Nach der bisherigen Literatur scheinen Patienten mit Multipler Sklerose (MS) nur selten
an Gicht zu erkranken und erhöhte Harnsäurespiegel, die als ein entscheidender Risikofaktor
für die Entwicklung einer Gicht gelten, treten praktisch nicht auf. Im Gegenteil:
Der Spiegel an Harnsäure, ein Produkt des Purinstoffwechsels, scheint bei MS-Kranken
eher erniedrigt zu sein als bei gesunden Kontrollgruppen. Auch MS-Patienten im Schub
weisen im Durchschnitt tiefere Werte auf als Patienten in Remission. Die Ursachen
für diesen Effekt sind noch weitgehend unbekannt. Diskutiert werden antioxidative/neuroprotektive
Eigenschaften von Harnsäure oder verwandten Metaboliten.
Möglicherweise eignet sich Harnsäure auch als Marker für die Erkrankungsaktivität
und die Verlaufskontrolle bei medikamentöser Therapie.
In einer retrospektiven Untersuchung verglichen Guerrero et al. die Harnsäurespiegel
von Patienten mit sekundär progressiver MS (64 Frauen, 19 Männer) (1). Sie analysierten
die Daten hinsichtlich demografischer Variablen wie Alter und Geschlecht, Alter bei
Erkrankungsbeginn, Behinderungsgrad und Anzahl von Rückfällen. Dabei bestimmten sie
die Spiegel während und nach eines Schubs, während der Remissionsphase und während
der immunmodulatorischen Behandlung (Interferon-beta-1a i.m., Interferon-beta-1a s.c.,
Interferon-beta-1b oder Glatirameracetat). Während des Schubs lagen die Harnsäurespiegel
signifikant niedriger. Unter immunmodulatorischer Behandlung sanken die Harnsäurespiegel
ebenfalls. Ob Harnsäure nur die Krankheitsaktivität bei MS widerspiegelt oder auch
eine Rolle bei der Pathogenese der Erkrankung spielt, muss in weiteren Studien untersucht
werden.
KW
Quelle: Guerrero AL et al. Variation of serum uric acid levels in multiple sclerosis
during relapses and immunomodulatory treatment. Eur J Neurol 2008;15 (4): 394-397