Flug u Reisemed 2018; 25(02): 55-58
DOI: 10.1055/a-0574-5589
Kasuistik
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Strongyloides-stercoralis-Hyperinfektionssyndrom nach Thailandaufenthalt

Strongyloides stercoralis hyperinfection syndrome after journey to Thailand
Torsten Feldt
1  Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie, Universitätsklinikum Düsseldorf
,
Björn Jensen
1  Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie, Universitätsklinikum Düsseldorf
,
Falk Hüttig
1  Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie, Universitätsklinikum Düsseldorf
,
Hans Martin Orth
1  Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie, Universitätsklinikum Düsseldorf
,
Martha Holtfreter
1  Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie, Universitätsklinikum Düsseldorf
,
Irmela Müller-Stöver
1  Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie, Universitätsklinikum Düsseldorf
,
Dieter Häussinger
1  Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie, Universitätsklinikum Düsseldorf
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Publication History

Publication Date:
20 April 2018 (online)

Anamnese

Eine 54-jährige Patientin stellte sich nach einer 4-wöchigen Thailandreise mit Abgeschlagenheit, abdominellen Schmerzen, Durchfall, Übelkeit und Husten in ihrem Heimatkrankenhaus vor. Während der Reise besuchte die aus Thailand stammende Patientin ihre Familie. Sie stand dabei unter Medikation mit 20 mg Prednisolon täglich und berichtete über keinerlei Probleme oder besondere Expositionsrisiken während der Reise.

Die Patientin hatte sich erstmals 3 Jahre zuvor mit landkartenartig über das Integument verteilten erythematös-lividen und indurierten Hautveränderungen an Gesicht, Rücken und Extremitäten sowie Sensibilitätsstörungen und zahlreichen Narben nach Brandverletzungen der Hände in unserer Klinik vorgestellt. Bei Nachweis von Mycobakterium leprae in der Biopsie wurde eine borderline-lepromatöse Lepra diagnostiziert und eine entsprechende Therapie mit Rifampicin, Clofazimin und Dapson über 12 Monate nach WHO-Schema eingeleitet. Etwa einen Monat nach Beginn der Therapie trat eine Verschlechterung der Hautläsionen im Sinne einer Typ-I-Reaktion auf, die eine intermittierende Prednisolon-Medikation erforderlich machte. Nach mehreren Rezidiven war ein Jahr nach Abschluss der Lepratherapie immer noch eine Medikation mit 10 mg Prednisolon täglich erforderlich.

Als die Patientin sich mit Fieber und neu aufgetretenen schmerzhaften erythematös-nodulären Hautveränderungen im Sinne einer Typ-II-Reaktion (Erythema nodosum leprosum, ENL) vorstellte, wurde zusätzlich eine Therapie mit Thalidomid begonnen, die nach Rückbildung der Hautläsionen 8 Wochen später beendet werden konnte. Entgegen der Empfehlung, die Prednisolon-Dosis bei stabilem Hautbefund zu reduzieren, unternahm die Patientin ohne vorherige ärztliche Beratung eine Thailandreise und führte aus Sorge vor einer erneuten Reaktivierung während der Reise die Prednisolon-Therapie in einer Dosis von 20 mg täglich fort.