PSYCH up2date 2018; 12(04): 331-345
DOI: 10.1055/a-0448-1506
Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Narzissmus und die narzisstische Persönlichkeitsstörung

Claas-Hinrich Lammers
,
Stephan Doering
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Publication Date:
12 July 2018 (online)

Narzissmus ist ein vieldeutiger Begriff, der sowohl in der Persönlichkeitspsychologie, der klinischen Psychologie als auch der Psychiatrie Verwendung findet und in einen grandiosen als auch einen vulnerablen Typus unterschieden werden kann. Zur Psychotherapie der narzisstischen Persönlichkeitsstörung gibt es Konzepte aus den verschiedenen Therapieverfahren, welche eine beträchtliche Überschneidung aufweisen.

Kernaussagen
  • Narzissmus ist ein dimensionales Konstrukt, welches von adaptiven Persönlichkeitsmerkmalen über eine maladaptive Persönlichkeitsakzentuierung bis zur narzisstischen Persönlichkeitsstörung reicht.

  • Es gibt eine grandiose und eine vulnerable Form des Narzissmus.

  • Im Zentrum des pathologischen Narzissmus steht eine dysfunktionale Selbstwertregulation.

  • Entwicklungsgeschichtliche Faktoren zeigten in empirischen Studien keinen großen Einfluss auf die Ausbildung narzisstischer Persönlichkeitsmerkmale.

  • Psychotherapeutische Behandlungsansätze wurden insbesondere seitens der psychodynamischen Therapien als auch der Verhaltenstherapie konzipiert, jedoch bislang nicht empirisch untersucht.

  • Im Mittelpunkt der psychotherapeutischen Verfahren stehen u. a. die Klärung der doppelten Selbstwertregulation, die Aktivierung adaptiver interaktioneller Bedürfnisse, die Verbesserung der Mentalisierungsfähigkeit (kognitiven Empathie), die Bearbeitung der Beziehungspathologie in der therapeutischen Beziehung (Übertragung) und die Arbeit an interaktionellen Kompetenzen.