Z Gastroenterol 2015; 53(12): 1413
DOI: 10.1055/s-0041-110211
Editorial
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Hepatologie 2016: Perspektiven und Herausforderungen

D. Häussinger
,
V. Keitel
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Publication Date:
14 December 2015 (online)

Auf dem Gebiet der Hepatologie wurden in den letzten Jahren enorme Fortschritte erzielt. Als Beispiel sei hier die Einführung der direkt antiviral wirksamen Medikamente zur Therapie der chronischen Hepatitis C Virusinfektion genannt, mit denen Heilungsraten von über 90 % in den meisten Patientengruppen erzielt werden konnten. Während die Anzahl an Patienten mit chronischer viraler Hepatitis abnimmt, kam es in den letzten Jahren zu einer Prävalenzzunahme der nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung (NAFLD). Aber auch auf dem Gebiet der NAFLD haben sich in den vergangenen Jahren spannende Neuigkeiten ergeben, so konnte erstmals ein Mausmodell für den häufigen Polymorphismus im Adiponutrin Gen (PNPLA3, p.I148 M) entwickelt werden, das dem menschlichen Erkrankungsbild vergleichbar ist. Auch konnte im Tiermodell und beim Menschen gezeigt werden, dass ein zweiter NAFLD-assoziierter Polymorphismus im TM6SF2 Gen durch eine verminderte hepatische Sekretion von Lipiden zu deren Akkumulation in der Leber führt. In den Beiträgen zur Jahrestagung 2016 der Gesellschaft zum Studium der Leber (GASL), die Sie in diesem Heft finden, werden unterschiedliche Aspekte zur NAFLD vorgestellt. So werden neue Tiermodelle, wichtige Moleküle und Signalwege und deren Bedeutung für die Pathogenese, die Relevanz der beiden bereits genannten Polymorphismen im PNPLA3 und TM6SF2 Gen bis hin zu klinischen Aspekten der NAFLD präsentiert. Die Beiträge zur GASL 2016 sind wieder in 5 Kategorien gegliedert. Sie beschäftigen sich inhaltlich mit Fibrogenese und den Nichtparenchymzellen der Leber, mit Metabolismus und Transport, mit Klinischer Hepatologie, mit Lebertumoren, Leberchirurgie und Lebertransplantation sowie mit den Virushepatitiden und immunologischen Aspekten. Die Beiträge zu diesen 5 Themengebieten umfassen das gesamte Spektrum an hepatologischer Forschung von der Molekül-, Zell- und Tiermodell-orientierten Grundlagenwissenschaft bis hin zur klinischen Forschung und Anwendung. Die Vielfalt der GASL Beiträge spiegelt das breite Spektrum der Leberforschung in Deutschland wider und gibt einen Einblick in neue Erkenntnisse aus sämtlichen Bereichen der Hepatologie. Zusätzlich zu den Beiträgen zur Jahrestagung 2016 finden Sie in diesem Heft außerdem drei Übersichtsarbeiten mit Bezug zu den Themen der GASL. Ein Artikel befasst sich mit der Virusreplikation in der Leber und der Milz und ihren Auswirkung auf den Verlauf der Infektion. Im Anfangsstadium einer Virusinfektion findet insbesondere in der Milz eine starke Replikation der Viren statt („enforced viral replication“), die essentiell für eine Aktivierung des angeborenen und erworbenen Immunsystems ist. Eine weitere Übersichtsarbeit befasst sich mit der Lebersternzelle und deren Funktion als Stammzelle. Während die Sternzellen lange Zeit einzig als Matrix-produzierte Zellen und damit als wichtige Schrittmacherzellen in der Fibrogenese angesehen wurden, konnten neue Arbeiten belegen, dass es sich bei den Sternzellen um mesenchymale Stammzellen, die zu Hepatozyten und Cholangiozyten differenzieren können, und beim Disséschen Raum um eine Stammzellnische handelt. Somit scheint es vom Kontext der Leberschädigung und Regeneration abhängig zu sein, ob Sternzellen der Regeneration dienen oder zur Fibrogenese beitragen. Der dritte Artikel fasst den aktuellen Wissensstand zu genetisch-bedingten Lebererkrankungen im Erwachsenenalter zusammen und gibt somit einen Praxis-tauglichen Überblick über genetische Varianten, die bei monogenetischen Lebererkrankungen, intrahepatischen Cholestasen, Gallensteinentwicklung, NAFLD, medikamentös-toxischer Leberschädigung, Leberzirrhose und hepatozellulärem Karzinom von Bedeutung sind. Wir hoffen, dass die Abstracts zur Jahrestagung 2016 und die Übersichtsartikel in diesem GASL Sonderheft der Zeitschrift für Gastroenterologie interessante neue Aspekte für Ihre tägliche Arbeit in Forschung, Klinik und Praxis liefern und zu einem Besuch der kommenden GASL in Düsseldorf anregen.