Fortschr Röntgenstr 2018; 190(04): 319
DOI: 10.1055/a-0575-3816
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Offener Brief der Leipziger Radiologen zur Abschaffung des Ordinariats der Leipziger Universitätsradiologie

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Publication Date:
26 March 2018 (online)

Mit großer Verwunderung und Unverständnis haben wir den Beschluss der Medizinischen Fakultät Leipzig zur Kenntnis genommen, das Ordinariat von Herrn Professor Kahn nach dessen Emeritierung nicht wieder zu besetzen.

Es soll lediglich eine nicht klassifizierte Professur für diagnostische und interventionelle Radiologie ausgeschrieben werden. Dies bedeutet faktisch die Zerschlagung der Klinik für Diagnostische Radiologie und die Abschaffung eines Lehrstuhls, der, als dritter in Deutschland geschaffen, seit 1937 besteht. Der historischen und gegenwärtigen Situation und Bedeutung dieser Klinik wird diese Entscheidung nicht gerecht, vielmehr ist sie ein Teil des seit Jahren systematisch betriebenen Traditionsabbaus in Leipzig.

Die Leipziger Klinik hatte und hat national und international einen hervorragenden Ruf in Forschung, Lehre und Krankenversorgung, der durch die beabsichtigten „flachen Leitungsstrukturen“ – ein Terminus, der in sich widersprüchlich ist und den man eher im Sinne von „divide et impera!“ deuten kann – ernsthaft gefährdet wird.

Die umfangreiche Kongresstätigkeit in Leipzig – in diesem Zusammenhang sei nur auf den Deutschen Röntgenkongress verwiesen, der, erstmals in den Neuen Bundesländern überhaupt, für 5 Jahre in Leipzig stattfinden wird – hat dazu geführt, dass sich Leipzig zu einem nationalen Kristallisationspunkt einer optimalen Aus- und Weiterbildung für Fachärzte der diagnostischen Radiologie entwickelt hat. Zu erwähnen wäre auch die umfangreiche wissenschaftliche Tätigkeit an der Klinik, die ihren Niederschlag im Ranking der Leipziger Universitätskliniken findet, bei dem die Klinik für Diagnostische Radiologie unter etwa 30 Kliniken den vierten Platz belegt.

Die gegenwärtige Entscheidung der Fakultät und der Leitung des Klinikums ist falsch und kontraproduktiv und kommt einer Brüskierung aller jemals in Leipzig ausgebildeten Ärzte gleich. Folgerichtig wird dadurch ein Verlust der Attraktivität Leipzigs als Aus- und Weiterbildungsstätte resultieren. Da die diagnostische Radiologie ein Querschnittsfach wie kaum ein anderes ist, werden davon auch andere Fachbereiche betroffen sein. Darüber hinaus sind negative Auswirkungen für den Universitätsstandort Leipzig bezüglich des Wettbewerbs mit anderen Universitäten zu erwarten, zum Beispiel bei der Beantragung von Großgeräten, Forschungsmitteln oder DFG-Projekten.

Es gibt somit eine ganze Reihe schwerwiegender Gründe, die unserer Meinung nach falsche Entscheidung der Medizinischen Fakultät noch einmal gründlich zu überdenken und gegebenenfalls zu revidieren.

Hochachtungsvoll,
stellvertretend für die betroffenen Leipziger Radiologinnen und Radiologen

Prof. Dr. med. Frank Schmidt
PD Dr. med. Jens-Peter Schneider

Korrespondenzadresse
Prof. Dr. med. Frank Schmidt
Sasstr. 40
04155 Leipzig
E-Mail: JPS@radiologie-leipzig.de