Nikotinrezeptoren erfüllen eine wichtige Aufgabe im Gehirn. Sie finden sich auf allen
Zellen des Nervensystems. Die postsynaptischen Nikotinrezeptoren regulieren die synaptische
Neurotransmission. Die präsynaptischen Nikotinrezeptoren modulieren die Transmitterausschüttung
und die präterminalen die Aktionspotentiale. Über die Modulation der Glutaminausschüttung
sind die Nikotinrezeptoren an Lern- und Gedächtnisfunktionen beteiligt. Im Alter gehen
pro Jahr etwa 1 % der Nikotinrezeptoren zugrunde. Besonders stark ist der Verlust
in der Nähe von Amyloidablagerungen. Der Acetylcholinesterasehemmer Galantamin (Reminyl®)
hemmt nicht nur den Abbau von Acetylcholin, sondern moduliert gleichzeitig auch die
Nikotinrezeptoren, d.h. er erhöht ihre Empfindlichkeit und verstärkt die Ausschüttung
von Glutamat. Galantamin kann so möglicherweise dem Verlust an Nikotinrezeptoren entgegenwirken,
erklärte Prof. Alfred Maelicke, Mainz. Über längere Zeit können die Rezeptoren wieder
hoch reguliert werden. Außerdem stabilisiert Galantamin offenbar den Energiestoffwechsel
und erleichtert so die neuronale Signalweiterleitung.
Der duale Wirkmechanismus ist wahrscheinlich der Grund, warum Galantamin die Krankheitprogression
von Alzheimerpatienten verzögern und die Funktionalität der Patienten verbessern kann.
So das Fazit eines Workshops im März, der von Janssen-Cilag unterstützt wurde. Auch
das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) bescheinigt
Galantamin in seinem Abschlussbericht auf patientenrelevanten Ebenen die Verbesserung
psychopathologischer Symptome, verringerten Betreuungsaufwand und bessere Lebensqualität
der betreuenden Angehörigen [1].
Auch die Heimeinweisung kann unter Galantamin verzögert werden, wie PD Dr. Bernd Ibach,
Neuss vorstellte [2], [3]. Zudem verbessere das Antidementivum neuropsychiatrische Symptome wie Wahn oder
Aggressivität.
Das britische National Institute of Clinical Excellence (NICE) zog jetzt in einer
Metaanalyse mehrerer, bis zu sechs Monate andauernder Studien den Schluss, dass sich
in dieser Zeit unter Galantamin die kognitiven Leistungen, die anhand der Alzheimer's
Disease Assessment Scale-Cognition (ADAS-Cog) bestimmt werden können, bei leichter
Alzheimer-Erkrankung um 2,4 Punkte verbessern. Bei moderater Ausprägung profitieren
die Patienten um 4,1 Punkte und bei moderater bis mäßig-schweren Demenz um 6,1 Punkte
(http://www.nice.org.uk). Eine Verbesserung um 4 Punkte gilt dabei bereits als klinisch relevant, betonte
PD Dr. Pasquale Calabrese, Bochum.
Presse-Workshop: "Alzheimer-Demenz: Bedeutung verschiedener Diagnoseverfahren und
Stellenwert des dualen AChE-Hemmers Galantamin in der Therapie" am 7. und 8. März
2007 in Seeon. Veranstalter: Janssen-Cilag