Zusammenfassung
Unter Trauma (von altgriechisch τραύμα) versteht man eine Zerstörung von Geweben oder
Organen durch eine Gewalteinwirkung von außen. Im Kindesalter ist das Trauma die häufigste
Ursache für Mortalität und Morbidität. Verletzungen des Urogenitaltraktes können durch
stumpfe oder penetrierende Verletzungen hervorgerufen werden. Bei 2,9% aller pädiatrischen
Traumapatienten ist der Urogenitaltrakt maßgeblich verletzt. Im Kindesalter ist die
Niere das am häufigsten betroffene Organ des Urogenitaltraktes (über 60% aller Urogenitaltraktverletzungen).
Der häufigste Verletzungstyp ist hierbei mit 80 – 90% das stumpfe Nierentrauma. Ursächlich
für die bei Kindern erhöhte Vulnerabilität der Nieren sind das geringer ausgeprägte
retroperitoneale und abdominale Fettgewebe, die schwächeren Bauch- und Rumpfmuskeln
sowie die weiter kaudale Nierenlage im Abdomen. Angeborene Fehlbildungen wie z.B.
die Ureterabgangsstenose, die Hydronephrose, Hufeisennieren oder ektope Nieren gehen
ebenfalls mit einer erhöhten Vulnerabilität der Nieren einher. Für die radiologische
Beurteilung eines Nierentraumas ist die kontrastmittelunterstützte Computertomographie
mit der raschen Spiraltechnologie die Goldstandardmethode. Eine chirurgische Intervention
ist nur in der Minderheit der Kinder erforderlich.
Bei Kindern ist eine isolierte Harnleiterverletzung infolge eines Traumas sehr selten,
wobei im pädiatrischen Krankengut die penetrierenden Harnleiterverletzungen häufiger
sind als die stumpfen Verletzungen. Die Inzidenz einer Harnleiterverletzung, bezogen
auf alle Traumen des Harntraktes, beträgt im pädiatrischen Krankengut lediglich 1%.
Prellungen, Quetschungen, Einrisse und Harnleiterabrisse sind die häufigsten Verletzungsmuster.
Aufgrund der Überextension der kindlichen Wirbelsäule ist der Harnleiter vor allem
bei Dezelerationstraumen gefährdet. Neben der retrograden Ureteropyelographie als
Goldstandard sind entweder das Urogramm oder heutzutage die kontrastmittelgestützte
Computertomographie weitere diagnostische Möglichkeiten. Bei der Wahl der therapeutischen
Möglichkeiten spielt die Lokalisation der Harnleiterverletzung eine entscheidende
Rolle.
Im Gegensatz zu Erwachsenen steht die Blase bei Säuglingen, Kleinkindern und Kindern
deutlich höher und entspricht demzufolge eher einem Bauchorgan. Durch die exponierte
Lage über dem Beckenring, durch das noch kaum entwickelte abdominale Fettgewebe und
die noch wenig ausgeprägte Rektusmuskulatur ist die Blase in dieser Altersgruppe deutlich
weniger geschützt. Der häufigste Verletzungstyp ist hier wiederum das stumpfe Trauma.
Sehr häufig sind Blasenverletzungen mit Beckenfrakturen assoziiert (70 – 90%). Das
konventionelle oder CT-Cystogramm ist die Goldstandardmethode in der Bildgebung.
Abstract
Trauma refers to the destruction of tissues or organs by external forces and it is
the most common cause of mortality and morbidity in children (1, 2). Injuries of the
genitourinary tract may be the result of blunt (falls, sport injuries, motor vehicle
accidents and sexual abuse) or penetrating (stab wounds, gun shots, falling onto sharp
objects) injuries. The genitourinary tract is significantly injured in 2.9% of paediatric
trauma patients [4].
In the paediatric population, the kidney is the most affected organ in the genitourinary
tract (>60% of all genitourinary tract injuries) [4]. Blunt renal trauma is the most common type of injury representing 80–90% [4]. The paediatric kidney is more susceptible due to less abdominal and retroperitoneal
fat, weaker trunk and abdominal muscles and a lower position in the abdomen. Preexisting
renal abnormalities such as UPJ obstruction, hydronephrosis, horseshoe kidney or ectopic
kidney make the kidney more vulnerable. Spiral computed tomography is the gold standard
method for radiological assessment. Surgical intervention is needed only in the minority
of children. Isolated ureteral injury due to trauma is very rare in children. Penetrating
ureteral trauma is more common than blunt trauma in the paediatric population. Among
all urological trauma cases, the incidence of ureteral injury is lower than 1% [4].
Ureteral injuries include contusion, laceration and avulsion. Because of their hyperextensible
vertebral column, children are more likely to sustain deceleration injuries. Delayed
films of IVP and CT are the main diagnostic tools whereas the gold standard is retrograde
ureteropyelography. Ureteral injury treatment options depend on the location of injury.
The bladder in children is a more abdominal organ than in adults. Lying in an exposed
position above the pelvis, the bladder is more vulnerable in this age group as it
is less well protected due to the less developed abdominal fat and rectus muscles.
Here, too, the most common type of trauma is blunt injury. High percentages of bladder
injuries are associated with pelvic fractures (70-90%) [4]. The average rate of bladder injury in patients with pelvic fractures is 4% in the
paediatric age group [4]. Conventional or CT cystography is the gold standard method of imaging.
Schlüsselwörter
Nierentrauma bei Kindern - kindliche Traumapatienten - Harnleitertrauma - Blasentrauma
Key words
renal trauma in the paediatric population - paediatric trauma patients - ureteral
trauma - bladder trauma