Egal ob mit iodhaltigen Röntgenkontrastmitteln oder gadoliniumhaltigen MRT-Kontrastmitteln
- die radiologische Bildgebung ist aus der modernen Medizin nicht mehr wegzudenken.
"Pro Jahr werden heute weltweit etwa 80 Millionen Kontrastmitteluntersuchungen mit
etwa 8 Millionen Litern Kontrastmittel durchgeführt", konstatierte Prof. Walter H.
Hörl, Wien (Österreich) - mit steigender Tendenz.
Im Regelfall sind die Verfahren risikoarm. Bei älteren und multimorbiden Patienten
(z. B. Diabetes mellitus, kardiale Erkrankungen) und vor allem dann, wenn bereits
eine Niereninsuffizienz besteht, ist allerdings Vorsicht geboten. Dabei gilt: Je stärker
die Nierenfunktion beeinträchtigt ist, desto höher ist auch die Gefahr, dass das eingesetzte
Kontrastmittel "auf die Nieren schlägt" und der Patient eine kontrastmittelinduzierte
Nephropathie entwickelt, erklärte Hörl.
Risiko lässt sich relativ leicht reduzieren
Risiko lässt sich relativ leicht reduzieren
Bei Nierengesunden erreicht die Nierenfunktion in diesem Fall meist innerhalb eines
Monats wieder normale Werte. Vor allem bei Risikopatienten kann sie jedoch zu einer
dauerhaften Dialysepflicht führen. Doch auch in diesem Patientenklientel lässt sich
das Risiko für eine kontrastmittelinduzierte Nephropathie zum Teil durch relativ einfache
"Sicherheitsvorkehrungen", zum Teil aber auch aufwendige Maßnahmen signifikant reduzieren,
berichtete Hörl:
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orale und/oder intravenöse Flüssigkeitszufuhr (0,9%ige Natriumchlorid- oder Bikarbonatlösung)
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Minimierung des Kontrastmittelvolumens
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Gabe von Adenosinantagonisten (z. B. Theophyllin), Acetylcystein oder Vitamin C
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anschließende Hämofiltration
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Einsatz von niedrig- oder isoosmolaren Kontrastmitteln.
Nephrogene systemische Fibrose - eine neue Gefahr für Nierenkranke?
Nephrogene systemische Fibrose - eine neue Gefahr für Nierenkranke?
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Die nephrogene systemische Fibrose (NSF) ist ein noch relativ neues Krankheitsbild,
das vor rund zehn Jahren zum ersten Mal beobachtet wurde. Inzwischen werden die weltweit
rund 220 bekannten Fälle der Erkrankung, die nur bei niereninsuffizienten Patienten
auftritt (90% waren dialysepflichtig), mit der Applikation von gadoliniumhaltigen
Kontrastmitteln in Verbindung gebracht. Anscheinend kann Gadolinium vor allem bei
dialysepflichtigen Patienten in der Folge nach einem gefäßschädigenden Ereignis (z.
B. Entzündung, Thrombose, Operation) diese systemische Vermehrung fibroblastenähnlicher
Zellen, die hauptsächlich in den Extremitäten, weniger häufig am Stamm auftritt, induzieren.
Das Risiko für Dialysepatienten wird derzeit auf etwa 3% geschätzt.
Klinische Symptomatik
Klinisch imponiert die nephrogene systemische Fibrose als pflastersteinartige bräunliche
Plaques, die mit Pruritus und Schmerzen assoziiert sind. "Meist sind diese Hautveränderungen
besser tast- als sichtbar und sind oft leicht mit peripheren Ödemen oder anderen Hauterkrankungen
zu verwechseln", erläuterte Prof. Peter Gross, München. Schon innerhalb kurzer Zeit
aber entwickeln sich holzartige Verhärtungen der Haut und der Muskulatur, die zu schweren
Gelenkkontrakturen führen, sodass die Betroffenen häufig an den Rollstuhl gefesselt
sind. Manchmal verläuft die Krankheit auch systemisch. Sind Herz und Lunge, Ösophagus
und Zwerchfell betroffen, versterben etwa 5% der Patienten.
Klasseneffekt sehr wahrscheinlich
Die meisten NSF-Meldungen gibt es derzeit in Verbindung mit OmniscanTM, das auch eines der beiden meistverwendeten gadoliniumhaltigen Kontrastmitteln, ist.
Betroffen sind aber auch andere Substanzen, wie beispielsweise Magnevist®, Optimark®
oder ProHance®, berichtete Gross. Dementsprechend wurden alle gadoliniumhaltigen Kontrastmittel
mit einem Warnhinweis oder einer Kontraindikation für Patienten mit schwerer Nierenfunktionsstörung
(GFR < 30 ml/min/1,73 m2) versehen.
Trotz dieses potenziellen Risikos dürften auch schwer nierenkranken Patienten dringende
MRT-Untersuchungen nicht vorenthalten werden, plädierte Gross und empfahl, den behandelnden
Nephrologen in die individuelle Nutzen-Risiko-Abschätzung einzubeziehen.
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Wahl des Kontrastmittels spielt eine große Rolle
Wahl des Kontrastmittels spielt eine große Rolle
Während hochosmolare Kontrastmittel bereits seit dem Jahr 2000 aufgrund ihrer relativ
hohen Nebenwirkungsraten nicht mehr intravasal eingesetzt werden dürfen, werden potenzielle
Unterschiede zwischen isoosmolaren Substanzen, wie beispielsweise Iodixanol (VisipayueTM) und niedrigosmolaren Kontrastmitteln bezüglich ihres nephrotoxischen Effekts derzeit
kontrovers diskutiert.
Möglicherweise - dies zumindest legen die Ergebnisse einer aktuellen Metaanalyse (n
= 2727) nahe - haben hier isoosmolare Kontrastmittel "die Nase vorn" [1]: Denn der Einsatz von Iodixanol war im Vergleich zu verschiedenen niedrigosmolaren
Kontrastmitteln mit einer signifikant geringeren Rate an kontrastmittelinduzierten
Nephropathien assoziiert, vor allem bei Hochrisikopatienten mit chronischen Nierenerkrankungen
plus Diabetes (3,5 versus 15,5%). Die im letzten Jahr publizierte CARE[1]-Studie [2] konnte diesen Vorteil allerdings nicht bestätigen, konstatierte Hörl.
Leitlinien empfehlen den Einsatz isoosmolarer Kontrastmittel
Leitlinien empfehlen den Einsatz isoosmolarer Kontrastmittel
Klar Stellung beziehen die aktuellen Leitlinien des "American College of Cardiology"
(ACC) und der "American Heart Association", welche den Einsatz isoosmolarer Kontrastmittel
bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion mit oder ohne Diabetes empfehlen,
um das Risiko einer kontrastmittelinduzierten Nephropathie zu minimieren. Auch anderen
aktuellen Studienergebnissen tragen sie Rechnung und stufen einen Anstieg des Serumkreatinins
als unabhängigen Risikofaktor für Mortalität und kardiovaskuläre Ereignisse ein.
sts
Quelle: Pressekonferenz "Wenn Kontrastmittel auf die Niere schlagen", veranstaltet
von der GE Healthcare Buchler GmbH & Co.KG, Braunschweig - München