Psychother Psychosom Med Psychol 2015; 65(03/04): 112-118
DOI: 10.1055/s-0034-1389960
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Essbegleitung für Patienten mit Essstörungen: Eine Umfrage zur Versorgungspraxis an deutschen Essstörungszentren

Mealtime Support for Patients with Eating Disorders: A Survey on the Clinical Practice in German Eating Disorders Centers

Authors

  • Timo Brockmeyer

    1   Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik, Universitätsklinikum Heidelberg
  • Hans-Christoph Friederich

    1   Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik, Universitätsklinikum Heidelberg
  • Burkard Jäger

    2   Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie, Medizinische Hochschule Hannover
  • Michael Schwab

    1   Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik, Universitätsklinikum Heidelberg
  • Wolfgang Herzog

    1   Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik, Universitätsklinikum Heidelberg
  • Martina de Zwaan

    2   Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie, Medizinische Hochschule Hannover
Further Information

Publication History

eingereicht 04 July 2014

akzeptiert 25 August 2014

Publication Date:
17 November 2014 (online)

Zusammenfassung

Essbegleitung stellt einen zentralen Therapiebaustein in der stationären und teilstationären Behandlung von Patienten mit Essstörung dar. Bisher gibt es jedoch kaum empirische Forschung, die als Grundlage für eine wissenschaftlich fundierte, praxisorientierte Handlungsempfehlung herangezogen werden kann. Ziel der aktuellen Studie war es daher, zunächst einen umfassenden Überblick über die aktuelle Versorgungspraxis der Essbegleitung in Deutschland zu erhalten. An der landesweiten Umfrage nahmen 97 Mitarbeiter von insgesamt 66 deutschen Essstörungszentren teil. Die Umfrage zur Essbegleitung umfasste 4 große Themenbereiche: (a) Setting, (b) allgemeine Rahmenbedingungen, (c) spezifische Interventionen, und (d) Perspektive der Mitarbeiter. Die Ergebnisse der Umfrage zeigen u. a., dass die Mahlzeiten in erster Linie durch Pflegepersonal begleitet werden. An etwa zwei Drittel der Zentren wird mindestens eine Essbegleitung pro Tag unter strukturierten Rahmenbedingungen angeboten. Die meisten Zentren bieten eine Patientenküche und/oder eine Kochgruppe für die Zubereitung von Mahlzeiten durch Patienten an. Von etwa drei Viertel der Behandler wird das Essverhalten und die Essensmenge der Patienten systematisch dokumentiert. Ferner nehmen die meisten Behandler eine Vorbildfunktion ein, indem sie selbst Mahlzeiten am Patiententisch einnehmen. Eine gezielte Nahrungsmittelexposition wird nur von einer Minderheit der Behandler angeboten. Sanktionen bei Nichteinhaltung therapeutischer Zielvereinbarungen werden deutlich häufiger eingesetzt als positive Verstärkung bei Erreichen dieser Ziele. Weniger als die Hälfte der Behandler bietet eine Nachbetreuung nach dem Essen an. Die Ergebnisse der Umfrage geben wichtige Einblicke in die aktuelle Praxis der Essbegleitung und stellen einen Ausgangspunkt für die Entwicklung klinischer Untersuchungen zur Überprüfung der Wirksamkeit spezifischer Interventionen dar.

Abstract

Mealtime support is a cornerstone of eating disorders (ED) inpatient and day-care treatment but has received only little attention in research so far and no valid recommendations are available for this type of intervention. Thus, the aim of the present study was to gather a comprehensive picture of how mealtime support is currently practiced in Germany. In a nationwide survey, 97 staff members from 66 ED centers across Germany completed a survey-form that covered 4 broad topics: (a) setting, (b) general conditions, (c) specific interventions, and (d) treatment providers’ perspective. For the most part, mealtime support is delivered by nurses. Two thirds of the centers provide at least one therapeutically supported meal per day. Most centers offer their patients a kitchen and/or a guided cooking group. Patient eating behavior and amount of food eaten is documented by three quarters of staff members. Most staff members offer some kind of role modeling by eating their own meals at the same table. Food exposure is provided by a minority. Whereas two thirds use sanctions when patients did not achieve their eating goals, only one third use positive reinforcement when patients achieved their goals. Less than one half offer some kind of post-meal support. The results provide important insights into the current practice of mealtime support and will thus inform future studies that examine the efficacy of different types and interventions of mealtime support.