Suchttherapie 2021; 22(03): 124-131
DOI: 10.1055/a-1304-6212
Originalarbeit

Kokain abseits von pathologischem Konsum

Eine systematische LiteraturübersichtCocaine Away From Pathological ConsumptionA Systematic Literature Overview
Thorsten Köhler
Katholische Hochschule NRW, Abteilung Köln
,
Hannah Grau*
Katholische Hochschule NRW, Abteilung Köln
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Zusammenfassung

Hintergrund Der Kokainkonsum in Europa steigt an, v. a. in sozial integrierten Gruppen. Doch gibt es bisher zu wenig Forschung zu dieser Zielgruppe, um neue Konzepte für eine zeitgemäße Prävention abseits von Illegalisierung und Pathologisierung entwerfen zu können.

Methode Vom 01.03. bis zum 31.07.2018 wurden in einer Datenbankrecherche einschlägige Zeitschriftenartikel in den Publikationssprachen Deutsch und Englisch, erschienen ab 2007 analysiert.

Ergebnisse Ein erhöhter Konsum lässt sich am Wochenende feststellen. Motivation für den Konsum scheint daher die Freizeitgestaltung und weniger eine pathologische Nutzung. Außerdem wird in fast allen Studien die Unterscheidung zwischen marginalisierten und sozial integrierten Konsumierenden belegt. Es lässt sich feststellen, dass Party-Besuchende eine wichtige Zielgruppe bei der Prävention von Kokainkonsum darstellen: Diese sind sowohl gut gebildet und setzen den Konsum bewusst und „zum Spaß“ ein. Kokain als Substanz für Neuro-Enhancement lässt sich anhand dieses Reviews nicht belegen. Allgemein zeigt sich die Party-Zielgruppe als relativ empfänglich für Safer-Use-Maßnahmen und zeigt eine moralische Ambivalenz in Bezug auf den eigenen Konsum, den sie mit verschiedenen Legitimierungsstrategien zu rechtfertigen versucht.

Schlussfolgerung Um Kokain als Lifestyleprodukt zu erforschen, müssten Primärdaten erhoben werden, um diese „Gelegenheitskonsumierenden“ sichtbar zu machen, ihre Motivationen zu verstehen und Ansatzpunkte für Präventionsinterventionen zu finden.

Abstract

Background Cocaine use in Europe is increasing, especially in socially integrated groups. However, until now there has been too little research on this target group in order to be able to design new concepts for timely prevention away from illegalization and pathologization.

Method From 01.03. to 31.07.2018 relevant journal articles with the publication languages ​​German and English, published since 2007 were analyzed in a database search.

Results An increase in consumption can be seen at the weekend, suggesting the consumption for recreational purposes. In addition, almost all studies show the distinction between marginalized and socially integrated consumers. It can be seen that party visitors are an important target group in the prevention of cocaine use: they are both well-educated, and use the consumption consciously and “for fun”. Cocaine as a substance for neuro-enhancement can not be substantiated by this review. In general, the party target group is relatively receptive to safer use and shows a moral ambivalence towards its consumption, which it tries to justify with various legitimization strategies.

Conclusion In order to explore cocaine as a lifestyle product, primary data would need to be collected to make those “casual” consumers visible, to understand their motivations, and to find approaches for prevention interventions.

* geteilte Erstautorenschaft




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Article published online:
21 January 2021

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