Lange Durchleuchtungszeiten können bei der perkutanen koronaren Angioplastie zu Verbrennungen
in dem präkardialen Hautareal führen, das im Strahlenfeld liegt. Nach den Erfahrungen
von C. Prieto et al. kommt es bei der intrakoronaren Brachytherapie (ICB) in diesem
Hautareal zu einem Anstieg des Dosisflächenprodukts (DAP) um bis zu 50%. Mit zunehmender
Erfahrung gelang es den interventionellen Kardiologen jedoch, die Exposition zu vermindern. Br J Radiol 2006; 79: 730-733
An der San Carlos Universitätsklinik in Madrid wurden zwischen November 2000 und Mai
2005 insgesamt 221 ICB-Behandlungen durchgeführt. Hauptindikationen waren in der Regel
Restenosen nach Stent-Implantation. Da die Stenosen zunächst lokalisiert und häufig
mittels eines Ultraschallkatheters (IVUS) die Ausdehnung der Stenose bestimmt wird,
lassen sich zeitliche Verzögerungen kaum vermeiden. Die Zeit der Durchleuchtung ist
in jedem Fall höher als bei einer konventionellen Stent-Implantation, zumal die korrekte
Platzierung des ICB-Katheters von größter Bedeutung ist. Ein "geographic miss", bei
dem nicht die gesamte Restenose erfasst wird, gilt als die wichtigste Ursache für
ein Therapieversagen.
Selbst geübte interventionelle Kardiologen geraten unter diesen Voraussetzungen schnell
in den Grenzbereich des DAP von 94 Gy/cm2 Haut, ab dem mit Verbrennungen gerechnet werden muss. Das spanische Team lag vor
allem in der Anfangszeit häufig erheblich über diesem Wert. In den ersten beiden Jahren
wurden sogar in 27% der Fälle DAP-Werte von über 180 Gy/cm2 erreicht, in einem Extremfall waren es 384 Gy/cm2. Dass es dennoch in keinem Fall zu schweren Verbrennungen auf der Haut kam, ist erstaunlich.
Untersuchungszeit sinkt mit der Erfahrung
Den spanischen Kollegen ist es aber gelungen, mit zunehmender Erfahrung die Untersuchungszeiten
zu verkürzen. Der mediane DAP-Wert wurde von fast 90 Gy/cm2 in den ersten beiden Jahren auf zuletzt unter 40 Gy/cm2 gesenkt. Neben einer "Lernkurve" dürfte auch der zunehmende Verzicht auf die IVUS
eine Rolle gespielt haben: Sie wurde anfangs bei 73%, später bei 53% der Patienten
durchgeführt.
Leider macht das Team keine Angaben über die langfristigen Erfolge der Therapie (Restenoserate),
die - neben der Vermeidung von Hautverbrennungen - ebenfalls ein Qualitätsmerkmal
der Behandlung ist.
Fazit
Die Bestimmung des Dosisflächenprodukts (DAP) sollte bei der intrakoronaren Brachytherapie
routinemäßig durchgeführt werden, da die interventionellen Kardiologen schnell in
den Grenzbereich geraten können, bei dem Hautbrennungen auftreten können.