienten vernünftig aufzuklären und zu beraten. Die Erstellung eines Endoprothesenpasses ist bereits ein übliches Vorgehen in der klinischen Praxis. Für Osteosyntheseimplantate besteht diesbezüglich noch keine Routine, aus diesem Grund könnte ein individuelles ärztliches Schreiben vor Antritt einer Flugreise gegebenenfalls helfen den betroffenen Patienten Wartezeit und Unannehmlichkeiten bei der Sicherheitskontrolle zu ersparen.

OA Dr. med. Philip Gierer

OA Dr. med. Philip Gierer

Chirurgische Klinik und Poliklinik der Universität Rostock

Abteilung für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie

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Literatur

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Literatur